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Junges Theater

„Der goldne Topf“ ist ein Versprechen, dass der geheimnisvolle Antiquar Lindhorst seinem neuen Schreiber gibt. Es ist seine verzauberte Tochter in Gestalt einer Schlange, in die sich Anselmus verliebt hat. Dafür muss er allerdings auf seine Gefühle für „Serpentina“ vertrauen und das auch allen studentischen Karriereplänen zum Trotz, vielleicht eine gut dotierte Position als Hofrat einzunehmen. Mit dem Konrektor Paulmann hat er bereits die passenden Starthilfebeziehungen geknüpft und mit dessen Tochter Veronika auch eine attraktive Partie in Aussicht. Sie nimmt ihn auch in Schutz, wenn er sich erneut in Tagträumen verliert.

Es ist eine biedere, manierlich durchdeklinierte Gesellschaft, in der Hoffmann seinen jugendlichen Sinnsucher irrlichtern lässt. Auf der Bühne wird sie durch vier dunkle Kästen markiert, in denen sich das Schauspielteam immer wieder verschanzt, um daraus auch Barrikaden zu bauen, sich an feste Positionen zu halten oder Schauplätze zu imaginieren. Aber zunächst bilden Katharina Brehl, Agnes Giese, Vincent Brummer einen Chor von Erzählerstimmen, der staunt, grübelt und rätselt, was Hoffmann in seinem „Märchen aus der neueren Zeit“ da alles Gedanken- und Gefühlswelten kollidieren lässt. Sei es über archaische Zeiten, die Macht von Naturgeistern, eine sprechende Pflanzenwelt oder verzauberte Schlangen, die nicht nur von der Liebe, sondern auch vom Glauben an die Kraft der Poesie erlöst werden können.

Regisseurin Grit Lukas hat die märchenhaft anmutenden Fantasien und Visionen in einer virtuellen Welt angesiedelt. Dort können sie ein Eigenleben entwickeln, schön und schrecklich erscheinen, ängstigen oder auch inspirierend ermutigen. Auf dem Display erscheinen die Bilder im Kopf, die Jens Tramsen in der Rolle des Anselmus so verwirrend zusetzen, so real, wie sie dann auch auf der Bühne szenisch imaginiert werden. Dabei mischen sich die Erzählerstimmen immer wieder in seine Sehnsuchtsfantasien von Freiräumen und einem paradiesischen Anderswo ein. Die Handys mit den verschlüsselten Hoffnungsbotschaften kursieren auch, wenn sie seine Zweifel belauern, vielleicht in dieser virtuellen Welt zu scheitern und sich den geordneten Verhältnissen ohne den magischen Zauber von Schlangenaugen doch noch anzupassen.

E.T.A. Hoffmanns wunderbar bildreiche und auch oft so verzaubernde Sprache gerät in dieser Collage aus szenischen Dialogen, chorischen Erzählerstimmen, Sound- und Lichtakzenten immer wieder unter die Räder. Dann verblasst die Wirkung seiner Gedankenbilder, die auch die eine oder andere Atempause zum Innehalten und Verweilen aushalten, bis sie sich in ihrer Bedeutung als Elemente einer märchenhaften Vision erschließen. Der jugendliche Träumer vertraut zum glücklichen Ende seiner abenteuerlichen Odyssee auf die Kraft der Poesie. Aber die geht bei diesem Bühnenabenteuer im Fantasy-Format verloren.

 Die Premiere war am 9. Oktober 2020. Weitere Vorstellungen stehen am 17. Oktober, am 5. und 21. November sowie am 17. und 18. Dezember auf dem Spielplan des Jungen Theaters.


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Theaterpodcast Szenenwechsel: Gespräch mit Regisseurin Grit Lukas

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