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Apex

Es ist die Liebe, die zählt

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Terje Norgarden zu Gast auf der Apex-Bühne
Rezension von Kerstin Kratzsch - Erschienen am 24.September 2022

Terje Norgarden ist Norweger und schreibt auch Lieder in dieser Sprache. Die Songs seiner neuen CD All you need trägt er bei seinem Auftritt im Apex auf englisch vor. Und dabei erfährt man unter anderem dann auch, dass er sich ein kleines Haus mit Grundstück und ein paar Rebstöcken in Sizilien wünscht, wo er sich oft mit Freunden aufhält. Als junger, langhaariger Mann, der als Straßenmusiker durch Europa getingelt, gibt er sich 20 Jahre später auf der Bühne des Apex ein Stelldichein.

Die Zuschauermenge in der behaglich, fast familiären Atmosphäre des Apex Aufführungsraumes ist überschaubar, die Stimmung ungezwungen, sogar von einer gewissen Intimität. Man unterhält sich, tauscht sich aus und niemand weiß so ganz genau, wer dieser Musiker ist, auf den man wartet, welchem Stil seine Musik folgt. Ja, man habe mal reingehört, es sei wohl ein Singer-Songwriter, ob er aber eigene Stücke spiele oder nur fremde Lieder unabhängig neu interpretiere, wisse man nicht sicher zu sagen.

Man ist bereit, sich überraschen zu lassen. Auf der Bühne erscheint dann ein sehr sympathischer junger Mann, mit einer akustischen Gitarre im rot-blauen Bühnenlicht und begrüßt die Gäste. Er stellt sich vor und erzählt im Plauderton ein wenig von sich, während er seine Gitarre stimmt.

Was nun folgt, ist ganz klar der Auftritt eines eigene Lieder schreibenden Sängers. Nordgardens Stimme ist gefühlsvoll und variationsreich und vermag verschiedenen Gefühlszuständen Ausdruck zu verleihen. Die Texte illustrieren diese Stimmungen, die von Melancholie bis zu Hoffnungsfreude, von Traurigkeit zu Glück reichen. Dabei besingt der Songwriter auch immer wieder die Liebe, die er, wie er sagt, für das wichtigste, wirklich Essenzielle und Wesentliche hält: „we need each other“. So lautet auch der Titel seiner CD All you need und in Gedanken fügt man das is love ohne Zögern hinzu.

Terje Nordgarden leitet viele seiner Lieder mit kurzen Erzählungen zu Begebenheiten, die ihn zum Schreiben der Lieder veranlasst haben, ein und bringt durch die humorvolle Art, in der er dies tut, das Publikum zum Lachen. Den Erzählungen entnimmt man dann auch, von welchen Künstlern Nordgarden beeinflusst wurde und in wessen Tradition er sich sieht. Es tauchen dort Bruce Springsteen auf, Neil Young, Louis Armstrong und natürlich Bob Dylan. Er inszeniert aber auch, was er sich, wie er verrät, bei Freddy Mercury abgeguckt hat - er animiert das Publikum zum Mit- und Nachsingen von Tonfolgen und Melodieteilen, was ebenfalls zu Heiterkeit führt und die Stimmung auflockert.

Norgarden spricht von den Schwierigkeiten des Musikerlebens in Corona Zeiten und präsentiert sich als Ein-Mann-Band, wenn er mit hohen Summtönen einen nicht vorhandenen Trompeter zu ersetzen versucht oder eine Loop Station benutzt, um sein eigenes Gitarrenspiel zu begleiten. Um dies zu demonstrieren, hält er in seinem Gitarrenspiel inne, während dieses wie ein Playback weiterläuft und beginnt dann dazu eine zweite Gitarre zu spielen.

Für etwas Abwechslung spielt Terje Norgarden unter anderem ein sehr romantisches italienisches Intro und einen Rock Song, der allerdings ohne Unterstützung von Schlagzeug und elektronischer Gitarre doch nicht so ganz funktioniert. Weiterhin kündigt er einen Tango an, erklärt dann allerdings, bevor das Lied wirklich beginnt, es sei doch eigentlich kein richtiger Tango. All dies mit einer lachenden Selbst-Ironie.

Es ist, was der Name Singer-Songwriter verspricht: ehrliche Gitarrenmusik begleitet von selbstgeschriebenen Texten, melodiös mit Anklängen von Blues und einer klangvollen Stimme. Außerdem besitzt Terje Nordgarden ein Talent, das Publikum zum Teilnehmen einzuladen und zum Singen und Klatschen zu animieren, was die Zuschauer:innen auch nach den einzelnen Songs und zum Ende des Konzerts ausgiebig tun. Nach zwei Zugaben, verweilt das Publikum noch ein wenig und macht sich dann durch die nächtliche Innenstadt auf den Heimweg.