Konzert des dezimierten Abegg-Trios im Clavier-Salon

Natürlich war am Mittwochabend im Clavier-Salon nicht alles nur geklaut. Aber nachdem das Abegg-Trio aufgrund eines Unfalls des Violinisten Ulrich Beetz nur zwei Drittel auftreten konnten, musste das Programm etwas umgestaltet werden und auf die Besetzung Klavier + Cello angepasst werden und dabei standen einige Stücke auf dem Programm, die eigentlich nicht für Cello komponiert wurden, sondern für ein anderes Soloinstrument. Allerdings klangen sie auf dem Cello mindestens genauso schön – vor allem, wenn man eine persönliche Vorliebe für die Besetzung Klavier + Cello hat.

Das Konzert begann mit etwas ungewohnten Klängen. Auf dem Programm standen zwei Bach-Präludien mit von Ignaz Moscheles hinzu komponierten Cellostimmen – also in gewisser Weise geklaut. Das wohl jedem bekannte Präludium in C-Dur wirkte mit der Cellostimme am Anfang etwas seltsam, weil man sich erst daran gewöhnen musste, dass zu dieser gewohnten Melodie noch ein Cello erklang. Doch das ging recht schnell und man konnte sich auf diese interessanten Zusammenklänge einlassen und in dem cis-Moll Präludium, das nicht ganz so bekannt ist, war es schon selbstverständlich, dass die Cellostimme dazugehört.

Als nächstes folgt die Sonate für Klavier und Violoncello g-Moll op. 5,2 von Beethoven, das definitiv nicht geklaut ist, sondern so für Klavier und Violoncello geschrieben wurde. Eine sehr schöne aber sogar für den Zuhörer anstrengende Sonate. Beide Instrumente sind gleichberechtigt und tragen nebeneinander unterschiedliche Themen vor. Durch eine meist ausdrucksvolle Melodieführung ist man auch als Zuhörer ständig gefordert und kann sich nicht einfach zurücklehnen und den Klängen lauschen, sondern sollte aufmerksam bleiben, um nichts von dem Wettstreit der beiden Instrumente zu verpassen, aus dem am Ende allerdings kein Sieger hervorgeht und der sich auch nur auf die Musik beschränkt.

Im Kontrast zu diesem expressiven Stück stand Robert Schumanns Fantasiestücke für Violoncello und Klavier op. 73, das eigentlich für Klarinette komponiert wurde, „aber wir haben das jetzt gestohlen“ meinte Zitterbart dazu. In diesem Stück konnte man sich den romantisch-fließenden, eher ruhigen und typischen Schumann-Melodien hingeben und ganz entspannt der Musik lauschen. Das dem letzten Satz vorgeschrieben „Rasch, mit Feuer“ wurde aber dennoch überzeugend umgesetzt.
Nach der Pause folgte die Sonate für Violoncello und Klavier A-Dur von César Franck, die in der ursprünglichen Fassung für Violine geschrieben wurde. Diese Sonate war ein Hochzeitsgeschenk an den belgischen Geiger Eugène Isaÿe. Aus diesem Grund nennt Erichson im Vorfeld auch, dass es für sie Szenen einer Ehe darstellen würde und das Publikum schon noch merken würde, warum. Das Stück hat durchaus schöne romantische Melodien, aber ebenso expressive Stellen, die sich auch in der angestrengten Spielweise ausdrücken. Unter der Berücksichtigung, dass es ein Hochzeitsgeschenk war, kann man darin durchaus Höhen und Tiefen eines Ehealltags hineininterpretieren.

Obwohl das Abegg-Trio nur zu 2/3 vorhanden war, ergab sich durch das bunte Programm ein sehr schöner Duoabend. Der Clavier-Salon war bis auf den letzten Platz gefüllt. Beeindruckend ist das sichere Zusammenspiel von Birgit Erichson und Gerrit Zitterbart, sie brauchen dafür noch nicht einmal Blickkontakt. Als Zugabe spielte das Duo nach lang anhaltendem Applaus mit Bravo-Rufen noch ein geklautes Stück. Eine Vocalise von Rachmaninov, die eigentlich für Gesang geschrieben ist, allerdings keinen Text hat, sondern – wie der Name schon sagt – nur auf einem Vokal gesungen wird. Somit lässt es sich auch problemlos auf das Cello übertragen.

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