ThOP

Tumult im Treppenhaus und reichlich Stimmengemurmel. Ein paar seltsame Gestalten mischen sich unter das wartende Publikum, grübeln über die Zukunft, beklagen ihr Schicksal und was sich da gerade alles zusammenbraut Noch ist die ThOP Bühne verschlossen, aber dieser Shakespeare Abend hat eben auch ein besonderes Vorspiel, das den Titel des Stückes, „Wie es euch gefällt“ ein bisschen rätselhaft erscheinen lässt. Schließlich spielt sich darin zunächst vor allem ein Bürgerkrieg nach einem Machtwechsel ab.

Den alten Herzog und seine Gefährten hat es in dunkle Wälder getrieben während sein machtgieriger Bruder sein autoritäres Regiment erprobt. Und so empört sich nun eine umtriebige Bürgerschaft, die nach ihrer Kundgebung im Treppenhaus des Deutschen Seminars erst mal die Zuschauerränge besetzt und das Publikum auf die Bühne treibt. Das darf erst nach einer Reihe von Kommentaren über turbulente Zeiten und Nöte Platz nehmen, wenn nun die Darsteller die ganze Geschichte über ihre Figuren erzählen. Die ist eben nicht nur von politischen Erschütterungen geprägt ist sondern noch viel mehr von emotionalen Verwirrungen, ständigen Fluchtmanövern und so manchen Illusionen.

Was nun wem gefällt, behagt oder überhaupt nicht, das wird jetzt dramatisch, komödiantisch und immer wieder herrlich verwirrend verhandelt. Regisseur Klaus-Ingo Pißowotzki lässt in seiner Inszenierung ein Team von 30 Darstellerinnen und Darstellern ausschwärmen, die sich alle ihren Reim auf die verwickelten Verhältnisse machen. Im höfischen Umfeld geht es natürlich vor allem um die Machtintrigen, die den jungen Orlando (Erik Bosse) ebenso in die Flucht treiben wie die Herzogstochter Celia (Yasemin Dittmann) und ihre Kusine Rosalind ( Dominique Schlaak), die Tochter des abgesetzten Herrschers, die mit dem Hofnarren Probstein ( David Höhle) ihr Bündel schnüren. Doch im scheinbar so friedlichen Ardenner Wald, wo sie auf die Gesellschaft des geflüchteten Herzogs treffen, geht es keineswegs idyllisch zu.Dort ist zwar immer wieder von einem harmonischen Leben in freier Natur die Rede, auch gern bei einem Joint und mit musikalischer Begleitung der Spielleute, die sich auf den Love and Peace Sound der Pop Aera verstehen. Aber da gibt es eben auch die Stimmen, die eine ramponierte Natur beklagen, wie sie diese Flüchtlingsgesellschaft mit zu verantworten hat und dann vor allem das emotionale Chaos, das Shakespeare mit seinen Figuren anzettelt.

Da sich Roselind als Mann getarnt hat, kann sie so auch die Gefühle des verliebten Orlando auf die Probe stellen und verwirrt dabei noch eine junge Schäferin, die gerade ihren leidenschaftlichen Verehrer loswerden will. Probstein wird zum verliebten Narren, der sich wiederum vor einer festen Beziehung drückt und auch für verbale Turbulenzen gern zu haben ist, die von der ländlichen Gesellschaft neugierig beobachtet und kommentiert wird. Neben der Schäfergemeinde geraten auch greise Pater, Friedensaktivisten, Puppenspieler und Kriegerwitwen in das abenteuerliche Verwirrspiel auf der ThOP-Bühne. Jeder Figur widmet Klaus-Ingo Pißowotzki ihren Auftritt und ihren besonderen Gestus in diesem vielfarbigen Panorama der Stimmen und der Stimmungen, wo sich manche Szenen sich in ein fröhliches Theaterspektakel verwandeln, wenn das dramatische Gefühlsleben wieder von seiner komischen Seite betrachtet wird. Gelegentlich holpern die Übergänge zwischen den Szenen ein bisschen, so dass die Aufführung mit fast drei Stunden auch Längen entwickelt. Dafür macht sie um so hellhöriger für den Wortwitz und die vielen feinsinnigen Dialoge in der Fassung des Shakespeare-Experten und Übersetzers Frank Günther.

Mit Freude am Entdecken und Erkunden dessen, was sich hinter den Worten noch alles an Gedanken, Haltungen, Strategien und Gefühlen lauert, beflügelt dieses Shakespeare Team auch sein Publikum bis zum erhofften Happy end. Sogar die widerspenstigen Paare finden sich zum Finale; und sei mit etwas göttlichem Support. Mit einem versöhnlichen Brüderpaar und einem erneuten Machtwechsel kündigen sich auch an der Bürgerkriegsfront vorübergehend wieder friedliche Verhältnisse an. So wie es der höfischen Fluchtgesellschaft gefällt und den Zuschauern, die diesen Shakespeare Abend mit dem ThOP Ensemble feiern.

weiterführende Links:



Kommentare powered by CComment

Der besondere Tipp:

Anzeige

Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Die Erstellung von Terminen und Texten kostet Geld - denn es sind Menschen, die diese Termine erfassen oder die Texte schreiben. Deshalb bitten wir Sie, entweder ein Abonnement abzuschließen oder für diesen einzelnen Beitrag einen Betrag zu bezahlen.
Vielen Dank!

NDR Soundcheck

OpenAir-Kino am Brauweg

Autokino Göttingen

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok