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Deutsches Theater

Antworten gibt es keine zu hören, aber ein Rätsel in diesem Spiel vom Fragen haben die Theatermacher mit Regisseurin Antje Thoms auf alle Fälle gelöst. „Wie steigt man über einen Zaun, den man im eigenen Kopf hat?“ Täglich um 17.45 Uhr steigen sie mit ihrer Installation über diesen Corona-Zaun, der das Gebäude jetzt auch real umgibt. Vor den Zuschauereingängen wurde eine hölzerne Palisade errichtet, die nicht nur symbolisch auf die täglichen Lockdown-Barrikaden verweist. Das Theaterleben verkümmert, solange keine Vorstellungen stattfinden können und keine Begegnungen mit dem Publikum. „Deswegen gucken wie im Grunde von drinnen raus“ meint Antje Thoms. „Das war auch so die Idee, dass sich das Theater im Grunde ein bisschen geisterhaft poetisch selbst in Bewegung setzt, quasi nach draußen.“
Über dem Eingang zur Theaterkasse und zum Bistro, wo sonst täglich die Vorstellungstermine eingeblendet werden, leuchten nur wenige Fragen auf, die auch täglich wechseln. Doch wenn sich dann über dem gläsernen Dach eine Nebelwolke ausbreitet, ist ein Blick um die Ecke fällig, was sich da wohl an der Wallseite noch alles zusammenbraut. Dort lässt sich an dem Leuchtbanner verweilen, auf dem alle 100 Fragen in Dauerschleife auch optisch kursieren. Manche lesen sich wie gedankliche Stolperfallen, andere wie kleine Absurditäten neben schlichten Sinnfragen, alltäglichen Kommentare mit Fragezeichen und sind oft einfach zum Staunen gedacht. „Macht die Natur deshalb so glücklich, weil sie keine Meinung von uns hat? Wie sehen Vögel eigentlich die Welt? Was ist Kokolores? Muss man immer die Wahrheit sagen? Lügt das Chamäleon?“

Antje Thoms hat sich im kreativen Bündnis mit Bühnenbildner Florian Barth natürlich auch ein paar Fragen gestellt. Geht Theater auch ohne Darsteller, nur mit Nebel, Licht und Augen, die aus Bullaugen gucken. Auch bei der Frage, „Ist es nicht schön, wenn man zumindest einmal am Tag zufällig am Theater vorbei kommt und einen anderen Input bekommt als Nachrichten?“, stimmen ihr täglich weitere Passanten zu.

Manche halten vielleicht bei einem Reim mit zwei Ohren, Leid und Not und Hamstertod inne, andere wenden vielleicht spontan den Kopf, weil ja doch etwas hinter ihnen sein könnte, wenn sie sich umdrehen oder sie fragen sich spontan, wie lange sie den Atem anhalten können oder ob einem die Welt größer vorkommt, wenn man das Meer sieht. Thoms wurde beim Fragen suchen und finden vor allem im Netz fündig, in Bewerbungsportalen und Kontaktbörsen ebenso wie auf Kinderseiten wie bei der Sendung mit der Maus. „Was mir gefiel“, sagt sie, „habe ich genommen und das dann versucht zusammenzubauen“. Im Tonstudio nahm ihr Ensemble natürlich mehr als 100 Fragen auf. Thoms hat auch schon Variationen für die aktuelle Installation im Sinn. „Das ist tatsächlich lustig: wenn man erst mal anfängt nach Fragen zu suchen, findet man sehr viele. Uns war einfach wichtig, dass die nicht zu komplex sind und unfassbar philosophisch, obwohl ich das nicht absprechen würde. Fragen stellen, macht was mit einem. Und eigentlich ging es darum, in diese Zeit etwas zu bringen, was leicht ist und was einen erfreut, wo man vielleicht glücklich ist, vielleicht melancholisch wird, sich vielleicht mit sich selber beschäftigt und auseinandersetzt, weil man Fragen beantwortet.“

Während die langjährige DT-Regisseurin auch das beschreibt, was die Theaterbesucher zurzeit an berührenden und nachdenklichen Begegnungen bei den Vorstellungen vermissen, macht viele Passanten auch das unscheinbare weiße Plakat an der hölzernen Lockdown-Barrikade neugierig. Das informiert zwar nur darüber, dass der Zugang zur Theaterkasse vorübergehend über den Bistroeingang an der Wallseite erfolgt. Aber es zeigt, dass sie über diese Installation rätseln und über die Stimmen, die jetzt nach dem sympathischen Bein fragen, warum der Himmel blau ist und was eigentlich mit Popeln passiert, die man nicht aus der Nase holt. Ob zufällig unterwegs oder bei einem geplanten Zwischenstopp haben sie für manche Fragen bereits eine gemeinsame Antwort. „Bist Du hier richtig? Schaust Du Dich oft um?“.

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