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Literarisches Zentrum

„Ein eher kleines Programm“, stellt Anja Johannsen fest – präsentiert dann aber doch zehn Veranstaltungen von Dezember 2018 bis zum Februar 2019.

Wer die Leiterin des Literarischen Zentrums kennt, weiß um die zahlreichen Abende mit politischem Schwerpunkt. Und dieser findet sich auch im aktuellen Programm wieder: am 14. Januar kommen die Schriftstellerin Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, und der Soziologe Wolfgang Engler, geboren 1952 in Dresden. Gemeinsam, aber nicht immer einer Meinung gehen sie der Erfahrung nach, ostdeutsch zu sein. Nach zahlreichen Terminen in Ostdeutschland ist der Abend in Göttingen der erste im „Rest des Landes“. Moderiert wird der Abend von ZEIT-Redakteur Robert Pausch.

Politisch geht es auch am 8. Februar zu, wenn der Journalist Tanjev Schultz das Buch „Der NSU-Prozess. Das Protokoll“ vorstellt. Von diesem wichtigen Prozess gibt es kein Protokoll, keine Tonaufnahme – der Richter hatte das abgelehnt. Zutritt zum Gerichtssaal hatten aber Tanjev Schultz, Annette Ramelsberger, Wiebke Ramm und Rainer Stadler. Sie haben an allen 437 Verhandlungstagen mitgeschrieben und zu einem fünfbändigen Konvolut zusammengefasst. Der Literaturwissenschaftler Jens Meyer-Kovac spricht mit Tanjev Schultz, Passagen aus den Protokollen liest der Schauspieler Florian Eppinger.

Und wer nun glaubt, dass Lyrik unpolitisch sei, der kann sich bei den Lichtenberg-Poetikvorlesungen mit Monika Rinck am 30. und 31. Januar 2019 in der Aula der Universität vom Gegenteil überzeugen. Die Lyrikerin, Essayistin und Prosaautorin hält zwei Vorlesungen über Lyrik „zwischen Fiction und Non-Fiction“. Die Überschrift lautet „Wirksame Fiktionen“.

Der Schweizer Lyriker und Prosaautor Christian Uetz war bereits einige Male zu Gast im Literarischen Zentrum: am 6. Dezember kommt er gemeinsam mit Felicitas Hoppe. Die Büchnerpreisträgerin moderiert die Lesung des Lyrikers Uetz, die die Überschrift „Sprachengel“ trägt, angelehnt an den Titel des letzten Buches von Uetz „Engel der Illusion“, erschienen im Secession-Verlag.

Der Roman „Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck ist Abiturthema in Niedersachsen im kommenden Jahr. Entsprechend groß ist das Interesse an der Autorin im ganzen Land. Die Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums ist bereits mehr als ausverkauft. „Wir könnten vermutlich auch die Lokhalle füllen“, schmunzelt Marisa Rohrbeck, die für das Programm „Literatur macht Schule“ verantwortlich ist. Erpenbeck liest aber auch aus ihrem neuen Buch „Kein Roman“, und zwar am 10. Dezember um 20 Uhr in der Galerie Alte Feuerwache.

Die argentinische Autorin María Cecila Barbetta hat sich in die deutsche Sprache verliebt. „Die deutsche Grammatik gibt mir Sicherheit“, hat sie einmal gesagt. So schreibt sie ihre Bücher in deutscher Sprache. Die Autorin wurde in diesem Jahr eigentlich als Favoritin für den Deutschen Buchpreis gehandelt. Weil sie es nicht geworden ist, hat das Literarische Zentrum sie zu einer eigenen Lesung eingeladen: am 14. Dezember ist sie mit ihrem Roman „Nachtleuchten“ zu Gast im Zentrum und spricht mit dem HR-Redakteur Ulrich Sonnenschein.

Helene Hegemann wurde als 17jährige Autorin als „Wunderkind“ gefeiert. Inzwischen ist ihr drittes Buch erschienen, sie ist mittlerweile 26 Jahr alt und längst fest in der deutschen Literaturlandschaft verankert. Am 18. Januar kommt sie mit ihrem neuen Buch „Bungalow“ nach Göttingen. Auf der Bühne im Literarischen Zentrum spricht sie Miriam Kid (Deutschlandfunk). Kid urteilt über Helene Hegemann: „Mit ihrem brillanten dritten Roman zeigt sie, wie ein emanzipierter, queerer und feministischer Stil überkommene Steorotype aufbrechen kann“. Dementsprechend ungemütlich geht es in dem hoffnungslosen Häuserblock zu, von dem man direkt auf die Bungalows der Wohlhabenden blickt.

Ungemütlich geht es auch in dem Buch „Raum ohne Fenster“ zu. Der syrische Autor Nather Henafe Alali schreibt in seinem Debütroman von Folter und Flucht, von Verlust und Erschöpfung, und das auf hoch emotionale Weise. Mittlerweile kann Alali sein in Syrien wegen Inhaftierung abgebrochenes Studium der Zahnmedizin in Göttingen weiterführen.

Das gesamte Programm des Literarischen Zentrums finden Sie hier auf der Spielplanseite im Kulturbüro Göttingen sowie auf der Homepage des Literarischen Zentrums.
Tickets gibt es hier im Ticketshop des Kulturbüros und an allen Reservix-Vorverkaufsstellen.

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