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GSO

Der Spielplan des Göttinger Symphonie Orchesters wurde diesmal mit ganz besonderer Spannung erwartet. Schon im Vorfeld war von einer besonderen Herausforderung die Rede. Der musste sich zunächst vor allem Nicholas Milton nach seiner Wahl zum neuen GSO-Chefdirigenten stellen. Mit der Sanierung der Stadthalle entfällt die zentrale Spielstätte des Orchesters für mindestens zwei Jahre. Und so wurde natürlich vorab gerätselt, welche Konzertformate und welche Komponisten künftig wo ihren Platz finden: Sei es in der Lokhalle, in der Aula der Universität oder am Deutschen Theater. Nicholas Milton machte die Überraschung perfekt, als er gestern sein musikalisches Programm für die kommende Saison vorstellte. Es ist vor allem von Leidenschaft und Enthusiasmus geprägt und von der Begeisterung des australischen Chefdirigenten für seine Musiker.

Man muss sich Nicholas Milton als glücklichen Menschen vorstellen, den die aktuellen Herausforderungen sogar noch beflügeln, weil er sich von den künftigen Konzertkulissen bei der Programmgestaltung so inspiriert fühlte. Für das Auftaktkonzert in der Lokhalle kündigt er zum 7. Dezember ein „Broadway“ Konzert an mit Leonard Bernsteins „Symphonic“ Dances aus der Westside Story“ und George Gershwins F-Dur-Konzert für Klavier und Orchester. Die Atmosphäre der früheren Industriekulisse, die Milton auch als „urban nature“ empfand, wurde zum inspirierenden Signal für das Konzert mit der 9. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch, Mendelsohn-Bartholdys „Hebriden- Ouvertüre und James MacMillans Komposition für Schlagwerk und Orchester „Veni Veni Emmanuel“ nach Motiven des gleichnamigen Adventschorals. Auch zum Neujahrskonzert mit Strauß Walzern und Ouvertüren und den Zigeunerweisen von Pablo Sarasate möchte der GSO-Chefdirigent seine große Begeisterung mit einem großen Publikum teilen. Die Vorfreude gilt auch für Carl Orffs „Carmina Burana“ in der Lokhalle und das Konzert im Promenaden-Zyklus mit der Göttinger Stadtkantorei und dem Göttinger Knabenchor.

Gemeinsam mit den Musikern habe er sich in die GSO-Konzertprogramme der vergangenen Jahre vertieft, berichtet Milton, und er habe dabei einige musikalische Pläne auf später verschieben müssen, weil die Werke erst kürzlich auf dem Spielplan standen. Das ist bei Beethovens 5. Symphonie nicht der Fall, die zur Eröffnung der Saison mit der akademischen Festouvertüre von Johannes Brahms und dem Cellokonzert von Antonin Dvorák noch in der Stadthalle erklingt. Im vorerst letzten Stadthallenkonzert vor der Sanierung widmet sich Milton der 1. Symphonie von Gustav Mahler und begeistert sich ebenso sehr für Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr.1 c-Moll.

„Man möchte in der Aula keine Tschaikowsky-Symphonie hören“ sinniert Göttingens neuer Generalmusikdirektor, „aber vielleicht eine feine Mozart-Symphonie“. Dann kündigt er Mendelssohn-Bartholdys „Italienische Symphonie“ leicht wie Luft an und „wie eine sehr uncremige italienische Pasta“, die dann mit einer leichten Zitronensaftsauce mundet. Dazu habe er mit Slava Grioryan auch einen wunderbaren Gitarrenspieler für Joaquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ eingeladen, berichtet Milton, der erfolgreiche Reihen wie den Zyklus „Wiener Klassik“ vorerst beibehalten möchte. In seiner ersten Spielzeit mit all den Unsicherheitsfaktoren, den wechselnden Spielorten und der Akzeptanz des Publikums, so sein Credo, habe er nicht komplett alles verändern wollen. Er vertraut auch hier umso mehr auf die Begeisterung seiner Musiker: „Ich freue mich auf eine wunderbare Reise mit diesen tollen Musikern und mit einem Orchester, das für mich ein Juwel in der Stadt ist. Wir haben hier eine schwierige Situation mit den Spielorten, aber wir können wir das Beste daraus machen.“

Die Familienkonzerte verweilen im Deutschen Theater, ebenso der Zyklus „Kulturelle Begegnungen“. Und da Milton in jeder Reihe präsent sein möchte, um sein Publikum und dessen Vorlieben näher kennenzulernen, steht er dort neben Gästen wie Reinhard Goebel und Daniel Spaw ebenfalls am Pult. Das überlässt er wiederum den beiden Göttinger Kantoren Stefan Kordes und Bernd Eberhardt für zwei Konzerte unter dem Motto „Symphonia Sacra“ in der St. Jacobikirche. Dort erklingen neben den Symphonien Nr. 5 und Nr. 1 von Anton Bruckner auch Beethovens „Coriolan-Ouvertüre“ und eine Psalmenvertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Mehr noch als bereits in den vergangenen Jahren unternimmt das GSO in der kommenden Saison zahlreiche Abstecher in die Region und startet weitere Konzertreihen im Einbecker PS-Speicher und in der Osteroder Stadthalle. Milton vertraut auf ein Publikum, das jetzt einfach viele neue Spielorte ausprobiert und die Konzertprogramme die für ihn alle „eine wunderbare Freude austragen für die Liebe zur Musik“. Wo GSO-Geschäftsführer Klaus Hoffmann über mögliche Veränderungen bei den Abonnentenzahlen sinniert, ist Milton eindeutig optimistischer. Er glaubt eher, dass die GSO-Familie in der kommenden Saison noch ganz viel Zuwachs bekomme und verspricht seinem Publikum in seiner ersten Saison eine „wunderbare kleine Seelenreise mit Musik, die zu Herzen geht“: „Dass wir die Seelen bereichern können mit dem Zauber der Musik. Dass wir in schwierigen Zeiten als Orchester die Verantwortung haben, einfach mit mehr Schönheit und mit mehr Intensität zu spielen, wo etwas weit hinaus über eine Sprache ganz tief in die Seelen geht.“ So enthusiastisch kündigt Nicholas Milton die neue Saison als ein echtes Abenteuer an.

Das GSO-Programm finden Sie auch auf der Spielplan-Seite des Kulturbüros Göttingen. Der Vorverkauf für die neue Saison beginnt am 1. Juli 2018.

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