Händel-Festspiele

Unter der Überschrift „Frieden!“ präsentierte der NDR-Chor zum Ende der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2018 sein Programm. Damit wurde das Motto der Festspiele „Konflikte“ aufgegriffen und weitergedacht. Das spiegelte sich auch in der Auswahl der Stücke wider.

Auf dem Programm standen Werke von Georg Friedrich Händel, die aus Anlass eines Friedensschlusses komponiert worden waren: zunächst das Concerto Nr. 5 d-Moll (HWV 316), dann „Eternal Source of Light Divine“, das „Utrecht Jubilate“ und das Anthem „How Beautiful Are the Feet of Them“. Letzteres trägt den Untertitel „Anthem Composed on the Occasion of the Peace”.

Die Leitung des Abends in der gut besuchten Göttinger Stadthalle hatte der NDR-Chorleiter Philipp Ahmann. Auf externe Solisten wurde verzichtet, hat doch der NDR Chor zahlreiche Mitglieder, die auch solistisch auftreten können. So haben Choristen die Solopartien übernommen: Akiko Ito (Sopran), Christa Diwiak (Alt), Gesine Grube (Alt), Ina Jaks (Alt), Keunhyung Lee (Tenor), Fabian Kuhnen (Bass) und Dávid Csizmár (Bass).

Als Orchester wurden „Mitglieder des FestspielOrchesters Göttingen und ausgewählte Gastkünstler“ angekündigt. Und so wirkten diejenigen Mitwirkenden des Galakonzertes vom Vorabend mit, die in der parallel zu diesem Konzert aufgeführten Oper „Arminio“ nicht eingesetzt waren.

Alle Instrumentalisten haben ein solides Konzert abgeliefert, aber vor allem bei den Streichern war das Label „Festspielorchester Göttingen“ nicht angemessen. Ein seit Jahren aufeinander eingespieltes Ensemble, das in der Welt seinesgleichen sucht, ist eben doch etwas anderes als ein Barockensemble, das ad hoc zusammengestellt ist. Da half auch das engagierte Spiel der Konzertmeisterin Catherine Aglibut nicht.

NDR-Chorleiter Philipp Ahmann hat große Verdienste um den NDR-Chor erworben, dessen Chordirekter er noch bis zum Ende dieser Saison ist. An diesem Abend ist es ihm jedoch nicht gelungen, die Musik aus der Barockzeit zum Leben zu erwecken, das war bereits in den ersten Takten des Concertos zu spüren. Möglicherweise war die Probenzeit mit den Musikern einfach nur zu kurz. Vielleicht unterlag Ahmann aber auch einer Fehleinschätzung: Tags zuvor verriet er beim Gespräch „Im Bett mit…“, dass man Orchestermusiker beim Dirigieren weniger animieren müsse als Chorsänger. So blieb das Orchester sicher unter seinen Möglichkeiten – vor allem aber deutlich unter dem Niveau dessen, was sonst bei den Festspieltagen angeboten wird.

Das gilt auch für die Gesangssolisten des Abends. Die oben aufgeführten Sängerinnen und Sänger sind alle ausgebildete Profis, insbesondere Akito Ito, Ina Jaks und Dávid Csizmár gebührt besonderes Lob. Sie sangen ihre Partien tadellos, sicher und mit großem Engagement. Aber es ist eben nicht dieselbe Liga wie in den anderen Konzerten der Händel-Festspiele.

Der NDR-Chor hat seine Qualitäten bei den Händel-Festspielen schon mehrfach unter Beweis gestellt, zuletzt beim großartigen Eröffnungskonzert. An diesem Abend jedoch wollte schon in der „Ode for the Birthday of Queen Anne“ (das ist „Eternal Source of Light Divine“) keine rechte Geburtstagsstimmung aufkommen. In den festlichen Stücken „Utrecht Jubilate“ und „How Beautiful…“ wurde es allein durch die phantastischen Trompeten (David Staff und Russell Gilmour) und Pauken (Rob van der Sterren) glanzvoller. Im „Anthem on the Peace“ hat sich Händel bei anderen seiner Werke bedient. So endete der Abend mit dem aus dem „Messias“ bekannten „Blessing and glory, pow’r and honour be unto God forever and ever. Amen.“ versöhnlich. Man könnte auch sagen: mit ein bisschen Frieden.

Das sah das Publikum offenbar genauso und bejubelte die Mitwirkenden lautstark und anhaltend.

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