Bertold Brecht und die Frauen – dieses Thema gehört zum Lebenslauf dieses großen Dramatikers immer dazu, hatte er doch vier Kinder von drei Frauen und daneben ein Liebesverhältnis zu fast allen seinen Mitarbeiterinnen.

Dieses Thema taucht auch in vielen seiner Gedichte auf, mal etwas subtil, mal ziemlich deftig. Die erotische Lyrik Brechts steht im Mittelpunkt des Abends mit Maja Müller-Bula (Gesang) und Andreas Düker (Gitarre), das im 60. Todesjahr des Dichters beide Künstler zurzeit im Göttinger Apex präsentieren.

Zunächst stellen die beiden den Schriftsteller vor. Die Lebensdaten werden beim Publikum im ausverkauften Apex abgefragt – und sind natürlich bekannt. Dann werden die Frauen vorgestellt, jeweils mit einem musikalischen Leitmotiv. Und schon jetzt merkt man, wie ausgesprochen vielseitig die Schauspielerin Maja Müller-Bula ist. Mit nur wenigen Accessoires und mit ihrem Mimenspiel gibt sie jeder dieser Frauen einen eigenen Charakter.

Nun erklingen die Gedichte und Lieder. Einige Melodien sind bekannt, andere sind neu oder neu arrangiert. Die Texte sind bisweilen frivol bis deftig, aber auch verliebt, melancholisch oder auch humorvoll. Müller-Bula und Düker verstehen es, immer neue Situationen zu entwickeln und das Publikum mitzunehmen.

Für Viele zeigt sich an diesem Abend ein neues Bild von Bertold Brecht. Geschickt wählten Müller-Bula und Düker bekannte Melodien wie zum Beispiel aus der Dreigroschenoper. Besonders ans Herz ging der Song „Surabaya Johnny“, den sich das Publikum auch gleich als Zugabe gewünscht hatte.

„Über die Verführung von Engeln“ ist nicht nur der Titel des Programms, sondern auch eines der Gedichte von Brecht, in denen es zum Teil deftig zu geht. „Engel verführt man gar nicht oder schnell“, heißt es dort. Und endet mit mahnend mit „Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht!“

Der Abend ist wunderbar gelungen – ein Programm, dem man noch viele Besucherinnen und Besucher wünscht. Die nächste Gelegenheit ergibt sich am 30. Dezember im Apex. Es ist hoffentlich nicht die letzte.