Deutsches Theater

Er ist nicht nur einer der gefragtesten Schauspieler Deutschlands, sondern auch Musiker und Schriftsteller. Ulrich Tukurs Wirken ist vielseitig und bunt. Sein Durchbruch gelang ihm 1984 in der Schauspielergruppe um Peter Zadek und unter dessen strengem Blick und Urteil. Seitdem brilliert Tukur in zahlreichen Rollen, unter anderem als Oberstleutnant der DDR-Staatsicherheit Anton Grubitz im Film „Das Leben der Anderen“ oder als Tatort-Kommissar Felix Murot, einer Figur, an der er selbst aktiv mitwirkte. Auch international ist er anerkannt und geschätzt.

Musikalisch bringt er sein Talent als Sänger, Akkordeonspieler und Pianist in der von ihm 1995 ins Leben gerufenen Tanzkapelle „Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“ ein. Auch in literarischer Hinsicht fällt Tukurs Vielfalt als Schriftsteller auf. 2007 debütierte er mit seinem Erzählband „Die Seerose im Speisesaal – Venezianische Geschichten”; 2011 folgte sein lyrisches Werk, der Gedichtband „Wehe, wirre, wunderliche Worte”; und im Oktober 2015 präsentierte er seine Novelle „Die Spieluhr“. 2013 erhielt er den Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache.

Seine Leidenschaft für Literatur zeigte Tukur auch am Samstagabend im restlos ausverkauften DT. Auf dem literarischen Speiseplan stand als Hauptgang „Moby Dick“, der Klassiker des amerikanischen Schriftstellers Herman Melville. In einer Auswahl an Lesepassagen á la Tukur lebte der Rachefeldzug des legendären Kapitän Ahab gegen den weißen Wal im ausverkauften Saal als musikalische Lesung wieder auf, in Begleitung von Pianist Sebastian Knauer.

Alles ist vorherbestimmt…Ich weiß nicht, was da kommen mag, aber sei es wie es sei, ich werd´s mit Lachen nehmen…“ – erklangen die ersten Worte an diesem Abend. Mit Tukurs leidenschaftlicher Art trug er die Kernpassagen des 1851 erschienenen Romans in gebannter Stille vor. Er verlieh den einzelnen Charakteren die unterschiedlichsten Stimmen und schuf eine der Dynamik des Romans angemessene, spannungsgeladene, aber auch stellenweise humorvolle Atmosphäre. So begegnete man Tukur ganz in seinem schauspielerischen Talent in der Rolle des Ismael, dem Hauptprotagonisten, einem jungen Mann aus wohlhabenden Verhältnissen, der sich entscheidet, als Matrose auf einem Walfänger zur See zu fahren. Tukur brillierte und durchlebte den Roman regelrecht - mal als Queequek, dem Harpunier, auf den Ismael in einer Herberge trifft, und der durch seine körperbedeckenden Tätowierungen den Anschein eines Kannibalen erweckt; dann als englisch sprechender, äußerst ruppiger Wirt, als zahnloser alter Mann und auch als rachsüchtiger Kapitän Ahab. Tukur ließ den schauderhaften Anblick des zunächst schweigsamen Kapitäns, der aussah, als habe man ihn vom Scheiterhaufen herabgerissen…“, im Saal spürbar werden.

Zur besonderen Atmosphäre trug der harmonisch abgestimmte Wechsel von einzelnen Lesepassagen und ausgewählten Klavierstücken bei. Verträumt und leise mitsummend lauschte auch Tukur selbst genussvoll den Klängen von Frédéric Chopin, Antonín Dvořák, Modest Mussorgski, Franz Liszt und weiteren Komponisten. Knauers Spiel erfüllte den Saal mit belebenden Klängen, mal sanft und heiter, mal eindrücklich und berührend - eine schöne Mischung aus Tragik, Melancholie und Leichtigkeit.

Es war ein sehr intensiver gelungener Abend, an dem ein klassisches literarisches Werk für alle Anwesenden auf eine besondere Weise neu erlebbar wurde, belohnt mit begeistertem Applaus.

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