Meine Bestellungen

Ihr aktueller Status:

Sie sind Gast auf dieser Seite.

Registrieren Sie sich, um Ihren Status zu ändern.
Bestellen Sie einen Tageszugang oder ein Abonnement, um alle Funktionen freizuschalten und alle Texte lesen zu können.

Willkommen im Kulturportal vom Kulturbüro Göttingen. 

Hier finden Sie Termine und Nachrichten aus dem Kulturleben der Region. 
Ihre Möglichkeiten als Benutzer:in auf dieser Seite sehen Sie, wenn Sie auf das Menü rechts klicken. (Die drei kleinen schwarzen Balken)

Von Träumen und anderen Ängsten

Information
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 4.Juni 2016


Ein faszinierendes Bühnenabenteuer mit dem JT Ausreißerclub

Große Worte rotten sich da zusammen und geben zu denken. Zunächst noch ganz vereinzelt werden sie für jeden Darsteller auf der Bühne des Jungen Theaters erst mal zum Schutzschild. Kann man sich wirklich auf solche Sätze wie die von Schiller, Mutter Teresa oder Voltaire stützen, mit all den Gefühlen des Eingesperrt seins nachts in der Schulaula? Vielleicht tröstet die Erkenntnis des Malers Henri Matisse, dass es überall Blumen gibt für den, der sie sehen will. Aber jetzt auf einen Spruch von Napoleon zu vertrauen, dass das Schlimmste in allen Dingen die Unentschlossenheit sei, ist auch nicht so einfach. Ein starker Chor vermag das, mit allen Jugendlichen, die hier das Team des JT Ausreißerclubs bilden und vorn an der Rampe ihr ganz persönliches Motto erneut zur Sprache bringen.
Von nun an geht es in ihrer Szenenfolge „Von Träumen und anderen Ängsten“ auch nicht mehr um Neid und Konkurrenz, Stärken, Schwächen und all die versteckten Gefühle, die den Schulalltag begleiten. Jetzt kommt es zu Einsichten und zu ersten Mutproben von Offenheit, die auf Anhieb klappen. Das sah zunächst noch ganz anders aus.

Zwischen unzähligen beschriebenen und bedruckten Blättern, die auf der Bühne verstreut sind, bilden sich ständig neue Fraktionen. Es ist wie an anderen Tagen auch, wo neue Klamotten bestaunt werden, wieder mal einer ins Abseits gedrängt wird und die Langweiler am besten für sich bleiben. Es braucht nicht viele Worte, wer gerade mit wem nicht klar kommt, zu den Strebertypen gehört oder nur genervt ist von seiner neuen Patchworkfamilie, mit der er auch noch im Unterricht klarkommen muss. Und weil sich daran scheinbar auch nichts ändert, spielen die Jugendlichen die Szene gleich noch mal. Aber erst nachdem sie wie für das jährliche gemeinsame Klassenfoto in Pose begeben haben. Einmal kurz lächeln ist angesagt, bis die verschiedenen Cliquen einen neuen Standort gefunden haben und Andere abblocken. Alles leichter, als sich allein gelassen und hilflos zu fühlen mit dem, was sich da gerade an Gedanken mit der Angst vor der Dunkelheit verschwört. Aber auch diesen Stimmen stellen sich die jungen Theatermacher unter der Leitung von Christoph Scholz vom JT Ensemble.

Es sind ihre Ideen und ihre Motive, mit denen sie ihre Figuren gestalten, bis hin zu den Lichtstimmungen und den musikalischen Akzenten, über die sie in den Proben mit diskutierten. Dabei muss auch ein bisschen unheimlich sein, wenn der Bühnennebel sich ausbreitet und die Gesichter von blitzartigen Leuchtspuren erfasst werden, wenn wieder einer an der verschlossenen Tür gerüttelt hat. Gedanken an den Tod und wer einen dann noch vermisst, sind dann eben nicht einfach nur gruftig sondern auch ziemlich schmerzhaft. Ebenso spannend ist es dann mitzuerleben, wie die Jugendlichen auf das befreiende Moment zuhalten. Dass es dabei vor allem um innere Türen geht, die scheinbar verriegelt waren und um all diese Unsicherheitsfaktoren, die bislang so schön getarnt hinter selbstbewussten Auftritten und schüchternen Masken lauerten.

Beim gemeinsamen Chor ist jede Figur mal bei sich angelangt. Aber auch hier braucht es eben mehrere Versuche, bis auch die Sätze von Montessori, Defoe oder van Gogh nicht mehr den Einzelkämpfer stützen sondern gemeinsam stark machen. Zunächst noch in kleinen Gesten und auch eher vorsichtig werden Wünsche und Träume ausprobiert, die auch keine Wiederholung brauchen. Am Ende dieses Bühnenabenteuers haben sich eine ganze Menge Ängste verflüchtigt, mit dem sich der Ausreißerclub einen faszinierenden Bühnentraum auch spielerisch erträumt hat.