Der Petrichor Weende sang in der Universitätskirche St. Nikolai zum Chorjubiläum

Zum Jubiläum (30 Jahre Petrichor Weende) gab es festliche Musik. Auch wenn es Kirchenmusiker Antonius Adamske anders meinte: die 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach sollte in der Passionszeit den Einzug Jesu in Jerusalem andeuten. Egal wie man es interpretiert – diese Musik mit ihren drei Trompeten und dem festlichen D-Dur hat etwas Erhabenes. Und so musizierten es Adamske und das Göttinger Barockorchester auch. Die berühmte „Air“ gestaltete Konzertmeister Henning Vater sehr innig, beinahe ein wenig zu sehr zurückhaltend. Aber immer mit wunderschönem Ton.

Das Orchester war nur mit vier Geigen (zwei erste und zwei zweite Geigen) besetzt. Da konnten sich diese Instrumente bei den Tutti- und den festlichen Trompetenklängen nicht recht durchsetzen. Schade, denn bei den flotten Tempi hätte man gerne etwas mehr von den virtuosen Geigenläufen gehört. Dem feierlichen Charakter der Musik tat das aber kaum einen Abbruch.

In der Motette „Jesu meine Freude“ hatte das Orchester eher eine stützende Funktion. Bach selber hat dieses Continuo durchaus vorgesehen. Und so gaben die Instrumentalisten den Chorsängern des Petrichores die Sicherheit in der Intonation. Denn diese ist eine der größten Klippen in den Bach’schen Motetten, insbesondere in dieser. Der Chor war sehr gut vorbereitet und wirkte dementsprechend sehr präsent. Es ist beachtlich, was der junge Dirigent aus seinem Ensemble herausholt. Der Chor ist definitiv auf einem guten Weg – wenn auch durchaus noch etwas zu tun ist, so zum Beispiel in der Artikulation oder in der dynamischen Differenziertheit.

Antonius Adamske zeichnet sich aber dadurch aus, dass er seinen Ensembles gerne viel zumutet. Und die Choristen haben diese Herausforderung angenommen. Sie lieferten eine gelungene Version der Bach-Motette ab. Die kammermusikalischen Passagen wie das Trio „Denn das Gesetz“ vertraute Adamske den Solisten des Abends an, was dem Stück durchaus guttat. So vermied Adamske, dass der Chor sich an der Motette überhebt.

Die Nelson-Messe von Joseph Haydn passte vom Schwierigkeitsgrad ein wenig besser zum gegenwärtigen Leistungsvermögen des Petrichores. Lebendig gab der Chor das Werk wieder, auch wenn die Spitzentöne nicht immer getroffen wurden. Die Sängerinnen und Sänger ließen sich ganz offensichtlich vom Elan des Dirigenten mitreißen. Diese Begeisterung, gepaart mit einem schönen Chorklang, ließ den Funken auf die Geburtstagsgäste in der gut gefüllten Nikolaikirche überspringen.
In der Messe konnten die Gesangssolisten endlich ins Geschehen eingreifen. Dabei hatte die Sopranistin Patricia Grasse zahlreiche hohe Koloraturen zu meistern – was ihr spielend gelang. Daneben konnte die warme Altstimme von Marlene Gaßner, die schlanke Stimme von Georg Drake (Tenor) und der kräftige Bass von Mathias Tönges überzeugen.

Das Publikum war anschließend begeistert und spendete Chor, Orchester, Solisten und dem Dirigenten anhaltenden Applaus. So, als wollten sie auch sagen: weiter so Petrichor. Auf die nächsten 30 Jahre!

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