A A A

Thilo Seibels Programm „Ein Mann – ein Jahr – ein Blick zurück“

Am Donnerstagabend präsentierte Thilo Seibel sein aktuelles Programm: „Ein Mann – ein Jahr – ein Blick zurück“ im Göttinger Apex. In seinem virtuosen, nicht nur leicht zynischen Jahresrückblick nahm er dabei Bezug auf die größten politischen Skandale des letzten Jahres. All das geschah vor einem eher unpolitischen Publikum, das in der abschließenden Sammlung eigener Aussagen über Highlights des Jahres 2015 die Geburt des vierten Enkelkindes und ein 45 jähriges Ehejubiläum anmerkte.

Seibel ließ keinen Zweifel: 2015 war ein schlimmes, deprimierendes Jahr, geprägt von egomanischen Kapitalinteressen und unfähigen Politikern, die sich für keine noch so offensichtliche menschenverachtende Entgleisung zu schade waren. Einen Schwerpunkt seiner messerscharfen Analyse bildeten dabei die Flüchtlingskrise und die Paris-Attentate. Passenderweise habe Aldi-Süd zum Ende des Jahres konsequenterweise ein „Raketenset Paris“ für 9,95 € verkauft.

25 europäische Länder haben sich verhalten, wie „überzuckerte Dreijährige, die einen Kindergeburtstag in Selbstverwaltung organisieren sollten.“, so Seibel. Dass dabei „Schwerkriminelle“ wie Jean Claude Juncker sich durch ihre Politik selbst rehabilitieren wollten, mache Hoffnung, denn letztlich würden in diese EU – zumindest von ihrem Demokratieverständnis – konsequenterweise auch Tyrannen, wie Vladimir Putin passen.

Seibels Themendichte ist erschütternd: TTIP, Griechenland, Charlie Hebdo, der sich entwickelnde Faschismus in Ungarn, aber auch bundesdeutsche Exzesse, wie Verfassungsschutz- und BND-Skandale und die NSU-Affäre fanden neben kleineren Exkursen zu DFB- und Abgasskandal Beachtung.

Das alles hatte etwas schwer Bedrückendes und einen berechtigterweise fatalistischen Beigeschmack. In der zweiten Hälfte schließlich musste Seibel improvisieren: Von den etwa 50 Teilnehmern hatten nur sechs einen der kleinen Zettel ausgefüllt, auf denen eigene Themenwünsche für den Jahresrückblick bearbeitet werden sollten: „12,5% der Anwesenden“, wie er bissig resümmierte.

Neben einer Frage nach der Mutterrente der einzig politische Beitrag: „Weniger reden, mehr handeln.“. Ob der- oder diejenige sich darüber im Klaren darüber war, dass dies vielleicht im Kontext einer Kabarettveranstaltung ein merkwürdiger Wunsch ist, sei dahingestellt. Seibels aus dem Zauberhut gezogener Zettel einer Kölner Veranstaltung sprach seiner Meinung nach Bände über den Temperamentsvergleich zwischen Niedersachsen und Rheinländern. Dort hieß es: „Der 1.FC Köln ist aufgestiegen. Naja, das war 2014 – aber ich freue mich immer noch darüber.“

Interessiert Sie dieser Artikel und Sie möchten ihn weiterlesen?

Das ist natürlich problemlos möglich. Sie können einmalig einen Testzugang einrichten, einen Tageszugang bestellen oder ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.