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Passend zu diesem Text

  • Es wird wieder gejauchzt und frohlockt!

    Informationen
    Teil I­–III des Weihnachtsoratoriums in St. Johannis
    erschienen am 20 Dezember 2022
    Anna Haase von Brincken Bernd Eberhardt Carolin Hlusiak Clemens Löschmann Göttinger Barockorchester Göttinger Stadtkantorei Johanna Neß Konstantin Heintel
  • Inspirierendes Dirigat

    Informationen
    Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys »Elias« am 3.Dezember in St. Johannis in Göttingen
    erschienen am 09 Dezember 2022
    Johanniskirche Martin Kohlmann Petrichor Weende
  • Informationen
    Ensemble art la danse

    Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde

    Informationen
    Tanzperformance zum Thema Tod und Leben
    erschienen am 08 November 2022
    Art la danse Johanniskirche Judith Kara
  • Auf das Schönste beflügelt

    Informationen
    Klassik für Nachtschwärmer mit Henning Vater und Bernd Eberhardt
    erschienen am 20 Juli 2022
    Bernd Eberhardt Henning Vater Johanniskirche Klassik für Nachtschwärmer
  • Das Lächeln unter den Masken

    Informationen
    Carolin Hlusiak: »12 Monate« von Pjotr Tschaikowski 
    erschienen am 22 Juni 2022
    Carolin Hlusiak Johanniskirche Klassik für Nachtschwärmer
  • Informationen
    Premiere von »Johannes über dem Jordan« am 1. Juli

    Es geht um unser gemeinsames verantwortliches Zusammenleben

    Informationen
    Interview mit dem Kirchenmusiker Bernd Ebernhardt
    erschienen am 14 Juni 2022
    Bernd Eberhardt Johannes über dem Jordan
  • Veni creator spiritus

    Informationen
    Bernd Eberhardt spielt Orgelwerke zur Pfingstmotette
    erschienen am 06 Juni 2022
    Bernd Eberhardt Johanniskirche
  • Informationen
    Dis-Tanz 9.0

    Die sprechenden Wände

    Informationen
    Videoinstallation von Judith Kara
    erschienen am 26 April 2022
    Art la danse Christoph Huber Henning Vater Johanniskirche Judith Kara Stefan Dehler
  • Großes Kino an der großen Orgel

    Informationen
    Start des 15. Göttinger Stummfilmfestivals mit «Der letzte Mann«
    erschienen am 25 März 2022
    Bernd Eberhardt Johanniskirche Lumiere Stummfilmfestival
  • Informationen
    Statement zur aktuellen Krise in der Ukraine

    Der Garant für erfolgreiche Arbeit

    Informationen
    Bernd Eberhardt dirigiert in der Reihe »Kulturkirche Klassik«
    erschienen am 27 Februar 2022
    Bernd Eberhardt Göttinger Stadtkantorei
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PLUS-Artikel - freigegeben für alle Leser:innen
Göttinger Kammerchor

Gänsehaut-Momente in St. Johannis

Information
Motette in der St. Johanniskirche
Rezension von Michael Schäfer - Erschienen am 29.November 2021

Nach langer Pause, erst nur dem Umbau, später auch der Pandemie geschuldet, konnten am Sonnabend die Göttinger Stadtkantorei und der Göttinger Kammerchor endlich wieder am „angestammten“ Ort singen: in der seit dem Festgottesdienst offiziell wiedereröffneten Johanniskirche.

Die Stadtkantorei bereicherte mittags den Gottesdienst mit festlichen Sätzen von Johann Sebastian Bach, in der abendlichen Adventsmotette präsentierte der Kammerchor Werke von Jenner, Weinreis, Bach und Poulenc. Die Leitung hatte Bernd Eberhardt, der die Motette mit Präludium und Fuge BWV 532 von Bach an der Orgel umrahmte: selbstverständlich in D-Dur, einer der strahlendsten Tonarten, die zu diesem Anlass besonders gut passte.

Ganz erstaunlich: Die Kirche wirkt wesentlich größer nach der Sanierung, vor allem scheint das Hauptschiff breiter. Das liegt vor allem an der neuen Lichtführung. Die früher im Schatten liegenden Seitenschiffe unterhalb der Emporen sind hell und freundlich ausgeleuchtet. Und die Emporen selbst machen – vor allem, weil ihre Brüstung nun transparent ist – einen wesentlich schlankeren, leichteren Eindruck, sie zerschneiden nicht mehr die Seitenwände, sondern scheinen davor beinahe zu schweben. Der beherrschende Farbeindruck ist nun nicht mehr, wie jahrzehntelang zuvor, grau, sondern weiß und rot.

Das ist ein wunderbarer Raum für Musik, die nicht gegen düstere Schwere ankämpfen muss, sondern sich, beflügelt von der transparenten Helligkeit, in lichter Höhe entfalten kann. Und wenn dann noch, wie in der Motette am frühen Abend, das Kirchenschiff (in coronagerechten Abständen) mit Besuchern gefüllt ist, hat der Nachhall eine musikalisch angemessene Länge, ohne dass die Klänge ineinander verschwimmen.

Adventlich eingestimmt wurden die Zuhörer mit romantischen Choralsätzen des Brahms-Schülers Gustav Jenner (1865-1920) und des Komponisten Heinrich Weinreis (1874-1950) aus Bad Kreuznach, der als Musiklehrer und Chorleiter in Berlin gewirkt hat. Dazu standen zwei besonders anspruchsvolle Chorwerke auf dem Programm: Johann Sebastian Bachs Motette Jesu, meine Freude und die Quatre Motets pour le temps de noël von Francis Poulenc. 

Sehr schlank und transparent gestalteten die Sängerinnen und Sänger die Bach-Motette, auch in raschen Koloraturen sicher und zungenfertig in der Textartikulation. Mit seinem Ansatz, die rhythmischen Strukturen klar zu konturieren und im stimmlichen Fluss Durchsichtigkeit und Homogenität zu vereinen, belebte Eberhardt den musikalischen Ausdruck. Ganz im Sinne der barocken Aufführungspraxis ließ er den vokalen A-cappella-Satz durch eine klein besetzte Continuo-Gruppe (Violoncello, Kontrabass und Orgel) sanft unterstützen. Ganz andere Klangwelten eröffneten sich in den vier weihnachtlichen Poulenc-Motetten, die in ihrer farbigen Harmonik und ihrer fein differenzierten Dynamik den Vokalisten erhebliches sängerisches Können abverlangen. Hier merkte man dem Kammerchor die gründliche Probenarbeit seines Dirigenten an, auch in komplizierten akkordlichen Strukturen ließen sich die Sängerinnen und Sänger nicht von ihrer sicheren Intonation abbringen. Das hauchzarte Pianissimo des O magnum mysterium sorgte für Gänsehaut-Momente. 

Mit lang anhaltendem Beifall dankte das Publikum für diesen Adventsabend, an dem die schöne Musik das besinnliche geistliche Wort von Pastor Gerhard Schridde vertiefte und schmückte. Es bleibt sehr zu hoffen, dass das geplante Weihnachtskonzert der Stadtkantorei am 12. Dezember trotz der sich verschärfenden Corona-Lage stattfinden kann. Wenn nicht, müssen wir wohl eine ganze Weile auf ein Chorkonzert in St. Johannis warten – und werden uns dabei ein wenig sehnsüchtig an die bewegende Motette zur Wiedereröffnung von St. Johannis erinnern können.