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Junges Theater

Standing Ovation für »Dirty Old Town«

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Die JT-Uraufführung in der Lokhalle
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 9.November 2021

Schon die Bühne erzählt eine Menge über diese »Dirty Old Town« und das musikalische Projekt des Jungen Theaters in der Lokhalle. Vor die graue, wellblechartige Fassade hat Bühnenbildnerin Hannah Landres einen alten Wohnwagen geparkt. Das hohe rostfarbene Portal hat sie zum Fabriktor erklärt, und auch die Wand mit den abgeblätterten Plakaten wird immer wieder zum Schauplatz für die Figuren und ihre Geschichten, die sich einander in den Songs begegnen. 

Regisseur Tobias Sosinka und sein Teamgefährte Fred Kerkmann haben sich mit dem JT-Ensemble, Rockband und Bläserformation auf ein ganz besonderes Abenteuer eingelassen. Das Format Lokhalle sprengt natürlich die vertrauten Bühnendimensionen. Aber für ein Wochenende und die Uraufführung der neuen JT-Musikshow war es die ideale Kulisse, in der ein begeistertes Publikum »Dirty Old Town« mit Standing Ovation feierte.

Mit dem Song der Pogues geht es auch gleich auf Spurensuche in dieser dreckigen alten Stadt – und wer am Rande der Industriekulisse gestrandet ist und sich oft einfach ganz weit wegwünscht. Für die Straßenmusiker ist hier nicht viel zu holen, also verschwindet Fred Kerkmann mit Uwe Meile (Keyboards), Sebastian Strzys (Bass) und Christian Villmann (Drum) schon bald hinter dem Fabriktor auf eine Bühne in luftiger Höhenlage. Die Bläserformation kommentiert die Songs in wechselnden Besetzungen unmittelbar neben dem Wohnwagen. Support für Ariane Mihm (Trompete) und Endre Toth (Horn, Trompete) gibt es nicht nur von Geigerin Antonia Selale Schwerthelm, sondern auch vom JT-Ensemble. Wenn Michael Johannes Meyer nicht gerade als Big Boss mit einer Hand voll Euros weitere Kandidaten hinter das Fabriktor lockt oder sich mit Frank Sinatras I did it my way ermutigen muss, kommt sein Horn zum Einsatz. Dorothea Röger powert nicht nur stimmstark mit Bonny Tayler I need a hero, sondern auch mit ihrer Trompete, nachdem sie mit Campingzelt und Reisetasche das Terrain sondert hat. Jan Reinartz und Andreas Krüger, der ebenso wie Klemen Orter als Gast das hoch musikalische JT-Ensemble verstärkt, lagern in ihrem Wohnwagenreservat auch Mundharmonika und Gitarre für ihre Special-Chart-Hits wie Tom Pettys Into the great wide open oder den Rebell Yell von Billy Idol. Mit viel Soul und Leidenschaft in dem Song von Aretha Franklin berauscht Fabienne Baumann die musikalische Stimmung in dieser »Dirty Old Town«, um dann mit Jens Tramsen und Nancy Sinatras Summer wine herbeizusehnen. Für Klemen Orter stemmen die JT-Techniker sogar einen Flügel auf die Bühne. Auch auf den hat Agnes Giese in der Rolle der argwöhnischen Politesse ein waches Auge wie auf all die Typen, die auf ihrem Campingstuhl abhängen und dann Gitarre zu schultern oder Kulisse mit einem satten Trompetensound mal kurz aufmischen. John Denvers Love me again singt Orter wie eine hymnische Beschwörung. Trotzdem bekommt auch der Flügel einen Strafzettel, bevor die resolute Politesse ihre Uniformität mit dem Herz erwärmenden Credo der Band Silly abstreift. „So ne kleine Frau“.

In dieser »Dirty Old Town« kommt es immer wieder zu alltäglichen und besonderen Begegnungen, die von Überlebens- und Befreiungskämpfen erzählen, von Sehnsüchten und Illusionen, wütenden Protesten und sentimentalen Hängern, wie sie sich auch in den 30 Songs spiegeln, die Fred Kerkmann arrangiert hat. Es braucht dazu auch keine klassische Handlung, weil die Bühne zum Treffpunkt wird. Auf dem sind die Figuren mit ihren Ups and Downs in den musikalischen Bildern wie in einem vielstimmigen Panorama geborgen sind, das mit einer fantastischen Lightshow effektvoll in Szene gesetzt wird. Auch dafür wird das JT-Team mit Standing Ovation gefeiert. Es hat die Lokhalle einfach großartig gerockt.