A A A

„Stars von morgen“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Wenn auf dem Programm des Göttinger Symphonie Orchesters gleich drei Solokonzerte stehen, ist wieder Zeit für die „Stars von morgen“. Es ist sehr schön, dass die bereits seit 17 Jahren existierende Kooperation des GSO mit der Musikhochschule in Hannover inzwischen auch in Göttingen sicht- und hörbar wird. Das Orchester ist jährlich musikalischer Partner für Examenskonzerte in Hannover. Die Wiederholung in Göttingen ist sozusagen die Kür – die Solisten können hier ganz entspannt auftreten.

Am Freitag waren gleich zwei japanische Pianistinnen zu hören, beide hatten sich ein Klavierkonzert von Frédéric Chopin für ihr Examen ausgesucht. Während Keina Sato sich für das Konzert Nr. 2 f-Moll op. 21 entschied, wählte Akiko Wakai das (später entstandene) Konzert Nr. 1 e-Moll op. 11. Dazwischen spielte die britische Cellistin Variationen von Auguste Joseph Franchomme.

Das f-Moll-Konzert ist trotz der späteren Opuszahl vor dem e-Moll-Konzert entstanden, nämlich im Jahr 1829. Ein Jugendwerk also, Chopin war erst 19 Jahre alt. Während die Solistin Keina Sato technisch brillieren konnte, wies der Komponist dem Orchester einen sehr zurückhaltenden, eher blassen Part zu. Das macht die Aufgabe für die Musiker des GSO nicht einfacher – sie müssen hoch konzentriert dabei bleiben. Und so konnten sie wunderbar die von Sato gewählten Klangfarben aufnehmen. Hier ist insbesondere Frau Komar am Horn hervorzuheben. Der Klavierpart ist brillant, Chopin hat bereits viel von seinem Können aufblitzen lassen. Sato bewältigte die Schwierigkeiten mühelos, ohne allerdings diesem Frühwerk ihren eigenen Stempel aufzusetzen: manche Passagen hätten noch gefühlvoller, manche Farben noch deutlicher herausgearbeitet werden können.

Der französische Cello-Lehrer Auguste Joseph Franchomme (1808-1884) war mit Chopin befreundet. Er habe ihm vor allem mit spieltechnischem Rat bei der Cellosonate geholfen, vielleicht aber auch bei anderen Werken, so erläuterte Generalmusikdirektor Christoph Mathias Mueller. Seine „Variationen über ein russisches und ein schottisches Thema“ hatten zwar weder mit Russland noch mit Schottland viel zu tun, waren aber für die allermeisten Besucher der gut gefüllten Stadthalle Neuland. Die Cellistin Vashti Hunter gestaltete ihren Part mit viel Persönlichkeit und auf höchstem technischem Niveau. Die kleine Streicherbesetzung des GSO war ein perfekter Partner der Solistin, die hoffentlich einmal mit ihrem Klaviertrio „Gaspard“ in Göttingen zu hören sein wird.

Den Abschluss des Abends machte Akiko Wakai mit dem e-Moll Klavierkonzert von Chopin. Auch wenn das Konzert (komponiert 1830) ebenfalls ein Jugendwerk ist, ist sowohl der Klavierpart deutlich reifer, als auch ist der Orchestersatz vielfältiger. Wakai arbeitete die Themen des Konzertes deutlich heraus – und spielte mit einer unglaublichen Leichtigkeit: auch die aberwitzigsten virtuosen Läufe auf dem Klavier klangen leicht, ja fast schwebend. Die Romanze des zweiten Satzes gelang ihr beseelt im Ausdruck und schönen Farbeffekten.

GMD Mueller konnte den ganzen Abend perfekt die Balance zwischen dem Orchester und den Soloinstrumenten halten. Das Orchester war hellwach und in den entscheidenden Momenten punktgenau präsent. So entstand ein zweistündiges Konzert auf hohem Niveau, für das sich das Publikum durch anhaltenden Beifall bedankte.

Interessiert Sie dieser Artikel und Sie möchten ihn weiterlesen?

Das ist natürlich problemlos möglich. Sie können einmalig einen Testzugang einrichten, einen Tageszugang bestellen oder ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.
Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok