A A A

Bonsoir! - Konzert mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Unter dem Motto Treffpunkt Paris bot das Göttinger Symphonieorchester unter Leitung von Wolfram Christ eine bunte Mischung aus unbekannten Künstlern und ungewohnten Klängen.

Beim ersten Konzert des Zyklus Wiener Klassik präsentierte das Göttinger Symphonieorchester in der Aula am Wilhelmsplatz den Zuhörern (noch) unbekannte, aber dadurch umso spannendere Stücke der französischen Musik. Getreu dem Titel „Bonsoir!“ weisen die auf den ersten Blick so unterschiedlich anmutenden Stücke und Komponisten des Abends doch eine Gemeinsamkeit auf: Ihren Bezug zu Paris.

Paris sei in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Zentrum der europäischen Musik gewesen, so Musikhistorikerin Dr. Dorothea Schröder, die das Publikum fachkundig durch den Abend leitete und dabei Einblicke in die Musikgeschichte gab sowie kleine Anekdoten zu Werken und Komponisten einstreute. In dem von starken Umbrüchen gekennzeichneten Kulturleben kollidierten alte und neue Welt, elitäre und bürgerliche Kultur, Klassik und Romantik. Auf der Suche nach neuen musikalischen Formen und Themen sei Paris der kosmopolitische Treffpunkt gewesen.

Sigismund von Neukomm ist einer der fast vergessenen Künstler dieser Übergangszeit. Sein Hauptwerk Fantasie d-Moll op. 9 eröffnet den Konzertabend. Das wohlklingende, melodiöse Thema wird in verschiedenen Instrumentengruppen variiert und ausgebaut, besonders prägnant sind die rasanten Tempo- und Lautstärkewechsel.

Auffallend sicher gelenkt wird das Orchester dabei von Gastdirigent Wolfram Christ, der energisch, bestimmt und exakt jede einzelne Instrumentengruppe anleitet und jede noch so kleine Bewegung des Orchesters in seinem Dirigat aufnimmt. Er ermuntert, mahnt zur Zurückhaltung, gestikuliert mal ganz klein und mal ganz groß. Vor allem aber mit seinen eindringlichen Blicken weiß er das Orchester gekonnt zu steuern.

Es folgt Joseph Boulogne Chevalier de Saint Georges Violinkonzert A-Dur op. 5 Nr. 2. Das Werk erinnert an Mozart, verblüfft dabei aber durch eine doch sehr eigene, auffällig ungewohnte und nicht unbedingt gefällige Melodizität und Rhythmik.
Und so ist auch das Solo der französischen Violinistin Solenne Païdassi nicht einfach: Die unglaublich schnellen, virtuosen Läufe und zarten Höhen meistert sie brillant, teilweise klingt ihr Spiel aber auch sehr herb, mehr schlagend als streichend, fast schon disharmonisch und gegenläufig zur Begleitung. Leichte, tänzelnd-beschwingte Themen verbinden sich zu einem kraftvollen Unisono, in dem sich die ungewohnten Harmonien wieder auflösen.

Nach der Pause erklingt zunächst Luigi Cherubinis Ouvertüre zur Oper Les deux journées (dt.: Die Wasserträger), das in Exaktheit, wohl aufgrund seiner Komplexität, etwas hinter den anderen Stücken des Abends zurück blieb. Anschließend folgt Étienne-Nicolas Méhuls Symphonie Nr. 2 D-Dur, ein ausgefeiltes, stark bewegtes und fast ruheloses Stück. Große Bedeutung kam hier den Bläsern zu, die ihren Aufgabe gekonnt umsetzten.

,,Lassen Sie sich überraschen!“, schlug Schröder in ihrer Begrüßung vor und gab so eine passende Anregung, wie der Abend zu verstehen sei. Als eine spannende Einführung in musikalische Sphären, die dem Zuhörer bisher eher unbekannt waren, aber die jetzt vielleicht sein Interesse geweckt haben. Als Anreiz, über den eigenen musikalischen Horizont heraus zu blicken. Bis nach Paris oder sogar noch ein Stück weiter.

Interessiert Sie dieser Artikel und Sie möchten ihn weiterlesen?

Das ist natürlich problemlos möglich. Sie können einmalig einen Testzugang einrichten, einen Tageszugang bestellen oder ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.