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Deutsches Theater

Reiseträume auf dem DT-Parkdeck

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Mit dem Moped nach Madrid
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 16.Juni 2021

Im Reisebüro „Bon Voyage“ brütet die Belegschaft nur noch frustriert vor sich hin. Da kommt auch die Ferienhymne nicht gut an, die Jan-S. Beyer und Tobias Vethake anstimmen.

Schon viel zu lange ruht der Betrieb mit den Ferienglücksversprechen, den das „No Show“ Duo mit Drums und Keyboard, E-Cello und Gitarre jetzt in Schwung bringen möchte. Die aufmunternden Sprüche von Mitarbeiterin Nina nerven genauso wie die ständigen Ermahnungen von Kollegin Moni über Maskenschutz und Distanzvorschriften. Azubi Kevin hat sich wieder hinter seinem Laptop verschanzt. Dauerstammgast Rudi Maria Kron wird erneut zum Schweigen verdonnert und Chefin Cindy Jane feilt verbissen an ihren Nägeln. Dann klingt mit dem Song von Ideal endlich das erlösende Wort „Monotonie“ für die müden Reiseträume auf dem DT-Parkdeck an. Musikalisch lässt sich der pandemische Hangover gemeinschaftlich wunderbar beklagen, um dann auf die Fluchtwege zuzuhalten, nach denen Antje Thoms und Jan-S. Beyer in ihrer musikalischen Hommage an das Fernweh Mit dem Taxi nach Madrid Ausschau halten.

Auf dem Parkdeck fehlt eigentlich nur noch die Cocktailbar für die Strandkulisse mit Palmen und den Liegestühlen, in denen neben den klassischen Stuhlreihen ein paar Zuschauer die Fernwehreiseshow besonders entspannt genießen können. Die „Bon Voyage“-Belegschaft muss mal wieder einen dieser ewig gleichen Tage stemmen, an denen kein Telefon klingelt und die Prospekte über den Südseezauber unter Palmen verstauben. Rudi Maria Kron (Paul Wenning) hat seinen vertrauten Stammplatz eingenommen und nörgelt nach Kaffee, wenn schon seine Reiseberichte über die Zeit auf der MS Theodor Körner kein Gehör finden. Moni (Gaia Vogel) kämpft mit den kantigen Tücken ihres Zollstocks, damit nur ja niemand die Abstandsregeln verletzt, wenn sie nicht gerade in alten Ansichtspostkarten von frustrierten Urlaubern stöbert, die sich unter ihrer Palme entsetzlich langweilen. Die ewig gut gelaunte Nina (Nathalie Thiede) stemmt dann halt ganz entspannt ihre kleinen Handeln am Schreibtisch, bis es endlich an der Zeit für einen kleinen Werbeslogan über Göttingen ist. Für das Paris des Nordens, die Stadt der Alltagshelden und das Universum des Balkongesangs hat Jan-S. Beyer Barbaras berühmte Widmung für einen vierstimmigen Chor arrangiert, so dass das Publikum nach viel Gelächter über die heimatlichen Reisetipps für das Göttinger Umland ins Schwärmen kommt. Dass Chefin Cindy Jane (Gaby Dey) sich sämtlichen touristischen Offerten am liebsten zu Hause verweigert, steht wiederum auf einem anderen Notenblatt und bei Hildegard Knef, die sich ebenfalls lieber der vertrauten Eckkneipe und dem angestammten Viertel widmete, weil sie kein Venedig braucht. Für Azubi Kevin (Daniel Mühe) tut’s ja auch das Wochenendhäuschen in der „Fickt- Euch-Alle Allee“ wie in dem Song von Großstadtgeflüster. Aber besser aushalten lässt es sich vielleicht doch auf Ibiza, wo es nicht nur den UPS-Boten (Christoph Türkey) hinzieht, während Katharina Müllers Reisende auf Alpengrün und die Wiege der Freiheit schwört: „Mein Herz ist im Hochland“.

In den Songs werden Segelboote geklaut, es geht auch mit dem Taxi nach Paris und New York ist irgendwann einfach fällig, wenn die Sterne in Athen einfach nicht leuchten wollen, wenn der Ehefrust zum ständigen Urlaubsbegleiter wird. Ein bisschen spielt der Abend auch mit dem Gefühl, egal wohin, nur weg von hier, egal ob es um den alltäglichen Frust und die Sehnsucht nach Abwechslung geht oder das Fernweh, mit dem sich ein einsames Leben einfach wegträumen lässt.

Auch eine Sentimental Journey lässt Antje Thoms bei dieser Fernweh Hommage einfliegen, die als riesiges Geschenkpaket auf die Bühne gestemmt wird. Andrea Strube spielt diese hölzerne Puppe in malerischer Reisefolklore, in der immer noch mehr Leben steckt als in den vielen dekorativen Reiseerinnerungen, die das „Bon Voyage“-Ensemble umgeben. Alle schnüren auf ihre Weise dann doch ihr Bündel gegen die Monotonie, die Langeweile, die Masken und die Trägheit.

So schön, wie dann auch das Moped knattert, schafft es locker den kleinen Abstecher über die Pyrenäen nach Madrid.