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Literarisches Zentrum

Mit einer Kontroverse zum Thema Zeitgeschichte startet das Literarische Zentrum in sein Sommerprogramm. Anlass ist der Roman von Takis Würger über eine so genannte „Greiferin“, die verfolgte Jüdinnen und Juden an die Gestapo verriet, der von der Literaturkritik zur „Nazischnurre mit Fertigfiguren“ deklariert wurde. Eine ganz andere Sprache spricht aus der Biografie von Peter Wyden über seine jüdische Schulfreundin Stella Goldberg und warum sie zur Greiferin wurde. Es ist vor allem seine Chronik, die der Steidl Verlag aktuell wieder aufgelegt hat, die am 3. Mai zur Diskussion steht, wenn die Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg und der Literaturkritiker Christoph Schröder mit Blick auf die Shoa über Ethik und Ästhetik des Erzählens sprechen.

Mit dem Roman „Benzin“ knüpft das Literarische Zentrum an die Reihe „Love It or Leave It“ an. Befragt werden Liebesmodelle in der Gegenwartsliteratur, wie sie auch Guenther Geltinger in seinem literarischen Roadmovie an Alexander und Vinz und ihrer störrischen Beziehung schildert, die in Südafrika strandet. Station im Literarischen Zentrum macht dann die Schriftstellerin Antje Rávik Strubel als Preisträgerin der Literaturhäuser 2019. Grenzüberschreitungen und das Reisen zwischen Sprachen und Körpern sind das Thema ihres letzten Romans „In den Wäldern des menschlichen Körpers", an das auch das Gespräch am 22. Mai am literarischen Treffpunkt in der Düsteren Straße anknüpft.

Eine abenteuerlich absurde Odyssee verbirgt sich hinter dem Romantitel „Ein empfindsamer Mensch“. Schon bei der Leipziger Buchmesse begeisterte der tschechische Schriftsteller Jáchym Topol. Und auch das Team des Literarischen Zentrum ist begeisterte, das ihn und seine Übersetzerin Eva Profousová für den 29. Mai eingeladen hat: Mit seiner Geschichte einer tschechischen Künstlerfamilie, die von Brexit Anhängern aus Großbritannien vertrieben wird und jetzt im Campingwagen einfach Osteuropa ansteuert und dabei auch den Putin-Fan Gérard Depardieu um seinen BMW erleichtert.

„Sie schreibt Bücher von denen man denkt: Komisch, dass das noch nie jemand gemacht hat“. Die Begeisterung von Anja Johannsen und ihrem Team gilt auch Anke Stelling, der diesjährigen Preisträgerin der Leipziger Buchmesse und ihrem Roman „Schäfchen im Trockenen". Trotz gemeinschaftlich liberaler Bekenntnisse rumoren noch die Klassenvorurteile in den arrivierten Freundschaftskreisen einer Aufsteigerfamilie, wie Stelling bei ihrer Lesung am 6. Juni mit feinem Spott demonstrieren wird.

Da Gregor Gysi als Gesprächspartner sehr gefragt ist, hat sich das Literarische Zentrum mit seinem engen Terminplan arrangiert. Zum „After Work“ Gespräch am 12. Juni legt der Politiker um 17.30 Uhr einen Zwischenstopp im Alten Rathaus ein, um wie immer – rhetorisch in Hochform - das Thema „30 Jahre Mauerfall“ zu sezieren.

In der Reihe „Liederabend“ begibt sich der Musikjournalist Frank Schäfer mit Gerhard Kaiser, dem Kurator der Reihe auf eine sentimental journey. Die beiden Musikspezialisten widmen sich am 18.Juni dem legendären „Woodstock“ Festival und den Legenden, die auch 50 Jahre danach noch kursieren. Um Zeitstimmen und Zeitsprünge geht es auch im Gespräch mit der Feministin Erica Fischer am 27. Juni. Sie widmet sich den Entwicklungen und den Konflikten im feministischen Dialog unter dem Motto „Kontinuitäten, keine Grabenkämpfe“.

Mit dem Sommerprogramm des Literarischen zieht auch das Projekt „Weltenschreiber“ weitere Kreise. Neben der kreativen Lehrerfortbildung wurden in fünf Schulen in Göttingen, Einbeck und Gieboldehausen Schreibwerkstätten eingerichtet. Mit den Schülerinnen und Schülern ist für den 25. Juni eine Abschlusslesung geplant. Verstärkung bekommt das Literarische Zentrum dann im August für die nächste Etappe des Projektes. Die Leipziger Schriftstellerin Marina Schwabe wird als „Weltenschreiber“ Stipendiatin in einem dreimonatigen Mentoringprogramm die Jugendlichen betreuen, die bei der Schulwerkstatt Lust bekommen haben, weiter zu schreiben und sich mit Anderen auch über Romanideen, Erzählungen und Gedichte austauschen möchten. Dabei übernimmt die Weltenschreiberin vorübergehend auch die Rolle der Stadtschreiberin und wird den Blog des Göttinger Tourist Office mit ihren Eindrücken und Texten bereichern.

Das komplette Programm und die Möglichkeit, Tickets im Vorverkauf zu erwerben, finden Sie hier auf der Spielplanseite des Literarischen Zentrums.

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