Don Karlos von Schiller – ein Monolith im Repertoire der Theater. Generationen von Schülern durften dieses „dramatische Gedicht“ interpretieren – was ist dazu nicht schon alles gesagt und geschrieben worden.

Auch Maik Priebe versucht sich mit seiner Inszenierung am Deutschen Theater mit einer Interpretation. Er führt die beiden Protagonisten Philipp II., König von Spanien, und den Kronprinzen Don Karlos mit einer gewissen Unaufgeregtheit durch den etwa dreistündigen Abend. Und das tut gut, denn so können Paul Wenning (Philipp) und Moritz Schulze (Don Karlos) sich ganz den Charakteren widmen. Der einsam und misstrauisch gewordene Alleinherrscher, gefangen in den politischen und höfischen Zwängen auf der einen Seite – der Freiheitskämpfer Don Karlos, gefangen in seinen Gefühlen und den Intrigen am Hof auf der anderen. Wenning und Schulze nimmt man diese Charakterstudien absolut ab.

Um die beiden herum ziehen die Akteure mehr und mehr an diversen Strippen – und es ist beinahe egal, ob man als Zuschauer alle Verwickelungen versteht und nachvollziehen kann. Das ist in diversen Fernsehserien genauso – als bestes Beispiel führte Intendant Erich Sidler spät abends „House of Cards“ an.
Wichtiger ist es hingegen, dass durch das Strippenziehen immer wieder neue Situationen entstehen. Oder dieselbe Situation in einem anderen Licht erscheint.

Und genau das ist Susanne Maier-Staufen mit ihrem Bühnenbild und der Lichtregie vortrefflich gelungen: große Wandelemente bilden den Rahmen um die Spielfläche. Ein Element dient mal als Wand, mal als Tür. Mal öffnet sich die komplette Seite oder die Rückwand. So ergeben sich immer wieder neue Räume, die durch die Öffnungen in einem neuen Licht erscheinen.

Vor der Pause werden die Figuren eingeführt und vorgestellt: da ist die Königin Elisabeth (Marie Seiser) und diverses Hofpersonal samt Beichtvater (Nikolaus Kühn). Dieses Personal wird wenig geführt – die Personen treten auf und wieder ab. Im Mittelpunkt steht der dichte Text von Friedrich Schiller, der im wahrsten Sinne des Wortes von allen Seiten beleuchtet wird. Und kurz bevor man das Gefühl hat, jetzt reicht es, ist Pause.

Anschließend geht es richtig los: plötzlich agieren die Personen, es werden Gefühle gezeigt, es wird gestritten – und getötet. Gerade Marie Seiser als Elisabeth überzeugt mit ihrer Darstellung. Trotz ihrer Jugendlichkeit versteht sie es, ihre Rolle als Gattin, ehemalige Verlobte und Mutter zu gestalten.
Das Gleiche gilt Gabriel von Berlepsch als Marquis von Posa. Als Freund des Kronprinzen überzeugt er genauso wie als Intrigant.

Gemeinsam mit den weiteren Darstellern (Bernd Kaftan, Katharina Uhland, Rederike Schinzler, Andrea Strube, Marco Matthes und Florian Eppinger) ergibt sich eine grandiose Leistung des ganzen Ensembles. „Wir können auch große Bühnenbilder“, scherzt Sidler am Ende des Abends. Dieses große Bühnenbild sorgt mit für eine große und kurzweilige Inszenierung.

Premiere am 19.11.2016, weitere Vorstellungen am 1.12., 9.12., 27.12.2016, 16.1.2017, 28.1., 17.2., 1.3., 24.3., 11.4., 23.4. und 10.5.2017

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