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Die „Nachtbar“ im Deutschen Theater - eine Szenische Lesung mit Texten von Viola Köster

Schläft ein Clown… - So lautete der Titel der DT-Nachtbar am letzten Freitag im Monat Februar. Die winzige Bühne im „Bellevue“ des Deutschen Theaters ist liebevoll ausgestattet. Und aus dem Bühnenbett krabbelt nicht ein Clown. Dafür Bardo Boehlefeld und Frederik Schmid, dazu gesellt sich Katharina Uhland. Gemeinsam bilden Sie das Ensemble dieser Nachtbar. „Das Ensemble ist tot, es lebe das Ensemble“ lautet das Motto im Prolog.

Es folgen neun Szenen, alle aus der Feder von der Dramaturgin Viola Köster. Neun Szenen, die zum Teil eine hohe textliche Qualität haben. Und neun Szenen, in denen sich die drei Schauspieler wunderbar verwandeln und sichtlich Freude am Spiel haben. Neun Szenen, die vor allem eines gemeinsam haben: den bittersüßen Grundton.

Ob nun die schauspielenden Schauspieler, die immer weiter spielen müssen. Oder der Inhaber des syrischen Reisebüros, der keine Reisen nach Syrien verkaufen kann: er muss seinen Laden räumen, damit dort eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wird. Oder die drei Betrachter von Tretbooten, die sich grundlegende Gedanken zum Fortschritt machen, bevor die Szene im Massaker endet. Oder der Gemüsehändler, der am Weltfrieden scheitert und am Ende keine Handgranaten mehr anbieten kann.
Allen Szenen ist gemeinsam, dass sie zunächst vordergründig komisch sind. Viola Köster versteht es in ihren Texten, den Bruch nicht ins Absurde zu vollziehen, sondern ins Hintergründige, Abgrundtiefe. Text und Schauspieler nehmen das Publikum mit.
Eine großartige Szene ist die zwischen den beiden Freunden, die sich in der Nacht unverhofft nahe gekommen sind. „Du hast auf mir draufgeschlafen!“ – „Würdest Du zu mir passen, hättest Du's gleich gemerkt.“ Als Zuschauer ist man hin- und hergerissen zwischen Lachen und Mit-leiden.

Die Quintessenz des Abends taucht unvermutet auf:

Es gibt keinen Halt
Es gibt keine Gewissheit
Es gibt nichts das bleibt
Es gibt Vergänglichkeit Punkt

Und nur deshalb können wir den Abend trotz der Untiefen genießen, trotz Zimtwuppis und schwäbischen Zimt-Zipferl. Oder auch wegen. Am Ende bleibt nur die Erkenntnis für dieses wunderbare Format „Nachtbar“, in dem sich Theater und Publikum so nahe kommen:

Es gibt eine Gewissheit Doppelpunkt
Da ist ein Zusammenhalt zwischen Dir und mir

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