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Junges Theater

Mayer erzählt, scherzt, unterhält sich mit dem Publikum oder mit seinem Bühnenpartner, dem Musiker Steffen Ramswig. Und er singt Wienerlieder. Wienerlied, das ist ein stehender Begriff und wird tatsächlich zusammengeschrieben. Bei Wikipedia heißt es: „das Wienerlied verbreitet Gemütlichkeit und Humor“. Und genau das tut Mayer auch an diesem Abend, der eigentlich ein Abschiedsabend in seiner bisherigen Wirkungsstätte Eisenach sein sollte, nun aber zu einem Begrüßungsabend zu seinem Antritt in Göttingen mutierte.

Und so singt Mayer Lieder wie Die Reblaus, In einem Café in Hernals, Bidla Buh, aber auch Lieder von Falco oder Wolfgang Ambros.

Zwischendurch erfahren wir allerlei Wissenswertes. Eingebunden ist immer der „Herr Ramswig“. Der Pianist meint irgendwann zwischendurch: „Das ist ein lehrreicher Abend für mich.“ Und als Ramswig an seinem Weinglas nippt und Mayer auf den Einsatz wartet, meint Mayer dazu: „Schneller trinken und weitermachen!“

So erfährt die kluge Dramaturgie auch einige improvisatorische Elemente. Michael Johannes Mayer ist eigentlich immer in seinem Element. Besonders beeindruckend ist er aber bei „Komm, großer, schwarzer Vogel“. Dieses morbide, bedrückende Lied von Ludwig Hirsch ist deutlich schwärzer in seinem Humor als die Lieder seiner Kollegen Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich oder Georg Danzer. Mayer gestaltete dieses Lied hoch emotional – und braucht dann auch ein paar Sekunden, bis er wieder in das heitere Fach wechseln kann.

Dazu gehören dann die Anekdoten über den nie erstellten Nordturm des „Steffls“ (Stefansdom) oder die Geschichte, wie der Kaffee nach Wien kam. Im Jahr 1683 eröffnete das erste Kaffeehaus in Wien. „In Bremen gab es bereits 1673 das erste Kaffeehaus,“ wirft Ramswig pointiert ein. Das ignoriert Mayer und erzählt weiter von den Kaffeespezialitäten seiner Heimatstadt. „Was wäre Wien ohne seine Cafés?“ fragt er.

So ist ein rundherum unterhaltsamer Abend entstanden, an dem es stets um Liebe, Tod, den Wein und Wien selbst geht. Als Zugabe gibt es am Premierenabend die „Omama“ von Ludwig Hirsch und „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros – und noch einmal eine Strophe aus dem „Café in Hernals“ von Herman Leopoldi.

Zu der angenehmen Atmosphäre im Jungen Theater trägt auch der neugestaltete Theatersaal bei: das Publikum sitzt an kleinen Kaffeehaustischen, auf denen nach der Premiere ein Glas Grüner Veltliner landet. Um mit Kaiser Franz Joseph zu sprechen: Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!

Prosit – und „Grüß Gott“ Michael Johannes Mayer in Göttingen.

 Die Premiere von «Wiener Liederabend» war am 10. September 2020. Weitere Vorstellungen stehen am 1. Oktober um 17.30 Uhr und 20.30 Uhr sowie am 28. Oktober auf dem Spielplan.

Links:

Der Spielplan des Jungen Theaters finden sie hier auf der Sonderseite des Kulturkalenders.

Zur Homepage des Jungen Theaters

 

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