Meine Bestellungen

Ihr aktueller Status:

Sie sind Gast auf dieser Seite.

Registrieren Sie sich, um Ihren Status zu ändern.
Bestellen Sie einen Tageszugang oder ein Abonnement, um alle Funktionen freizuschalten und alle Texte lesen zu können.

Willkommen im Kulturportal vom Kulturbüro Göttingen. 

Hier finden Sie Termine und Nachrichten aus dem Kulturleben der Region. 
Ihre Möglichkeiten als Benutzer:in auf dieser Seite sehen Sie, wenn Sie auf das Menü rechts klicken. (Die drei kleinen schwarzen Balken)

Schmetterlingsfänger zum Theaterfestival im JT

Information
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 6.November 2015

Eine interkulturelle Begegnung mit der Göttinger Theaterwerkstatt

Leon kennt sich gut aus mit Schmetterlingen, ihrer Artenvielfalt und ihrer Aufzucht. Eigentlich lässt er sich nur deshalb von seiner Tante Corinna zu einer Reise nach Südostasien überreden. Die Journalistin lockt ihn mit einem berühmten Schmetterlinkspark in der Nähe historischer Tempelanlagen, über die sie recherchieren soll. Noch klingt das wie ein hilfloser Versuch, den Jungen nach dem Tod seiner Mutter ein bisschen abzulenken. Und schon gibt es auf der Bühne des Jungen Theaters den ersten Streit um das Reisegepäck.
Tropen oder nicht, der Lieblingspullover muss mit, das Insektenhotel und vor allem der Kalender, den die Umweltaktivistin ihrem Sohn geschenkt hatte. Den braucht Leon vor allem dann, wenn er der kleinen Schmetterlingsfängerin Samnang begegnet und das exotische Paradies, das sich an den Lebensbedingungen in Kambodscha orientiert, auch von seiner zerstörerischen Seite kennenlernt.

Über eine Videoleinwand werden Szenen von der Ankunft eingeblendet, die Fahrt in eine Tuk Tuk, wo sich Tante und Neffe erneut kabbeln, wie man sich als Tourist den Einheimischen gegenüber verhält. Regisseurin und Autorin Dorothea Derben hat in ihrem Stück „Schmetterlingsfänger“ Informationen über Kinderarbeit und Kinderarmut mit den Reisebildern verwebt. Dass ausländischen Investoren das Tourismusgeschäft in einer der ärmsten Regionen Südostasiens beherrschen klingt ebenfalls in ihrer Szenenfolge an und auch die zerstörerische Ausbeutung von Ressourcen, wenn der Einsatz von Pestiziden auf den Reisfeldern nun den Lebensraum der Schmetterlinge vergiftet.

In ihrer Inszenierung zum Auftakt des 2. Göttinger Festivals der freien Theater am JT verwickelt die Leiterin der Göttinger Theaterwerkstatt ihre drei Darsteller in eine Fülle von Motiven: Den Leon von Sasha Bornemann, Brit Henning als Corinna und Mona Louisa-Melinka Hempel in der Rolle der jungen Schmetterlingsfängerin Samnang. Das macht diesen interkulturellen Streifzug mit dem Untertitel „Über Kindsein in Westeuropa und Südostasien“ nicht nur für Kinder ab neun Jahren zu einem verwirrenden Bühnenabenteuer. Es wird erzählt, wie Leon und Samnang einander verstehen lernen und das nicht nur mit der Deutsch-Englischen Sprachbarriere. Der Junge lässt die Beute der kleinen Schmetterlingsfängerin einfach frei und will nicht begreifen, dass sie damit ganz entscheidend zum Unterhalt ihrer Familie beiträgt. Später begibt er sich mit ihr sogar auf die Jagd nach exotischen Faltern und erlebt eine fremde Lebenswelt, die ihm hilft, den Tod seiner Mutter anzunehmen. Überlagert werden diese berührenden Momente jedoch immer wieder von dem Gezänke zwischen Tante und Neffe und von ihren demonstrativen Klagen über den Massentourismus, die Zerstörung von Kulturschätzen oder das Abholzen von Regenwäldern. Dabei könnte diese Inszenierung sehr wohl auf die Kraft der Bilder vertrauen. Wenn aus drei Kartons und farbigen Tüchern ein Tempel entsteht und Geister imaginiert werden, die mit dem Traurigsein versöhnen oder wenn aus durchsichtigen weißen Stoffbahnen und Bambus ein Schmetterlingsrestaurant entsteht, das die tropische Hitze in dieser faszinierend fremden Umgebung atmet.