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Junges Theater

Es herrschen ziemlich strapaziöse Verhältnisse in dem komödiantischen Crashkurs von Dario Fo und Franca Rame, wenn das Schauspielpaar die vermeintlichen Freiräume in der „offenen Zweierbeziehung“ genüsslich schreddert und das Bühnenwohnzimmer in der Inszenierung von Sebastian Wirnitzer zur Kampfzone erklärt. Allen Geschlechterrollentypisierungen zum Trotz begegnen sich Antonia und ihr sexuell umtriebiger Gatte, dem das Stück einen Namen verweigert, auf Augenhöhe. Beide sind wortgewandt und ständig in Lauerstellung, was die Ansprüche an das gemeinsame Eheleben und seine Ermüdungserscheinungen angeht. Sie sind abwechselnd wütend und genervt und gelegentlich sogar ein bisschen versöhnlich, um dann wieder kleine Gemeinheiten und große Kränkungen abzurufen. Die Ansage „nimm doch nicht immer alles so dramatisch“ beschleunigt auf ihre Weise den Gang der Ereignisse und den Testlauf mit einer vermeintlich offenen Zweierbeziehung.

Agnes Giese und Jens Tramsen sondieren und kommentieren ihre Positionen und letztlich auch ihre Rollen. Dadurch entziehen sich ihre Figuren auch einer individuellen Zuschreibung von Stärken und Schwächen, die sie berührbar werden lassen. Die Frage nach den Verletzungen, die sie sich in ihren Wortgefechten zumuten, wird nicht gestellt. In diesem Sinn jongliert das Stück von Dario Fo und Franca Rame mit den Möglichkeiten eines Soziogramms. Schauen wir doch mal, was in den Geschlechterverhältnissen so alles schief liegt und überlassen den Zuschauern die psychologische Rasterfahndung mit anschließender Anamnese.

Das Kapitel Selbstmord hat sich ja mittlerweile erschöpft. Jetzt geht es darum, die Galerie der meist jüngeren, oft selbstständigen und offenbar attraktiveren Konkurrentinnen so abschätzig wie möglich zu etikettieren. Der werte Gatte lässt sich auch das gefallen und wird sich so bald keine Chance auf dem Markt der Eroberungsmöglichkeiten entgehen lassen. Erst recht nicht, wenn er nun für die offene Zweierbeziehung plädiert und im trauten Heim mal eben dem mütterlichen Kraftwerk huldigt, das vor allem eins vermisst: richtig guten Sex.

Es ist vermutlich auch kein Zufall, dass jetzt der Mythos vom Märchenprinzen die Kampfzone Wohnzimmer beherrscht, damit das Thema Eifersucht auch in einer männlichen Komponente wüten darf. Konkurrenz belebt die emotionale Gemütslage umso mehr, wenn es sich dabei um einen erfolgreichen Wissenschaftler handelt, der auch mit kreativen Talenten glänzt. Dafür hat sich Antonias Kampf mit modischen Designs, Styling und täglichem Fitnessparcours offenbar gelohnt. Sie hat endlich wieder Oberwasser im gesellschaftlichen Ranking des schönen Scheins, jetzt eben im karierten Minirock und mit peppiger Lederjacke. Entsprechend bösartig spitzt sich der ultimative Schlagabtausch um das gemeinsame sein oder nicht sein zu. Auch das zwischenzeitig rasante Sprechtempo nimmt noch mehr Fahrt auf, während das Paar seine verbale Munition effektvoll verballert. Nachdenkliche oder auch irritierende Zwischentöne sind in diesem auch ironisch grundierten Geschlechterrollenshowdown nicht vorgesehen. Während Agnes Giese ihrer Antonia mit jeder offensiven Geste taktisch den Rücken stärkt, scheint Jens Tramsen über mögliche Optionen zu brüten, wie er die Kampfzone zurück erobern kann. Die Worte Hass und Rache findet zwar keine Erwähnung, aber bei allem komödiantischen Dekors wird auf der Bühne mit viel Spektakel ein Krieg ausgetragen, während sich der Spaßfaktor allmählich verflüchtigt.

  

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