Die Aphrodite im Parthenon Saal des Archäologischen Institutes muss leider ihre imposante Haltung als Statue wahren. Sonst würde sie sich vermutlich mit einem Lächeln zu den beiden Musikern herabbeugen, die in ihrem Programm auch der antiken Liebesgöttin huldigen. Mit den musikalischen Seufzern von John Dowland, den innigen Liebeshymnen Claudio Monteverdis und Franz Schuberts dramatischen Glücksvisionen.

„An die Laute“ ist der Konzertnachmittag in der Reihe „Saitenwechsel“ überschrieben. In der Galerie von Gipsabdrücken antiker Skulpturen fand Lautenist Andreas Düker eine zauberhafte Klangkulisse für seine historischen Zupfinstrumente und die musikalischen Epochen, denen sich seine Konzertreihe widmet. Mit befreundeten Musikern durchstreifte Düker zunächst das barocke Zeitalter und die Renaissance, um nun mit Tenor Florian Brauer auch in den Sehnsuchtsliedern der Romantik zu schwelgen.

Mit dem Hinweis „eine Laute, ein Tenor und wunderschöne Musik“ haben die beiden Musiker ihr Programm versehen. Wunderschön ist dann auch die Wirkung, weil sich hier zwei sensible Klangmaler ans Werk machen und zunächst Dowlands Lieder wie mit dem Zeichenstift in fein nuancierte musikalische Tableaus verwandeln. Florian Brauer wird zum elisabethanischen Troubadour, der das ganze Liebessehnen und Seufzen auch mit der sanften Ironie eines Shakespeare Narren versieht. Wenn um Damenherzen gerungen wird, scheint die Laute fast ein bisschen kichern, um dann mit dem melancholischen Grübler und Skeptiker Dowland in den Momenten  der Kontemplation zu verweilen.

Bei dem Lautensoli von Petro Paolo Melli und Alessandro Piccini kommt es zu wunderschön beschwingenden Saitenwechseln, die auf die schwärmerischen Liebeshymnen fern der britischen Inseln einstimmen. In den Liedern von Giulio Caccini und Claudio Monteverdi lässt Florian rauer auch das leidenschaftliche Pathos von Opernhelden anklingen, die sich ihren Gefühlsstürmen hingeben, abstürzen und weiter träumen, beflügelt von den harmonierenden Akzenten der Laute. In Monteverdis „Si dolce è’l tormento“ erinnert ihr Klang an eine Orgelstimmung, wie sie die Melodielinien so sanft wärmend grundiert. Hier scheint Brauers  wunderbar klar durchlässig konturierte Tenorstimme mit den fernen Echos von Chorstimmen zu verschmelzen. Für Momente verwandeln die Musiker den Parthenon Saal in einen musikalischen Andachtsraum.

Auch Andreas Dükers romantische Gitarre mit dem kleinen Corpus hat’s in sich, wenn der den romantischen Liederreigen Johann Kaspar Mertz Ständchen „An Malvina“ eröffnet. Als ob das Zupfinstrument die Nähe zu einem Tastinstrument sucht, wie es Schubert für seinen Liederzyklus „Schwanengesang“ gedacht hatte.

Manche Zuhörer waren sicherlich auf den musikalischen Bogen bei diesem Konzert gespannt sei, ob sich Dowlands melancholische Stimmungsbilder und Schuberts existenzielle Tableaus beim Thema Liebe so einfach unter einen Hut zaubern lassen. Sein Ständchen mit der Zeile „leise flehen meine Lieder“ lässt sie zu Brüdern im Geiste werden. Nur dass Schubert bei den großen Gefühlen vielleicht noch leidenschaftlicher auf’s Ganze ging. So wie auch Florian Brauer, der mit dem Lied „Aufenthalt“ die Erschütterungen einer Seelenlandschaft spürbar werden lässt. Auch dafür hätte die antike Liebesgöttin den beiden Musikern ein Zeichen ihrer besonderen Gunst gewährt, wenn sie im Parthenon Saal des archäologischen Institutes nicht so viel Haltung demonstrieren müsste. Anders als das Publikum, das sich für diesen Saitenwechsel mit wunderschöner Musik und zwei wunderbaren Musikern auch mit viel Beifall begeistern durfte.

Interessiert Sie dieser Artikel und Sie möchten ihn weiterlesen?

Das ist natürlich problemlos möglich. Sie können einmalig einen Testzugang einrichten, einen Tageszugang bestellen oder ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.
Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok