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Rossinis Stabat mater in der Johanniskirche

Der Schmerz der Mutter um den Gekreuzigten steht im Mittelpunkt der Katholischen Sequenz „Stabat mater“. Ein Text, mit dem viele Protestanten eher fremdeln. Bernd Eberhardt hat ihn in der Passionszeit in die Göttinger Johanniskirche geholt und wählte die Vertonung von Gioacchino Rossini aus. Hier nun versieht der Opernkomponist mit südländischer Sinnlichkeit den so innigen Text mit Arien, Fugen und Belcanto, dass es bisweilen nicht nur für evangelische Ohren befremdlich wirkt.

Aber diese Musik! Ein Feuerwerk, an dem man sich nur freuen kann. Vor allem dann, wenn es so kongenial wiedergegeben wird, wie mit den Solisten Christine Wolff, Gabriele-Betty Klein, Clemens Löschmann, Jürgen Orelly, der Göttinger Stadtkantorei und dem Göttinger Symphonie Orchester.

Das GSO wirkte nach dem anspruchsvollen und probenintensiven Programm vom Freitag (siehe hier) überhaupt nicht müde sondern folgte dem inspirierenden, frischen Dirigat von Bernd Eberhardt konzentriert und begeisternd. Das war auch schon in der „Großen“ g-Moll-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Auch wenn solch eine Musik eher nicht in den Kirchenraum gehörte, passt Mozarts Musik gut zum Rossini. Den Abend eröffnet hat die Stadtkantorei mit dem 22. Psalm von Felix Mendelssohn Bartholdy „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Schon hier war deutlich zu hören, dass der Chor sehr gut auf das Programm vorbereitet war: Aufmerksam und intonationssicher folgten sie Bernd Eberhardt und konnten so auch kleinste Details vom Dirigenten übernehmen. Clemens Löschmann übernahm den Solopart in dieser a cappella-Vertonung. Man kann sich keinen besseren Tenor für diesen Part wünschen!

Im „Stabat mater“ nach der Pause waren dann Chor, Solisten und Orchester vereint. Rossini hat jedem seine besondere Rolle zugewiesen. Insbesondere begeisterte Christine Wolff in ihrer Arie „Inflammatus et accensus“. Aber auch der flexible Mezzosopran Gabriele Betty-Kleins, der strahlende Tenor von Clemens Löschmann und der warme Bass von Jürgen Orelly wussten zu begeistern.

Die Göttinger Stadtkantorei war an diesem Abend allerbestens aufgelegt. Vielleicht war sie noch nie so gut wie hier: akkurat in den Tempi und Absprachen (Staccato-Singen im Chor – parallel zum Staccato des Orchesters!), ein wunderbarer Klang (besonders schön: die Bässe!), und vor allem eine perfekte Intonation: nach längeren Passagen ohne Orchesterbegleitung landete der Chor exakt in dem richtigen Akkord – das hört man selten.

Entsprechend fiel der Jubel nach dem Konzert aus. Die „Bravi“ kamen vollkommen zurecht!

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