Musikalische Groschenheft-Lesung im Nörgelbuff

Der Sheriffstern funkelt blitzblank. So lässt sich die Verfolgung des Superbanditen Pablo Arranches schon ziemlich eindrucksvoll an. Nur die neuen Revolver zünden noch nicht optimal. Die müden Klicks erklären sich später. Immerhin weiß Lassiter jetzt, dass auf seine alte Winchester akustisch genauso wenig Verlass ist, wie auf die neuen handlichen Modelle der Spielzeugindustrie. Wenigstens mit den „Richmond Rattlesnakes“ ist Axel Theune bei dieser musikalischen Groschenheftlesung im Nörgelbuff auf der sicheren Seite. Hendrik tom Dieck, Jannes Schreiber, Marian Schreiber und Jonny Blümcke reagieren treffsicher mit den richtigen Sounds. Auch das akustische Feuerwerk zu jedem Lesekapitel zündet optimal. Egal ob eine geheimnisvolle Schöne mit bebenden Brüsten den legendären Geheimagenten der Brigade 7 lockt oder Lassiter erneut von dieser Bande mexikanischer Pistoleros bedrängt wird, die ihm ständig und überall auflauern.
„Höllenritt nach Monte Cola“ ist die 921. Folge aus der Serie dramatischer Western Short Cuts überschrieben. Klar, dass sich diese Episode besonders höllisch zuspitzt und dabei sprachlich gnadenlos verfahren wird. Es kann keinen Lassiter Show Down ohne ein massives Aufgebot an Stilblüten und verbalen Extravaganzen geben, die wie immer von außerordentlicher Schlichtheit sind. Westernhelden reagieren zuverlässig auf Klartext, egal welches Klischee zwischen erotischen und anderen Kampfzonen niedergemetzelt wird. Wenn alle wie verrückt ballern ist die Wüste natürlich vom Knallen der Schüsse erfüllt, so lange bis der Ofen aus ist. Und wenn erst mal der wahre Schießprügel zu Einsatz kommt, dann bebt auch die verräterische Kreolin und seufzst mindestens so glücksselig wie die attraktive Häuptlingstochter mit ihren unergründlich schwarzen Augen beim Anblick von Lassiters pulsierender Friedenspfeife. Das können die Richmond Rattlesnakes“ einfach nur schlicht mehrstimmig kommentieren. „She’s on fire“.

Der Held des Abends wurde ja bereits mit einer country gestylten Fassung von „Sex Bomb“ bedacht und da bei der Verfolgung des Superbanditen immer wieder Köpfe rollen müssen ist irgendwann auch mal „Knockin‘ on heavens door“ fällig wenn „Keep your head on“ nichts mehr nützt. Das Publikum giggelt weiterhin vergnügt und auch Axel Theune hat gelegentlich Mühe, beim Lesen die Fassung zu wahren, wenn dann auch noch die Fontänen aus schwarzkantigen Steinsplittern spritzen. Zum Glück ist es jetzt an der Zeit, ein bisschen in „country road“ Harmonien zu schwelgen bevor es den Reiter unter der sengenden Sonne mal wieder ganz hinterhältig erwischt.

Die rettenden Kumpels sind natürlich in letzter Sekunde zur Stelle, auch der unverwüstliche Jim Halbblut mit seinen „blue suede shoes“. Sogar der härteste Mann seiner Zeit braucht Hilfe, um dem ebenso unverwüstlichen Pablo Arranches den geklauten Goldschatz der Konföderierten endlich abzujagen. Dessen Spießgesellen hat der Erzähler mit dem blinkenden Sheriffstern ebenfalls eine lange Lebensdauer vergönnt. Nicht nur der fiese Daniel Ortega fängt sich regelmäßig ein paar Kugeln ein und ist dennoch im nächsten Hinterhalt wieder zur Stelle, genauso wie in früheren Episoden.
Dieser „Höllenritt nach Monte Cola“ hat schließlich eine lange Vorgeschichte. In den kommenden Monaten wird auch noch weiter aufgefrischt. Die ersten Groschenheft-Lesungen gab es vor fast fünfzehn Jahren, damals noch mit den „Drei Amigos“ und Sänger Sascha Münnich, die Lassiters verbalen Pulverdampf musikalisch kommentierten. Ebenso erfolgreich lässt sich jetzt Axel Theunes Revival mit dem toughen Westernhelden und den „Richmond Rattlesnakes“ an. Auch am 21 Juli geht es wieder knallhart zur Sache, mit einer neuen Episode aus der vielfach geschredderten Groschenheftsammlung, dann unter dem Titel „Das Fort der verlorenen Seelen“.

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