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Erich Sidler

DT Intendant Erich Sidler über die Pläne zum Saisonfinale und die weitere Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Autoren

Der Preis der Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage war offenbar nur der Auftakt. Mit seinem Plädoyer für zeitgenössische Dramatik kann das Deutsche Theater in dieser Spielzeit weitere Auszeichnungen verbuchen. Erich Sidlers Inszenierung “Fräulein Agnes“ wurde nicht nur für die Mühlheimer Theatertage nominiert. Auch bei den Heidelberger Theatertagen steht Rebekka Kricheldorfs Stück über eine satirisch dogmatische Zeitchronistin auf dem Spielplan. Für Sidler verstehen sich die Einladungen zu den renommiertesten Festivals für zeitgenössische Dramatik natürlich aus Auszeichnung. Gleichzeitig sieht der DT Intendant auch die Programmatik des Hauses bestätigt, die er mit seinem Team entwickelt hat. „ Es ist wichtig, dass wir mit moderner Dramatik Impulse setzen und auch in junge Autoren investieren.“ Sidler betont ebenfalls, dass es dabei nicht nur um Ur- und Erstaufführungen gehe. „ Das machen viele Theater, weil man dann die Aufmerksamkeit der überregionalen Presse hat. Aber wir machen auch viele Aufführungen von neuen Stücken, wo das Feuilleton nicht anreist, weil wir der Überzeugung sind, dass es eben wichtig ist, die Zeitgenossenschaft im Spielplan zu haben.“

Mit Blick auf das Saisonfinale kündigt Sidler an, dass bereits weitere Stückaufträge für zeitgenössische Autoren in Planung sind. Der Schweizer Dramatiker Lukas Linder schreibt eine Farce über die Göttinger Gruppe und ihren kapitalen Crashkurs, bei dem 100.000 Anleger rund 1 Milliarde Euro verloren haben. Auch mit der Autorin Maria Milisavljevic wurde bereits ein Stückauftrag für die übernächste Saison verabredet. Ihr Stück „Beben“ hat Sidler wiederum in Heidelberg inszeniert und wurde damit ebenfalls für die Heidelberger Theatertage nominiert, um damit letztendlich auch für Göttingen und die weitere Förderung einer jungen Dramatikerin zu punkten.

Besonders spannend wird es nicht nur Mühlheim, wo Sidlers Inszenierung „Fräulein Agnes“ sich dem Wettbewerb mit den Bühnen stellt, die wie das Baseler Theater, das Nationaltheater Mannheim oder das Deutsche Theater Berlin zur ersten Liga gehören. In Göttingen nimmt der Spielplan noch einmal eine sehr dramatische und vor allem musikalische Wendung. Zunächst mit einer Bühnenfassung der Oper „Tosca“ in der Inszenierung von Joachim Schloemer, die am 14. April Premiere hat. Die Musik Puccinis bilde die Folie für den Versuch, Motive der Oper in eine andere Form zu transferieren und sich so dem Schauspiel an anzunähern, meint Sidler und dass ihn das Projekt schon länger interessiere. „Ich freue mich sehr, dass wir das jetzt mit Joachim Schloemer umsetzen können, der als Regisseur nicht nur im Schauspiel sondern auch in der Oper und im Tanztheater zu Hause ist.“

Sidlers Plädoyer für zeitgenössische Dramatik gilt auch für Eugène Ionseco und besonders für seine Parabel „Die Nashörner“, die den Verlust von individuellem Denken thematisiert, das sich an Scheinlösungen klammert und opportunistische Strategien. Das Stück hat als vorletzte Produktion der aktuellen Spielzeit am 28. April Premiere in der Inszenierung von Thomas Dannemann. Zum frühsommerlichen Finale auf der großen Bühne kündigt der DT-Intendant mit „Spring awakening“ noch ein musikalisch dramatisches Highlight an. Die Musicalfassung der Tragödie „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind hat am 2. Juni Premiere hat wird dann bis zum 29, Juni en suite gespielt.“ „Das ist natürlich auch der Versuch noch mal richtig auf die Pauke zu hauen bevor es in die Sommerferien geht“, scherzt Sidler. Er kündigt für die Inszenierung von Niklas Ritter eine opulente Bühnenausstattung an, eine Band mit acht Musikern für das preisgekrönte Rockmusical, das mit den Themen Liebe, Sexualität, pubertären Nöten und Beziehungsängsten auch alle Generationen anspreche.

Nach dem Erfolg von „1984“ mit Antje Thoms Inszenierung in der DT-Tiefgarage soll es auch in der kommenden Spielzeit wieder ein Projekt geben, mit dem die Theatermacher ihr Publikum auf das neue Theaterjahr einstimmen. Den Titel verrät Erich Sidler noch nicht und berichtet von den immer noch laufenden Verhandlungen über die Aufführungsrechte. Auch von dem Aufführungsort müssen sich die Zuschauer vorerst überraschen lassen, denn der wird ebenfalls erst mit dem neuen Spielplan für 201/19 bekannt gegeben. 

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