Händel-Festspiele: "Messiah for 4" in der Göttinger musa

Der Messias gehört natürlich zu den Händel-Festspielen dazu. Und was gab es nicht alles schon für legendäre Aufführungen: zum Beispiel als Göttinger Kooperationsprojekt zum 250. Todestag Händels im Jahr 2009 oder der Hallelujah-Flashmob auf dem Marktplatz im Jahr 2012. Damals waren es über 500 Sängerinnen und Sänger. Am Mittwoch bei den Festspielen 2015 waren es in der Musa nur vier. Das „Ensemble Odd Size“ aus Göteborg präsentierte „Messiah for 4“.

Sie begannen wie die „Swingle-Singers“ (wer kennt sie noch?) und sangen die Sinfonia zur Einleitung. Schnell zeigte sich, dass das Ensemble noch mehr drauf hatte: sie spielten und sangen gleichzeitig (großartig sich selbst begleitend Per T Buhre mit der Geige), sie gaben der Musik Händels neuen Swing, deklamierten den Text, während das Cello (Ingrid Andersson) die Melodie vortrug – es ergab sich ein kurzweiliger Abend, der auch eingefleischten Kennern des Werkes großes Vergnügen bereitete. Das lag vor allem auch daran, dass die vier Musikerinnen und Musiker ausgebildete Barockmusiker sind. Sie wissen sehr genau, was sie tun. Und sie können es! Zudem war alles, was erklang, Händel – nur war die Wiedergabe ungewöhnlich.

Und stets war ein Augenzwinkern dabei: „Behold, a virgin shall conceive, and bear a Son, and shall call His name EMMANUEL, God with us.“ Da wurde die Musik unterbrochen. EMMANUEL – wer ist das? „Sollen wir nicht besser JESUS singen?“ Das Publikum durfte abstimmen, die Nummer wurde mit dem neuen Text wiederholt.

Es war vielleicht nicht alles so sauber wie bei einem Barockorchester oder einem Profichor. Das machte aber nichts. Es machte auch nichts, wenn die Geige kurzerhand während einer Arie nachgestimmt wurde. Das ergab interessante Zwischentöne. Und bisweilen waren die Unsauberkeiten auch bewusst gesetzt: Elisabeth Holmertz (Gesang) interpretierte einige Arien durchaus neu.

Das Quartett aus Schweden versprühte ein Spaß, der das Publikum unmittelbar erreichte. Tatsächlich ist es möglich, ein gesamtes Konzert lang zu schmunzeln.

Das Hallelujah durfte natürlich nicht fehlen und bildete nach knapp einer Stunde den Schluss. Nicht enden wollender Applaus im ausverkauften großen Saal der Musa war der Dank des Publikums.

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