A A A

#rettedeintheater

Einen Teilerfolg kann die Aktion #rettedeintheater verbuchen: wie die Göttinger Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) mitteilte, haben sich die Fraktionen im Niedersächsischen Landtag darauf geeinigt, die kommunalen Theater in Niedersachsen sowie das Göttinger Symphonie Orchester mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von drei Millionen Euro im Jahr 2019 zu unterstützen.

Damit können die Einrichtungen zumindest kurzfristig etwas aufatmen. Angemeldet war ein Bedarf von 9 Millionen Euro, zugesagt wurden 6 Millionen – bevor der Finanzminister Hilbers (CDU) die Summe komplett aus dem Haushalt gestrichen hatte. Kulturminister Thümler hatte dabei tatenlos zugesehen.

„Für das Deutsche Theater bedeutet das nach dem bisher angewandten Verteilungsschlüssel zusätzlich zur bisherigen Landesförderung von 2.703.000 Euro ein Plus von 360.000 Euro und für das GSO zusätzlich zur Förderung von 1.517.000 Euro ein Plus von 210.000 Euro“, erläuterte Andretta die Entscheidung der Regierungsfraktionen im Landtag. Zusätzlich werde die Landesregierung die anteiligen Kosten für die Tarifsteigerungen der Beschäftigten übernehmen.

Wie bei allen anderen Beteiligten macht sich Erleichterung breit, so auch bei der Verwaltungsdirektorin des Deutschen Theaters in Göttingen Sandra Hinz: „Das ist ein wichtiger Teilerfolg: das Thema wurde gesetzt und hoffentlich auch verstanden. Jetzt müssen wir dranbleiben!“

Glückwünsche gehen von allen Seiten an die DT-Hausregisseurin Antje Thoms, die mit ihrer Aktion #rettedeintheater nicht nur in Niedersachsen, sondern in ganz Deutschland und darüber hinaus für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. Zuletzt entstanden in Göttingen und anderswo kurze Videos, die die Probleme der kommunalen Theater in den Mittelpunkt stellten.

Die Petition mit mehr als 19.000 Unterschriften, die Kundgebung vor dem Niedersächsischen Landtag, die solidarische Einheit der Theaterschaffenden Niedersachsen, zahlreiche Gespräche mit Politiker*innen aller Fraktionen, die solidarische Videoaktion „Wir investieren. Aus Leidenschaft.“ und der Schulterschluss unzähliger Abgeordneter beinahe aller Parteien aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik trägt finanzielle Früchte. Letzte Worte müssen in der Politik bis zur Verabschiedung des Haushalts im Dezember noch gesprochen werden, doch bereits jetzt wurde durch die Landtagsfraktionen bekannt gegeben, dass das Geld kommen wird.

„Das ist großartig, wir freuen uns alle erstmal riesig.“, so Antje Thoms, Sprecherin des Aktionsteams #rettedeintheater. „Unsere Aktivitäten haben gezeigt, dass es etwas bringt, sich zu solidarisieren und das Theater deutschlandweit auf Gegenliebe stößt. Deshalb wollen wir uns zuerst von Herzen bei den Menschen bedanken, die uns in den letzten Monaten zahlreich unterstützt haben. Ob Politiker*innen, Zuschauer*innen, Medienvertreter*innen oder Kolleg*innen, alle Seiten haben uns positive Rückmeldungen, Tipps, großartige Fotos, Vertrauen und Gegenliebe geschenkt. Diese Zeit hat vor allem auch die Theater und Orchester Niedersachsens zusammengeschweißt und mit ihrem Publikum in enge Bindung gebracht. Das ist unbezahlbar. Umso schöner ist es, dass nun ein erster wichtiger Schritt der finanziellen Verbesserung für alle Theater und Orchester gegangen wurde, wenngleich dieser insgesamt noch nicht ausreicht und vor allem nur auf ein Jahr ausgelegt ist. Wir werden jetzt trotzdem erstmal ausgiebig feiern und arbeiten schon an einer Dankesaktion, denn für uns ist die Aktion #rettedeintheater vor allem auch ein kreativer Umgang mit dem Negativen. Wir freuen uns unseren Fokus nun wieder mehr auf das legen zu können, was uns am Ende wichtiger ist als alles Geld der Welt: Die Kunst, das Theater und das Nachdenken über die Gesellschaft. Doch wer glaubt, das Aktionsbündnis der Niedersächsischen Theaterschaffenden zöge sich nun wieder zurück auf die Ruhesessel der Kunst in seinen sogenannten „Elfenbeintürmen“, liegt falsch. Letztlich geht es dem Bündnis nicht darum wie viele Millionen wo verteilt werden, sondern um die Anerkennung und den Wert: Kunst und Kultur sind keine freiwillige Leistung, sie gehören nicht auf die politische Liste sondern verstetigt in den Haushalt – ob auf Landes- oder kommunaler Ebene. Theater und Orchester verdienen Planungssicherheit, um sich dem zu widmen, was ihr Auftrag ist: das Denken um die Ecke, das Schaffen von demokratischen Begegnungsräumen, die ästhetische Bildung.“

Das Video des Deutschen Theaters finden Sie hier:

 

Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Das freut uns! Dieser Text ist freizugänglich zu lesen. Dennoch kostet die Erstellung Geld. Darum bitten wir Sie herzlich ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.