Händel-Festspiele

Mit dem Oratorium „Judas Maccabaeus“ von Georg Friedrich Händel sind die Internationalen Händel-Festspiele 2018 gestartet. In der ausverkauften Göttinger Stadthalle gab es eine vielumjubelte Aufführung dieses eindrucksvollen Werkes.

„Konflikte“ lautet das Motto der diesjährigen Festspiele. Da passt das Sujet um den Kampf der Juden gegen die Herrschaft der Seleukiden aus dem Jahr 168 v. Chr. Der große Erfolg schon zur Uraufführung im Jahr 1747 ist auch durch die politische Aktualität der Zeit begründet: die historische Handlung war ein Symbol für den Konflikt zwischen den schottischen Jakobiten und den königstreuen Regierungstruppen im April 1746.

In der Musik werden diese Konflikte sehr deutlich: zunächst erklingen keine Pauken und keine Trompeten. Getragene Melodien in Moll bestimmen die Ouvertüre, die bald in eine aggressive Fuge mündet, hieran schließt sich der erste Klagegesang der Israeliten an. Trauer und Niedergeschlagenheit überwiegen. Erst allmählich keimt Hoffnung auf und mündet schließlich in Zuversicht und Jubel: Judas Maccabaeus hat durch sein Verhandlungsgeschick die Sicherheit der Israeliten gewahrt.

Auf der Bühne der Stadthalle war dieser Wandel wunderbar herausgearbeitet. Laurence Cummings hatte das Festspiel-Orchester bestens vorbereitet. Die dramatischen Steigerungen gingen geradezu unter die Haut. Mit unglaublicher Spielfreude bereiteten die Musiker um die Konzertmeisterin Elizabeth Blumenstock die Grundlage für den Erfolg der Solisten und des Chores. Nach den schon in der Vergangenheit herausragenden Leistungen dieses Orchesters mag man kann es kaum glauben: so gut wie jetzt war das Orchester noch nie!

Der NDR-Chor passte sich diesem Niveau nahtlos an. Vorbereitet von David Cavelius überzeugten die Sängerinnen und Sänger in jeder Situation. Zarte Pianoklänge und dramatische Ausbrüche begeisterten genauso wie der überaus homogene Chorklang. Besonders faszinierend war jedoch, wie der Chor den von Laurence Cummings vorgegebenen großen Entwicklungslinien der Musik bedingungslos folgte.

Wie hoch der Qualitätsstandard im NDR-Chor ist, bewies das Ensemblemitglied Ina Jaks: die Mezzospranistin übernahm die Rolle des Boten – und tat das mit großer Leidenschaft. Damit stand sie den anderen Solisten in keiner Weise nach: Deanna Breiwick sang mit ihrem weich timbrierten, federleichten Sopran die Rolle der Israelitin. Sophie Harmsen begeisterte bereits beim Auftaktkonzert in Friedland mit ihrer Vielseitigkeit sowohl in tiefen Lagen als auch in den Höhen; ausdrucksstark gestaltete sie ihre Rolle als Israelit. Kenneth Tarver als Judas Maccabaeus zeigte große Souveränität und Leichtigkeit in den Koloraturen. Gerade da begeisterte auch João Fernandes: kraftvoll auch in den tiefen Lagen überzeugte der portugiesische Bass. Im zweiten Teil ergänzte der Countertenor Owen Willets als Priester das Solistenensemble.

Georg Friedrich Händel hat bei den über 50 Aufführungen des Judas Maccabaeus nach und nach zahlreiche Sätze übernommen, die bereits in anderen Stücken Anklang gefunden haben. Bei dem Eröffnungskonzert der Festspiele 2018 erklang aber die ursprüngliche Fassung von 1747. Die berühmteste Ergänzung Händels stammt aus dem Oratorium „Joshua“ (das erst später entstand). Der Chor „See, the conqu’ring hero comes“ wurde später als „Tochter Zion” bekannt und erklang in der Stadthalle als Zugabe.

Das Göttinger Publikum ist keineswegs berühmt für seinen Enthusiasmus. An diesem Abend aber war es vollkommen aus dem Häuschen. Schon bald nach dem Schlussakkord erhob sich das Publikum und spendete den Musikerinnen und Musikern stehend langanhaltenden Applaus und zahlreiche Bravi.

Bravissimo für die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen – so kann es gerne weitergehen!

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