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Deutsches Theater

Der »Punsch aller Pünsche« erfüllt alle Theaterwünsche

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Premiere mit Michael Endes Familienstück
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 30.November 2021

Der „satanarchäolügenialkohöllische Wuschpunsch“ von Michael Ende ist das Familienstück des Deutschen Theaters. In der Inszenierung von Moritz Beichl zeigt der Trank eine herrlich berauschende Wirkung.

 

Vivaldis Vier Jahreszeiten laufen in Highspeed. So mag sie Professor Doktor Beelzebub Irrwitzer in seinem Zauberlabor am liebsten und das besonders an diesem Silvesternachmittag. Mit großem Elan und noch mehr Begeisterung dirigiert sich Christoph Türkay in die Höhen und Tiefen der Streicher. Leider verflüchtigt sich der Beifall für den artistischen Maestro schon bald, weil sein teuflischer Vorgesetzter noch ein paar bösartige Verpflichten anmahnt. Bis Mitternacht müssen noch weitere Tierarten ausgerottet und viel mehr Flüsse vergiftet werden. Überfällig ist auch die Erhöhung der CO2Werte und das Klima immer noch nicht hitzig genug. Was sich nun auf der Bühne des Deutschen Theaters in der Inszenierung von Moritz Beichl zusammenbraut, gibt den giftigen Plänen des geheimen Zauberrates eine überraschende Wendung mit dem „satanarchäolügenialkohöllisch Wuschpunsch“ von Michael Ende.

Auch Tyrannja Vamperl ist vor Mitternacht herausgefordert. Wahrscheinlich hat sie ebenfalls Besuch von diesem Bürokraten Maledictus Made (Simon Latzer) bekommen, der meterlange Verträge anmahnt, während seine schönen Speckfalten wabbeln und daran viele rote Hände winken. Um ganz schnell noch ganz viele fiese Geldströme zu lenken, muss sich die Geldhexe jetzt mit ihrem Neffen über das Rezept für den magischen Punsch verständigen. Auch für Nathalie Thiede hatte Moritz Beichl mit den musikalischen Arrangements von Michael Frei zunächst einen zauberhaften musikalischen Auftritt inszeniert. So eine charmante, listige Geldhexe versteht sich auf die höchsten Töne, bei denen vermutlich sogar Mozarts Königin der Nacht vor Neid erblassen würde. 

Angst und bange wird allerdings den beiden Agenten, die für den geheimen Rat der Tiere die finsteren Pläne des Zauberpaares auskundschaften sollen. Der Kater Maurizio die Mauro (Gerd Zinck) stellt sich dabei leider nicht sehr klug an und muss sich von dem Raben Jakob Krakel (Lukas Beeler), diesem Agentenkollegen mit der großen Klappe und dem schwer zerzausten Gefieder einiges an Sprüchen gefallen lassen. Pfoten und Krallen für eine mächtige Kabbelei werden erst mal ausgefahren, weil Katze und Vogel eigentlich noch nie Tierfreunde waren. Doch jetzt liegt Zukunft der Welt nicht nur für Jakob in ihren Pfoten.

Bühnenbildner Robert Sievert hat Beelzebubs Zauberlabor mit einem riesigen Bottich ausgestattet, auf dessen Kante sich wunderbar balancieren und auch nachdenklich verweilen lässt, um dieses Punschrezept zu enträtseln. Auf der Folie mit dem stilisierten Vulkan im Bühnenhintergrund scheint er ja bereits zu brodeln; der „Punsch aller Pünsche“, mit dem sich alle guten Wünsche beim ersten Neujahrsglockenschlag in ihr Gegenteil verwandeln. 

Erst mal löst sich für kleine und große Zuschauer:innen das Rätsel jetzt um diesen wachsamen Beobachter (Simon Latzer), der keineswegs stumm am Bühnenrand verweilt sondern auch gerne singt und tanzt und die Partystimmung mit dem fiesen Zauberpaar genießt. Jetzt kommt er als heiliger Silvester wie gerufen und spendiert den beiden Weltenrettern zumindest einen winzig kleinen Glockenton, den sie heimlich im Nebel des brodelnden Gebräus versenken, damit die guten Wünsche erst nach Mitternacht ausgesprochen werden

Herrlich berauschende Wirkung hat der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch aus riesigen lila Cocktailbechern. Mit einem „Punsch aller Pünsche, erfüll meine Wünsche“ und der Aussicht auf eine gesunde Tier- und Pflanzenwelt mit frischer Luft und ohne Geld- und Konsumterror. Die ist natürlich nicht mit einem kleinen Glockenton zu haben sondern in dieser märchenhaft magischen Theaterfantasie vor allem mit ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und Courage, auf die sich die beiden tierischen Helden verständigen. Nun erleben sie die alkohöllische Punschwirkung bei einem „Punsch aller Pünsche“ Während sich die Bühne verdunkelt, verwandelt sich der pessimistische schwarze Zausel in einen attraktiven jugendlichen Optimisten. Sein Gefährte, der sich mit seiner kunstvoll veredelten Sprache so gern als Adeliger tarnte, hat sich längst mit seiner Vergangenheit als Kellerkater versöhnt. Das barocke Outfit passt auch viel besser zu ihm, als der zerlumpte Mantel. 

Von der wunderbar inspirierenden Wirkung nach einem „Punsch aller Pünsche“ haben sich auch auch Kostümbildnerin Astrid Klein und die Teams in den DT-Werkstätten berauschen lassen. Sie haben das Ensemble mit so vielen fantastischen Zutaten ausgestattet, damit eine 300 Jahre alte Geldhexe im Reifröcken Noblesse nicht nur behaupten kann, der vom Giftmüll geplanter Rabe mit Federcape und Pumps elegant über die Bühne stakst und die Allonge Perücke bereits die edle Gesinnung eines Katers ahnen lässt. 

Von den vielen guten Punsch-Wünschen bekommt auch das höllische Paar eine Menge ab, das jetzt gut gelaunt strahlt und sich über seine attraktive Verwandlung freut. Aller finsteren Pläne zum Trotz, lässt Regisseur Moritz Beichl sie nicht als Gruselgestalten auftreten, die sich nur noch an weiteren Naturkatastrophen und ökonomischen Verwerfungen entzücken. Auch sie genießen die Wirkung guter Wünsche und dass es einem damit viel besser geht als mit den ewig gleichen Bösartigkeiten. 

Michael Ende zeichnete an ihnen die Motive und die Zutaten für eine globale Katastrophe nach, die sich aktuell noch viel realistischer zuspitzt als im Zauberlabor. Doch auch dort vertraut die Inszenierung von Moritz Beichl nicht nur auf die mahnende Wirkung, die sich sprachlich und spielerisch so anschaulich inspirierend vermittelt, sondern gute Wünsche jetzt gemeinsam in Taten umzusetzen. 

Mit den Theaterwünschen, das dieses Schauspiel sein Publikum begeistert und viel Fantasie nachdenklich aufmuntert, hat es ja auch geklappt. „Punsch aller Pünsche, erfüll meine Wüsche“, das hat einfach beflügelnde Wirkung.

Das Familienstück von Michael Ende » Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch« hatte am 28. November Premiere im Deutschen Theater. Zahlreiche Vorstellungen stehen noch bis zum 23. Januar 2022 auf dem Spielplan. Nähere Informationen gibt es unter www.dt-goettingen.de


Hören Sie dazu auch den Theaterpodcast Szenenwechsel: Tina Fibiger unterhält sich mit Regisseur Moritz Beichl