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Verdi und Fauré mit der Jacobikantorei

Ein gut zweistündiges Programm servierte Stefan Kordes am Sonntag, den 9. Februar 2014, in der Jacobikirche. „Musik der italienischen und französischen Romantik“ lautete die Überschrift, wobei der italienische Part vor der Pause ausschließlich Giuseppe Verdi gewidmet war. Bereits in der Ouvertüre zu „La forza del destino“ zeigte sich das Göttinger Symphonie Orchester mit Wojtek Bolimowski am Konzertmeisterpult bestens aufgelegt. Insbesondere die Blechbläser hatten offensichtlich großes Vergnügen daran, einmal bei einem Kirchenkonzert keine Rücksicht auf den Chor nehmen zu müssen. Das war ein Ohrenschmaus, der die Vorfreude wachsen ließ.

Die „Quattro pezzi sacri“ von Verdi stehen nur selten auf dem Konzertprogramm. In Göttingen erklangen sie zuletzt 1984 unter Hermann Amlung. Der Grund liegt sicher auch an den sehr unterschiedlichen vier Stücken von jeweils ca. fünfzehn Minuten Dauer: das „Ave maria“ zu Beginn ist für a capella – Stimmen komponiert. Den Part übernahm ein Solistenquartett aus der Jacobikantorei und war mit Marie Lüders, Maxi Jansky, Tobias Wolff und Arne zur Nieden sehr klangschön besetzt. Sie meisterten diese höchst anspruchsvolle Aufgabe meist intonationssicher. Ganz anders klang das folgende „Stabat mater“. Im Vergleich zur Komposition von Antonín Dvořák (siehe hier) und Gioachino Rossini (am 23. März in St. Johannis) hat Verdi das „Stabat mater“ eher kurz vertont und keine solistischen Passagen vorgesehen. Der Chor und das groß besetzte Orchester haben fast durchweg zu tun. Trotz der durchaus differenzierten Wiedergabe wirkte das Werk etwas eintönig.

Das „Laudi alla vergine Maria“ ist dem Frauenchor a capella vorbehalten. Auch hier setzte Kordes auf eine solistische Besetzung aus dem Chor heraus. Es ist eine sehr schöne Tradition in der Kantorei, solche Aufgaben innerhalb des Chores zu vergeben. Carlotta Israel, Marie Lüders, Sabine Birkenfeld, Deike Böning und Edda Lüdeke standen leider ganz hinten, oben auf dem Chorpodest. Eine Platzierung weiter vorne (wie beim „Ave maria“) wäre akustische sicher von Vorteil gewesen. Vielleicht wären dann die Intonationsschwierigkeiten leichter zu verhindern gewesen.

Zum Abschluss erklang das „Te deum“. Dieses vorletzte Werk des Opernkomponisten zeigt eine große stilistische Bandbreite mit großen Dramatischen Effekten. Kordes wusste diese gut aus Chor und Orchester herauszuarbeiten. Hanna Marie Hansen zeigte in ihrer kurzen Solopartie den schönen Klang ihrer auch in den Höhen klaren Stimme.

Nach der Pause erklangen zwei Pavanen vom Maurice Ravel und Gabriel Fauré. Auch wenn diese ohne Fehl und Tadel wiedergeben worden sind, wäre ein Verzicht auf die beiden Werke (und damit auch ein Verzicht auf die Pause) dem Abend zuträglicher gewesen. Die Vielzahl der für den Abend ausgewählten Werke stahl sich gegenseitig die Aufmerksamkeit.

Das abschließende „Requiem“ von Gabriel Fauré bezog die Orgel mit ein. Kein leichtes Unterfangen, weil das Instrument am anderen Ende der Kirche steht. Antonius Adamske verstand es aber, stets akkurat pünktlich und wunderbar registriert auf das Geschehen im Altarraum einzugehen. Vielleicht hätte er lieber Faurés Erstfassung nur für Orgel und Chor gespielt. Aber das GSO erwies sich als guter Partner und verstand es, die tröstende, eher positiv gestimmte Komposition erklingen zu lassen. Der Chor blieb bis zum Schluss konzentriert, was sicher auch am zupackenden Dirigat von Stefan Kordes lag. Unklar blieb jedoch, warum der Chor so aufgestellt wurde: die Sopranstimmen in der Mitte „en block“, die restlichen Stimmen anscheinend frei auf dem Chorpodest verteilt. So waren auch die Tenorstimmen weit verstreut und konnten so keinen wirklich einheitlichen Klang erzeugen.

Im Requiem erklang der Bariton von Christian Neofotistos (ebenfalls aus der Kantorei): wie vom Komponisten ausdrücklich erwünscht, war er „eine Art Vorsänger mit einem ruhig strömenden Bassbariton, der Ruhe und Würde der Partie entsprechend“.
Insgesamt ein sehr eindrücklicher, wenn auch etwas zu langer Konzertabend mit der Jacobikantorei in der gut besuchten Kirche. Das Publikum war begeistert, was man dem anhaltenden Applaus anmerken konnte. Dieser galt insbesondere den Chorsolisten, deren Leistung es in der Tat hervorzuheben gilt.

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