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Händel-Festspiele

Ein großer Opernabend mit einer Welt-Uraufführung

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Premiere der Festspieloper »Sarrasine« im Deutschen Theater
von Jens Wortmann, erschienen am 11. Mai 2024
Samuel Moriño als Zambinella mit Florian Eppinger und dem Opernchor | © Photo: Alciro Theodoro da Silva

„Lascia la spina“ – Lass die Dornen, pflück die Rose. Am Eröffnungsabend der Festspiele 2024 erklang diese Arie in ihrer vollen Schönheit: Das Vergnügen redet in Händels schönster Arie auf eine junge Frau ein, die sich der Wahrheit verweigert. Sie blickt in den Spiegel und erkennt sich doch nicht selbst. Dagegen laufen die Zeit und die Wahrheit Sturm.

Die berühmte Melodie zieht sich wie ein roter Faden auch durch die Festspieloper »Sarrasine«, deren Uraufführung am 10. Mai im Deutschen Theater gefeiert wurde. Immer wieder wird die Melodie angespielt – jedes Mal aber jäh unterbrochen. Die beiden Begriffe Zeit und Wahrheit spielen auch in diesem Werk eine große Rolle.

In dem Opern-Pasticcio, zusammengestellt von Laurence Dale und George Petrou, gibt es zwei Zeitebenen: zum einen die Zeit um 1830 in Paris, zum anderen das Jahr 1760 in Rom. „Und wenn ich nicht eine Frau wäre?“, fragt die Sängerin Zambinella im zweiten Akt den in sie verliebten Sarrasine. Dieser verweigert sich ebenfalls der Wahrheit: Zambinella ist ein Mann.

Kunstvoll haben Laurence Dale und George Petrou Musik von Georg Friedrich Händel und die Novelle »Sarrasine« von Honoré de Balzac zusammengestellt. Entstanden ist ein neues Werk, das in sich absolut stimmig ist und den Anspruch an eine Festspieloper in allen Belangen genügt. Dale und Petrou bedienten sich dazu an Mitteln, die zu Händels Zeiten absolut gängige Praxis waren: Arien und Melodien aus anderen Werken wurden eingebaut, die Arien selbst dienten auch damals nicht dem Handlungsfortgang.

Dass in »Sarrasine« die Arien in keiner Weise mit der Handlung in Zusammenhang stehen, ist allerdings für das Verständnis eher hinderlich. Die „Geschichte in der Geschichte“ ist ohnehin schon kompliziert genug: Balzac erzählt seiner angebeteten Sängerin Mme Rochefide die Geschichte vom Bildhauer Sarrasine und dem angebeteten Gesangsstar Zambinella, der sich später zu Sarrasines Entsetzen als Mann entpuppt. Beide Geschichten werden musikalisch und auf der Bühne dargestellt, die verschiedenen Ebenen vermischen sich durchaus. Wobei wir wieder bei den Begriffen Zeit und Wahrheit wären.

Trotzdem gelingt das Experiment. Das liegt auch an der großartigen Bühne von Girogina Germanou, die auch die üppigen Kostüme entworfen hat. Die Bühne passt sich den Wechseln in den Erzählebenen und -zeiten mit einfachen Mitteln an. Vor allem aber liegt es an den Darstellerinnen und Darstellern. Die griechische Sopranistin Myrsini Margariti als Mme de Rochefide begeistert mit ihrer beweglichen Stimme nicht nur das Publikum , sondern auch ihre Fans auf der Bühne. Diese werden von den überaus spiel- und sangesfreudigen Mitgliedern des Kammerchores der Universität dargestellt (Choreinstudierung Antonius Adamske). Ihr zur Seite steht der serbische Bass-Bariton Sreten Manojlivić, der mit warmem Ton als Balzac überzeugt.

Siebzig Jahre, bevor die beiden flirten, gestaltet der Bildhauer Sarrasine die wunderschöne Statue der Zambinella, die vorher schon zu sehen ist. Der spanische Sänger Juan Sancho gestaltet die Titelrolle schauspielerisch sehr überzeugend und mit glänzendem, aber nie angestrengtem Tenor.

Der Star des Abends aber ist der venezolanische Sopranist Samuel Mariño als Zambinella. Die Rolle des ungemein erfolgreichen Kastraten-Sängers, der Sarrasine (und vermutlich nicht nur ihn) verwirrt und mit den Geschlechterrollen spielt. Spielerisch und sängerisch ist Mariño geradezu die Idealbesetzung für diese Rolle.

Vom Schauspiel-Team des Deutschen Theaters ergänzen Florian Eppinger als Mr de Lanty und als Cardinal, Ronny Thalmeyer als Wiener Narr und Marina Lara Poltmann als Mme de Lanty das Gesangsquartett. Wobei Marina Lara Poltmann ein Sonderlob gebührt: wie sie ihre Mme de Lanty in der überwiegend stummen Rolle immer betrunkener darstellt, ist ganz großes Theater!

Das FestspielOrchester Göttingen ist auch in diesem Jahr bestens aufgelegt. Die Musikerinnen und Musiker überzeugen in jedem Detail, übernehmen im wahrsten Sinne des Wortes spielend jedes Tempo, das George Petrou vorgibt – und das kann durchaus auch herausfordernd hoch sein.

So entsteht ein großer Opernabend mit einer Welt-Uraufführung mit Originalmusik von Georg Friedrich Händel. Am Ende applaudierten auch die Besucherinnen und Besucher stehend, die vielleicht mit diesem Experiment eher fremdeln. Am Ende darf man aber diesem Experiment einen vollen Erfolg attestieren.

Dieser Erfolg ist noch in den Aufführungen am 15., 19. und 20. Mai zu erleben. Für alle Vorstellungen gibt es noch Restkarten.

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Jens Wortmann

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