Händel-Festspiele

Schon seit längerem ist bekannt, dass nach dem Jubiläum 2020 große Änderungen bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen anstehen: Die Verträge des künstlerischen Leiters Laurence Cummings und des geschäftsführenden Intendanten Tobias Wolff enden, und beide werden die Festspiele verlassen. Diese schon sehr frühen Bekanntgaben ermöglichen es dem Aufsichtsrat der Festspiele, die Nachfolge für beide langfristig im Voraus zu regeln.

Der Anfang wurde mit der Besetzung der künstlerischen Leitung gemacht: mit dem Beginn der Festspielsaison 2021/22 wird George Petrou in der Nachfolge von Laurence Cummings übernehmen. Als international ausgewiesener Händel- und Barockspezialist hat sich der griechische Dirigent weltweit einen Namen gemacht. Der absolute Wunschkandidat des Aufsichtsrates wurde durch die Findungskommission aus den derzeit führenden Vertretern der internationalen Alte Musik-Szene ausgewählt.

2018 10 16 Findungskommission1Prof. Dr. Wilhelm Krull, Vorsitzender des Aufsichtsrats und der Findungskommission, erläuterte die Vorgehensweise: „Es war klar, dass eine Stellenausschreibung mit einer Anzeige nicht der richtige Weg für die Neubesetzung gewesen wäre.“ So wurden mehrere Kandidaten direkt angesprochen. Am Ende gab es eine absolut einmütige Entscheidung, mit der sich Krull sehr zufrieden zeigte: „Mit George Petrou haben wir einen herausragenden, international hochangesehenen Nachfolger für Laurence Cummings gewinnen können. Er hat das Potenzial, die Händel-Festspiele weiterhin sichtbar zu einem Glanzlicht des internationalen Musiklebens der 2020er Jahre zu machen.“

Die Freude über diese personelle Entscheidung war allen an der Findung beteiligten Personen deutlich anzumerken. Und damit in dieser Angelegenheit auch nichts mehr anbrennt, wurde bei der Vorstellung von George Petrou gleich der Vertrag unterzeichnet.

George Petrou freut sich auf seine zukünftige Arbeit in Göttingen: „Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen kenne ich schon lange und es ist eine große Ehre für mich, dieses traditionsreiche und international renommierte Barockfestival leiten zu dürfen. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, das Festival weiter zu entwickeln und unvergessliche Aufführungen von Händels Musik zu schaffen.“

„Mit der Entscheidung schon jetzt, gut drei Jahre vor dem Antritt von Petrou, hat der künftige künstlerische Leiter die allerbesten Möglichkeiten, sich intensiv auf „seine“ ersten Festspiele vorzubereiten und eigene Ideen zu entwickeln,“ äußerte sich Tobias Wolff gegenüber dem Kulturbüro. „Diese Möglichkeit hatten Laurence Cummings und ich damals nicht. Cummings hatte noch nicht einmal Gelegenheit, bei seinen ersten Festspielen die Oper zu leiten. Zu kurzfristig wurde über die Besetzung damals entschieden.“

Nun können die ersten Gespräche mit George Petrou geführt werden. Und wenn feststehe, wie er seine Schwerpunkte setzen möchte, kann das Profil für den geschäftsführenden Intendanten erstellt werden. Dann kann die Findungskommission erneut aktiv werden.

Auch der amtierende Künstlerische Leiter Laurence Cummings begrüßt die Entscheidung der Kommission: „Ich bin höchst erfreut über die Berufung und weiß, dass Festival und Orchester bei ihm in den besten Händen sind. Ich freue mich darauf, eng mit George Petrou zusammenzuarbeiten, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen.“

Der aktuellen Festspielleitung war es wichtig, dass die Festspiele auch vom ihr nachfolgenden Leitungsteam erfolgreich geführt werden können. Deshalb hatte Laurence Cummings dem Aufsichtsrat der Internationale Händel-Festspiele Göttingen GmbH bereits Anfang 2018 seinen Wunsch mitgeteilt, dass er seinen bestehenden Vertrag nach dann zehn Jahren an der Spitze des Barockfestivals über das Jahr 2021 hinaus nicht verlängern werde: „Es war und ist mir eine große Freude und Ehre, dieses renommierte Festival leiten, mit einem so großartigen Ensemble wie dem FestspielOrchester Göttingen zusammenarbeiten und Teil des kulturellen Lebens dieser wunderbaren Stadt sein zu dürfen. Nach einer Dekade ist es allerdings an der Zeit, den Taktstock weiterzugeben. Ich möchte das Festival in die besten Hände übergeben, und da der Klassikmarkt extrem lange Planungsvorläufe hat, war es mir wichtig, den Aufsichtsrat frühzeitig in meine Pläne einzubinden.“

Der aus Athen stammende George Petrou studierte Klavier am Konservatorium seiner Heimatstadt, am Royal College und an der Royal Academy of Music in London. Er verfolgte zunächst eine Karierre als Pianist, bevor er sich dem Dirigieren zuwandte. Schnell erlangte er hier große internationale Aufmerksamkeit. Zahlreiche Auszeichnungen und preisgekrönte Einspielungen belegen seinen außerordentlichen künstlerischen Erfolg. In seiner Arbeit setzt er einen Schwerpunkt auf historisch informierte Aufführungspraxis, die sich nicht nur auf Barockmusik beschränkt, sondern auch das Repertoire späterer Epochen einschließt. Seit 2012 ist er Künstlerischer Leiter des renommierten Orchesters Armonia Atenea, das sowohl auf alten als auch modernen Instrumenten spielt. Er wurde zum Mitglied der Royal Academy of Music in London (ARAM) ernannt und von der französischen Regierung mit dem Titel „Chevalier de l'ordre des Arts et des Lettres“ ausgezeichnet.

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