Frankie Boy - Ein Abend über Frank Sinatra mit Musik von Cole Porter

Ein gleißender Lichtspot erhellt Frank Sinatra (Moritz Schulze), der mit der selbstsicheren Dandy-Eitelkeit, die eben nur Frank Sinatra haben kann „You'd be so nice to come home to“ singt. Ihm zu Füßen liegen eine Reihe quietschender Teenager-Babes, die ihre Verzückung so gar nicht verbergen wollen. Schade, dass Frankie Boy nicht „The Talk of the Town“ singen durfte, denn es ist unzweifelhaft: Dieser Abend war einfach großartig.

Die Handlung der Revue ist schnell erzählt: Der junge Frank Sinatra singt sich mit Unterstützung des Mafiosi Willie Moretti und seiner Gang (herrlich: Paul Wenning, Karl Miller und Frederik Schmid) aus einem Knebelvertrag mit Tommy Dorsey (Benjamin Krüger). Dabei wird er schnell unfassbar erfolgreich, heiratet skandalöserweise Ava Gardner (Katharina Uhland), für die er sich von seiner Nancy trennt, fischt im kriminellen Sumpf Havannas und lässt sich schließlich nach einigen brutalen Auseinandersetzungen wieder scheiden.

Zwei große Shure-Mikrofone, dahinter die „Simply Swing Society“-Big Band in feinen Dinneruniformen; ein paar Café-Tische mit weißen Decken. Tim Zumbachs Bühne ließ aus Göttingens Theater einen verrauchten Nachtclub der 1940er Jahre werden, dessen Atmosphäre vor allem auch durch die schillernden Kostüme Bettina Latschas verstärkt wird.

In diesem Club, der zeitweise auch mal zum Wohnzimmer oder zu einem Studio in Los Angeles wurde, erklangen in Form eines szenischen Konzerts (Regie: Erich Sidler) insgesamt 17 Cole Porter Klassiker nebst fulminanter „New York – New York“-Zugabe. Dass Moritz Schulze dabei mehr als die Hälfte dieser Nummern allein singt, ist absolut beeindruckend. Ebenso fesselnd: Katharina Uhland als Ava Gardner, die mit „Can't help loving that man of mine“ den gefühlvollsten Beitrag der Revue sang, und später sogar noch mit der lasziv zirpenden Marlene Dietrich (Andrea Strube) zarte Küsse austauschen durfte.

Dass letztlich nicht die einschlägigen Frank Sinatra Klassiker gesungen wurden, sondern sich Michael Freis Arrangements bis auf drei Stücke auf Cole Porter-Nummern beschränkten, gab der Revue den angenehmen Hauch eines großen Broadway Musicals. Erich Sidler trifft mit „Frankie Boy“, das er zusammen mit seiner Dramaturgin Sara Örtel geschrieben und eingerichtet hat, vollstens ins Schwarze. Man weiß gar nicht, wo man mit dem Loben anfangen soll: Frische, Eleganz, Mut, Sex, Jazz und schön viel Zigarettenrauch: „Frankie Boy“ hat all das, was nicht nur großes Theater, sondern was vor allem auch Göttingen braucht.

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