Theater im OP

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Auch wenn sich bei den Erinnerungen an Georg Büchners Woyzeck aus der Schulzeit die Geister scheiden dürften, ist nicht zu leugnen, dass es sich bei ihm noch heute um eines der meistgespielten deutschsprachigen Theaterstücke handelt. Wie man diesen wohlbekannten Klassiker trotzdem in einem neuen Gewand auf die Bühne bringt, bewies das ThOP am vergangenen Samstag. Das Drama unter der Regie von Johanna Mohrmann, Inka Gerhardt und Ursula König zeigt dabei deutlich, wie das Umfeld einen in den Wahnsinn treiben kann und wozu der innere Dämon alles imstande ist.

Woyzeck (Mark Tsiolis) ist ein armer Soldat, der sich gelegentlich sein Taschengeld mit dem Stutzen von Bärten und der Teilnahme als Versuchskaninchen beim Arzt (Anja Kütemeyer) aufbessert. Mit dem verdienten Geld unterstützt er Marie (Anika Bittner) und ihr gemeinsames uneheliches Kind. Ständiger harter Arbeit und Demütigungen ausgesetzt, beginnt Woyzeck nach und nach eine Stimme zu hören und gepaart mit seinem wachsenden Misstrauen Marie gegenüber endet das Stück in einem brutalen Mord.

Die schauspielerischen Leistungen sind analog zu der Fragmentform der Textgrundlage genauso pointiert wie überzeugend. Woyzecks mentaler Verfall bis zu dem Moment der Raserei gestaltet sich im Zusammenspiel mit Andres (Niels Jensen) und dem Narren (Sophia Pfründer) dynamisch und wird hervorragend herübergebracht. Ebenfalls sehr glaubhaft ist Maries innerer Konflikt, nachdem sie sich auf den Tambourmajor (Paul Wolf) einläßt. Eine besondere Erwähnung verdient außerdem der kauzige Hauptmann (Juliane Bode), dessen weinerlicher Ton und überzeugende Mimik das Publikum zwischenzeitlich zum Lachen bringt und dem sonst obskuren Stück so noch eine heitere Note verleiht.

Die Inszenierung von Johanna Mohrmann besticht vor allem durch ihre visuelle Schlichtheit. So tragen sämtliche Akteure einen schwarzen Overall und außer zwei Kisten kommen kaum andere Requisiten zum Einsatz. Was darüber hinaus zur düsteren Atmosphäre des Stücks beiträgt ist die Lichttechnik: Diese kommtebenfalls nur sparsam zum Einsatz, offenbart sich jedoch im richtigen Moment als sehr effektiv. So wird das Licht etwa blutrot zum Zeitpunkt des Mordes an Marie. Wer schon etwas eher im ThOP ist, kann außerdem einige Darstellerinnen und Darsteller dabei beobachten, wie sie stoisch und düster dreinblickend in einer Formation stehen und alle paar Minuten zur nächsten Position marschieren, wo das Licht dann jeweils auf ihre Gesichter fokussiert ist.

An der Reaktion des Publikums bei der Premiere konnte man merken, dass sich aus dem minimalistischen Ansatz heraus eine große Wirkung entfaltete, die am Ende auch mit großem Applaus und Jubel belohnt wurde. Dabei dürfte die Herangehensweise des ThOP auch für diejenigen interessant sein, die Woyzeck bereits in einer anderen Inszenierung gesehen haben, denn die hier besprochene Fassung ist deutlich düsterer und rauer. Wem also der Sinn nach einem kurzweiligen, aber spannenden Theaterstück ohne viel Schnickschnack steht, sollte sich in den nächsten drei Wochen definitiv eine Vorstellung im ThOP ansehen. Und wer sich mit dem Woyzeck in der Schulzeit abmühte, hat nun außerdem die Gelegenheit, dem Stück eine zweite Chance zu geben!

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