Musikkabarett mit Gerrit Zitterbart im Clavier-Salon

Lauter Unsinn war angekündigt, lauter Unsinn wurde geliefert. Es gibt viele Möglichkeiten Unsinn und Klaviermusik in Verbindung zu bringen: in der Art des Spielens, in der Präsentation und der Auswahl der Stücke. Hier waren es die Komponisten, die den Unsinn machten. „Das ist lauter Unsinn, den du da schreibst“ soll schon Brahms zu Leschetizky gesagt haben. Und Gerrit Zitterbart – Göttinger Pianist, Professor für Klavier und Inhaber des Clavier-Salons – präsentierte ihn mit viel Humor und Natürlichkeit dem Publikum im ausverkauften Clavier-Salon.

Wie fängt man so einen Abend am besten an, wenn man vorgibt nichts vorbereitet zu haben? Man vertraut auf sein Publikum mit Kennern der Klaviermusik und lässt sich zurufen: „Ein Präludium“. Da ein gebräuchlicher Johann Sebastian Bach nicht so richtiger Unsinn ist, nimmt man sich den P.D.Q. Bach vor, eine Erfindung des amerikanischen Pianisten und Musikprofessors Peter Schickele. Charakteristisch für P.D.Q. (engl. „pretty darn quick“) sei seine Arbeit mit Plagiaten gewesen.

Als nächstes eine Premiere: Ein Stück von Theodor Leschetizky (1830-1915) soll auf seinem eigenen Flügel vorgetragen werden. Wie oft hört man das schon, 100 Jahre nach dem Todestag.  Der  130 Jahre alte Flügel aus Wien, schien sich an seine Stücke zu erinnern, so leicht gingen sie Zitterbart von der Hand.

Komponisten erlauben sich häufig den Unsinn, musikalisches Material ihrer Kollegen wiederzuverwenden. So scheinen sich viele Kompositionen sehr ähnlich zu sein. Der in Europa eher unbekannte amerikanische Komponist Zez Confrey (1895-1971) zum Beispiel komponierte ein Stück, das stark an Schumanns Kinderszenen erinnerte. Ob bei dem nächsten Stück nun Richard Fall (1882-1945) von J.S. Bach (1685-1750) kopiert habe oder umgekehrt, ließe sich wirklich schwer sagen, so Zitterbart. Und auch Brahms habe sich an Händels Material (1862) bedient.

Wenn man das Bisherige noch nicht als schwere Kost gesehen habe, dann doch aber das Folgende: ein Wiener auf dem Wiener Flügel von 1888 und auch noch in Verbindung mit dem zuvor gehörten Stück von Max Reger? Zuhören gab es, passend zum Thema Unsinn: Zwölftonmusik von Schönberg.

Von nicht intendiertem zu intendiertem Unsinn: Da lässt Zez Confrey ein paar Kätzchen über die Tastatur laufen, notiert es und nennt das Ganze dann „Kitten on the Keys“ (1921).

Gerrit Zitterbart brillierte am Klavier und als Moderator des Unsinns!

Was ihm jetzt noch fehle, sei derjenige, der ihm so nah am Herzen liege: Beethoven. Sein Material hätten wir heute schon gehört, jedoch zur Zugabe etwas Neues, gerade Entdecktes: eine neue Beethoven-Sonate. Aber Moment, das Stück kam einem doch irgendwie bekannt vor. War es nun die 5. Sinfonie adaptiert? Oder doch etwas ganz anderes?

Alles Unsinn, der hier vor sich geht. Außer der Tatsache, dass man mit Lauter Unsinn einen herrlichen Abend verbringen kann.

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