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Deutsches Theater

Mit Erich Kästner auf dem Sofa kuscheln

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Weihnachtliche DT-NachtBar
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 24.Dezember 2019

Die Sofaplüschkulisse mit weihnachtlichem Dekor macht sich bereits prima im online Weihnachtskalender des Deutschen Theaters. Zur NachtBar mit festlichem Timing werden dort allerdings keine Gedichte über Nikoläuse und andere geberfreundliche Rauschebärte rezitiert. Die Theatermacher feiern das Nadelbaumidyll mit Punsch und allseits guten Wünschen mit Geschichten von Erich Kästner. Jetzt rascheln vor allem die Textblätter und nicht etwa das Geschenkpapier. Es wird allmählich eng auf dem braunen Samtpolster, weil nicht nur der Weihnachtsmann, St. Nikolaus und Knecht Ruprecht einen nachhaltigen Auftritt haben. Dort kümmert sich schon bald ein Weihnachtsengel um eine ebenso tränenreiche wie rührende Familienzusammenführung. Auch unmissverständliche Weihnachtsbotschaften werden auf dem Sofa zelebriert und eine schöne Bescherung, die erst mal Umwege nimmt.

Florian Donath, Gerd Zinck, Marie Seiser und Gaia Vogel machen es sich jedenfalls kuschelig im Bühnenwohnzimmer mit Kästners Erzählungen aus dem Band „Interview mit dem Weihnachtsmann“. Dabei betreiben sie ganz im Sinne des Autors auch ein bisschen Demontage an den Festtagsritualen, bei denen es keineswegs immer heiter und besinnlich zugeht, sondern auch nachdenklich und bisweilen schön ironisch pointiert. Wer seine Erbtante Olga mit Segenswünschen auf Schallplatte beglücken will, sollte seine boshaften Hintergedanken bei der Tonaufnahme lieber für sich behalten. Ein wenig segensreiches Ende nimmt auch die Titelgeschichte des Bandes mit dem Überraschungsbesuch des Weihnachtsmanns. Der berichtet von einem ziemlich strapaziösen Saisonjob und lässt sich stilvoll beköstigen, um dann seinen Gastgeber heimlich auszuplündern. Knapp bei Kasse ist auch Gott, wie ihn Kästner in seiner wie es heißt „nicht ganz stubenreinen Legende“ mit gereimten Versen bedachte. Nach all den luxuriösen Geschenken für den wohlhabenden Teil der Bevölkerung haben sich die Bargeldvorräte des himmlischen Vaters erschöpft, so dass die armselige Mehrheit leider leer ausgehen muss. Natürlich gewährt ihm die Deutsche Bank für diese milden Gaben keinen Kredit.

Zu rührenden Begegnungen und Momentaufnahmen kommt es dann bei Kästners nachdenklichem und manchmal auch sentimentalem Blick auf das Fest der Liebe. Der traurige Internatsschüler, dem das Geld für die Fahrkarte nach Hause fehlt, erlebt einen strengen Pädagogen als fürsorglichen Schutzengel. Auch Knecht Ruprecht ist jederzeit bereit für einen Einkaufsbummel wenn das Weihnachtsgeschenk bei der Bescherung zu Bruch geht und der Weihnachtstraum zu scheitern droht
Zur literarischen Bescherung darf das klassische Blockflötenständchen nicht fehlen. Also kümmert sich unter der Leitung von Michael Frei ein Quartett um die passenden Flötentöne zwischen den Geschichten, wie sie früher alle Jahre wieder zum Heiligabendpflichtprogramm gehörten und den Auftritt des Weihnachtsmannes ankündigten. Der wird jetzt auf dem Weihnachtssofa einer komödiantischen Betrachtung unterzogen, wie er mit grässlich verstellter Stimme nach den braven Kindern forscht. Die wissen natürlich längst, dass diese Gestalt mit Zottelperücke und Zauselbart zur Familie gehört und nicht mit dem Rentierschlitten angereist ist. Also wird die Maskerade unter großem Gelächter aufgedeckt, dass sogar der Tannenbaum wackelt.

Dann reimt sich NachtBar Ensemble mit Kästner ebenso unterhaltsam in die guten Vorsätze für das neue Jahr: Lasst das Programm und bessert euch drauf los!