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Kreuzberg on KulTour

Seit seiner Gründung am 13.8.2009 ist der Kreuzberg on KulTour e.V. in Göttingen und ganz Südniedersachsen aktiv. Rein ehrenamtlich organisierte er seit zehn Jahren hunderte Konzerte, Offene Bühnen und Folksessions, war federführend beim Indoor Altstadtfest sowie der SoundBase/ Sound-Invasion zum NDR 2 Soundcheck Festival beteiligt, führte Liesels Clubnacht durch, gründete das Herberhausen Open Air Festival, kümmert sich insbesondere um die Förderung von regionalen und überregionalen Nachwuchsmusikern und unterstützt Musiker mit dem Internetportal www.musikerfuermusiker.de bei der Suche nach Proberäumen. Dem katastrophalen Spielstättensterben in Göttingen versucht der Verein durch das Konzept der „mobilen Spielstätte“ entgegen zu wirken. So wurden über zehn Lokalitäten zu Spielstätten aufgebaut oder reaktiviert, leider haben nicht alle überlebt.

„Da sich der Verein als Nachfolge des Café Kreuzberg gründete, das Anfang Mai 2009 seine Türen nach rund zwanzig Jahren Bühnenbetrieb schloss, sind wir ohne eigene Lokalität. Wir empfinden uns aber nicht als heimatlos, sondern haben daraus ein ganz eigenes Konzept entwickelt“, erklärt der 1. Vorsitzende Klaus Wißmann. „Durch unser Selbstverständnis einer mobilen Spielstätte haben wir die Möglichkeit den auftretenden Musikern eine für sie passende Lokalität aus unserem Spielstättenrepertoire anzubieten. Dadurch können gleichzeitig auch neue Publikumskreise erschlossen werden.“

Dieses Konzept funktioniert nun schon seit zehn Jahren. Leider konnte trotz der Bemühungen des Vereins das Göttinger Spielstättensterben nicht aufgehalten werden. Seit 2000 sind trotz gleichzeitigem Anstieg der Bevölkerungs- und Studierendenzahlen rund 20 Spielstätten für immer geschlossen worden. Dabei ist vor allem die Gesamtkapazität aller Spielstätten dramatisch um etwa 2/3 eingebrochen. Ein besonders großer Verlust für Göttingen war die Schließung des Blue Note vor fünf Jahren – dem einzigen Göttinger Club von weltweiter Bedeutung – sowie der Tangente Ende 2018. Ohne diese beiden Lokalitäten fehlt innerhalb des Walls eine Lokalität für 300 bis 400 Besucher schmerzlich.

„Trotz des Spielstättensterbens war für uns an Aufhören nie zu denken“, bekräftigt Wißmann. „Es hat uns eher angespornt noch mehr für den Erhalt einer vielfältigen Rock/Pop-Szene zu tun, so dass wir uns immer wieder auf die Suche nach neuen Spielstätten begeben haben. Allein unsere Offene Bühne ist seit der Schließung des Café Kreuzberg acht Mal umgezogen und ist dabei nicht ein einziges Mal ausgefallen. Im Blue Note haben wir beispielsweise die 100. Offene Bühne gefeiert, im Freihafen zehn Jahre Offene Bühne und in der Tangente letztes Jahr die 150. Offene Bühne. Mit der Diva Lounge haben wir nun eine schöne neunte Lokalität gefunden und hoffen dort lange bleiben zu können.“

Etwa 800 Konzerte hat der Kreuzberg on KulTour e.V. in den letzten zehn Jahren veranstaltet, wobei die Vernetzung mit unzähligen Musikern, Agenturen und Musikinitiativen weltweit aus über 2.000 Konzerten mit über 10.000 Musikern die der 1. Vorsitzende selbst und im Café Kreuzberg, durchgeführt hat, sehr hilfreich war und ist. Vom Booking, der Veranstaltungsbewerbung bis zur Technik wird alles vom Verein selbst übernommen. Besonders bei großen Veranstaltungen, wie dem Herberhausen Open-Air-Festival, das im amphitheaterähnlichen Garten der Dorfschänke stattfindet, oder Liesels Clubnacht kostet es viel ehrenamtliches Engagement, um solche Festivals auf die Beine zu stellen. Genauso wie beim Indoor Altstadtfest oder der SoundBase/SoundInvasion zum NDR 2 Soundcheck Festival, bei dem der Kreuzberg on KulTour e.V. federführend beteiligt war und meist rund 2/3 der Lokalitäten mit Programm, Technik und Kassenkräften ausgestattet hat.

„Ohne unsere engagierten Mitglieder könnten wir solche großen Veranstaltungen gar nicht durchführen – genauso wenig wie die kleineren. Dann gäbe es die Gewölbeklänge im kleinen Ratskeller oder den x-mas Rock, The Toxic Shock Show, den Songwriterabend uvm. nicht.“, so Wißmann. „Bei der ganzen Verwaltung kann dann aber leider keiner helfen und da fällt wegen Booking, Kommunikation mit Künstlern und Lokalitäten, PR, GEMA, KSK etc. täglich Arbeit an – und das neben dem normalen Beruf. Trotz der vielen Arbeit und der Rückschläge durch das Spielstättensterben haben wir aber nie daran gedacht aufzuhören. Dafür sind wir viel zu sehr Idealisten und haben viel zu viel Spaß an Live-Musik. Wir möchten als Kreuzberg on KulTour e.V. die Kulturszene in Göttingen mit unserer Arbeit bereichern – sowohl für das Publikum, als auch für die Musiker.“

Deshalb kümmert sich der Verein besonders um die Förderung von Nachwuchsmusikern. Dazu gehört sowohl die Organisation von Auftritten, als auch die Vermittlung von Proberäumen. Denn freie Proberäume sind in Göttingen leider Mangelware. Mit dem Selbsthilfeportal www.musikerfuermusiker.de, das der Verein 2013 gegründet hat, soll Musikern bei der Suche nach einem Proberaum geholfen werden. Dort erhält der Verein sowohl Anfragen, als auch leider viel zu wenig Angebote. Die dort gewonnen Daten ergaben erstmals die Möglichkeit zu einer Bedarfsabschätzung in 2013 [3]. Am dramatischen Raummangel hat sich aber leider bis heute fast nichts verändert.

Der Verein engagiert sich aber nicht nur in Göttingen. Im Umland wurde z.B. der Eulenhof in Hörden am Harz über Jahre zu einer Spielstätte aufgebaut, in welcher der Verein nun regelmäßig Konzerte ausrichtet. „Darüber hinaus bieten wir auch sogenannte 'Südniedersachsen-Touren' an. Die sind besonders bei überregionalen Musikern beliebt, weil wir ihnen ein mehrtägiges Konzertpaket in unserer Region anbieten können. Nur dadurch lohnt sich für viele überhaupt erst der Weg nach Göttingen. Das Angebot erweitern wir kontinuierlich und können immer wieder neue Lokalitäten im Landkreis dazu gewinnen. Dadurch wollen wir sowohl den Musikern helfen, als auch unseren Beitrag dazu leisten, der Landflucht entgegen zu wirken“, so Wißmann.

Der Kreuzberg on KulTour e.V. hat in seinen ersten zehn Jahren schon viel erreicht und denkt nicht daran aufzuhören. Man darf gespannt sein, was in den nächsten zehn Jahren noch alles passieren wird...

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