Aula

„Hart House Orchestra“ heißt das Orchester der Universität Toronto (Kanada). Mit ungefähr 40 Mitgliedern machte sich das Orchester auf zu einer Tournee durch Deutschland. Nach Stationen in Tübingen und Düsseldorf endete die Reise am Samstag in Göttingen. Gastgeber waren Chor und Orchester der Universität Göttingen. Aber bevor persönliche Kontakte geknüpft werden konnten und ein Gegenbesuch geplant wurde, stand das Konzert der Gäste in der Universitätsaula statt.

Auf dem Programm standen das Oboenkonzert von Richard Strauss, die Suite „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel, das Stück „Evolution“ der US-amerikanischen Komponistin Elizabeth Raum sowie die Sinfonie Nr. 7 von Ludwig van Beethoven.

Als Solistin hatten das Hart House Orchestra und sein Leiter Henry Janzen die junge Oboistin Bhavani Kotha für diese Reise eingeladen. Das erwies sich als wahrer Glücksgriff. Man könnte meinen, dass es eine große Lebenserfahrung braucht, um dieses anspruchsvolle Spätwerk von Richard Strauss zu verstehen und die vielen Anklänge an sein Oeuvre darin hörbar zu machen. Kotha bewies großes Verständnis und Einfühlungsvermögen für das Werk. Gepaart mit ihrer Musikalität und ihren großen technischen Fähigkeiten entstand eine berührende Aufführung, in der Henry Janzen der Künstlerin viele Freiheiten zur Gestaltung ließ.

Die Komponistin Elizabeth Raum (Jahrgang 1945) ist ebenfalls Oboistin. In ihrer Komposition „Evolution“ durchschreitet sie die Musikgeschichte von der Renaissance bis zur Gegenwart in sieben Variationen. Entstanden ist ein gefälliges und kurzweiliges Werk mit einer hübschen Geigenkadenz, die die Konzertmeisterin des Orchesters übernommen hatte.

So richtig in Fahrt kam das Orchester in Ravels Suite „Le Tombeau de Couperin“ in der vom Komponisten selbst erstellten Orchesterfassung. Hier zeigten vor allem die Holzbläser ihr Können. Janzen nahm die Musik sportlich, leicht und frisch. Von einer „Trauermusik“ (was ein Tombeau eigentlich ist) war nichts zu spüren. Dafür war deutlich der Spaß der Mitwirkenden an dieser Musik zu spüren.

Nach der Pause stand Beethovens 7. Sinfonie auf dem Programm. Ob es nun erste Ermüdungserscheinungen am Ende dieser Tournee und dieses zweistündigen Konzertabends waren, lässt sich nur vermuten. Es schlichen sich einige Unkonzentriertheiten ein. Henry Janzen trieb die Orchestermitglieder aus Toronto immer wieder neu an, bis das große Finale der Sinfonie mit ihrem dahinstürmenden Jubel im 4. Satz „Allegro con brio“.

Langanhaltender Applaus der Konzertbesucher war der Lohn für dies Engagement. Als Dank gab es den letzten Satz der Ravel-Suite als Zugabe.

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