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Clavier-Salon

Junge Künstler*innen verzaubern Publikum

Hinweis: exklusiv für Sie

Beim diesjährigen Abschlusskonzert der Leschetizky-Academy am Abend des 4. August präsentierten acht junge Pianist*innen aus China eindrucksvoll ihr Können.

Benannt nach Theodor Leschetizky (1830-1915), Schüler von Carl Czerny, dem Schüler Beethovens, und zugleich einer der wichtigsten Klavierpädagogen in Wien, verbergen sich hinter dem Namen die internationalen Kurse an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Eine Woche lang haben sich die jungen Talente aus Asien in einem Meisterkurs bei dem Göttinger Pianisten Gerrit Zitterbart mit Werken der alten Meister befasst. Die Resultate dieser intensiven Arbeit wurden dem Publikum an diesem lauen Sommerabend zuteil.

Ein bunt gemischtes Programm mit Musik aus Romantik und Klassik war angekündigt – noch ein wenig bunter wurde es, als Gerrit Zitterbart bei seiner üblichen anfänglichen Begrüßung verkündete, dass einige der betreuenden Lehrer*innen Verspätung mit der Bahn hatten und noch nicht eingetroffen waren. So machte der junge Pianist Yuchen Qi (22) den Auftakt. Andächtige Stille breitet sich im kleinen Konzertsaal des Clavier-Salons aus, als er am Klavier Platz nahm. Und nur wenige Augenblicke später hatte er das Publikum mit dem ersten Satz der b-Moll-Sonate op.35 von Frédéric Chopin in seinen Bann gezogen. Mit Bedacht und Präzision gelang es ihm, den etwas düsteren Charakter des ersten Satzes zum Ausdruck zu bringen, der mit seinem rhythmisch wiederholten Molldreiklang an den Trauermarsch aus Beethovens Klaviersonate As-Dur (op.26) erinnert.

In einem eleganten orangefarbenen Kleid übernahm nun die erste Künstlerin des Abends: Ziqing Zhuang (17) gab eine beeindruckende Vorstellung von „Die Lerche“ von Michail Glinka (1804-1857), für Klavier arrangiert von Mily Balakirev (1836-1924). Gefühlvoll, mit weichem Anschlag, bot die junge Pianistin ein Werk von meditativer Ruhe dar. Die Zuhörer*innen konnten den sehnsuchtsvollen Melodien, anspruchsvollen Rhythmen und Läufen und perlenden Trillern in ihrer vollkommenen Entfaltung lauschen. Es folgte das jüngste Talent des Abends, die 14-jährige Chuyi Yang. Mit Bravour meisterte sie die auf- und absteigenden Melodien und raschen Läufe von Chopins Impromptu op.29. und brachte den Salon zum Strahlen.

Einen krönenden Abschluss vor der Pause lieferte Muze Yu (17) mit Stücken von Alexey Shor und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit spielerischer Leichtigkeit ließ er die Glühwürmchenjagd (Chasing Fireflies) aus den Childhood Memories (Kindheitserinnerungen) des maltesisch-amerikanischen Komponisten lebendig werden. Nicht weniger souverän meisterte er anschließend Mendelssohns dreisätzige Fantasie fis-Moll op.28, ursprünglich als Schottische Sonate (Sonate écossaise) bezeichnet. In ihr bot der junge Pianist hochvirtuoses Klavierspiel und konnte in ihrem leidenschaftlichen Presto-Finale erneut seine großartige Fingerfertigkeit unter Beweis stellen.

Nach der Pause hatten auch die vermissten Gäste ihren Platz in den gut gefüllten Reihen gefunden und Enze Yu (17) und Chenshuo Zhang (17), die den Abend hätten einläuten sollen, konnten ihre Künste präsentieren. Mit J.S. Bachs Präludium und Fuge As-Dur brachte Yu den vorzüglich intonierten Bechstein-Flügel von 1890 prächtig zum Klingen. Der das Werkpaar des Wohltemperierten Klaviers charakterisierende melodisch-weiche Sechzehntelfluss ging dem jungen Mann leicht von der Hand. Virtuos und lebendig gespielt – ein wahrer Genuss. Ebenso wusste Chenshuo Zhang das Wechselspiel zwischen Tutti und Solo, von dem der erste Satz (Allegro) der majestätisch-melodischen Klaviersonate D-Dur (KV 284) Mozarts lebt, mit Präzision und Hingabe umzusetzen. Die Anforderungen in Rhythmus und Tempo dieser anspruchsvollsten und brillantesten Sonate aus Mozarts erstem Zyklus bewältigte er mit Leichtigkeit.

Mit der Rhapsodie g-Moll op.79 Nr. 1 bot Mingshuo Song eine der beliebtesten und wirkungsvollsten Klavierkompositionen von Johannes Brahms. Den expressiven Charakter, die schwungvollen Triolen und den punktierten Rhythmus wusste der 15-Jährige deutlich darzustellen.

Den letzten Beitrag zu diesem schillernden Abend lieferte Xie Xingjian (22) mit Werken von Chopin und Brahms. Im Hinblick auf die hohen Ansprüche an die Spieltechnik bei gleichzeitiger Forderung einer zutiefst gefühlvollen Musik gilt Chopin zurecht als Dichter am Klavier, für das junge Talent jedoch kein Hindernis: Spielerisch leicht gelangen ihm die Arpeggien, die er über die ganze Klaviatur fließen ließ. Die Kraft des Allegro non assai und die überbordende Energie des Allegro energico aus den Klavierstücken op.118 von Brahms kamen in seinem Spiel gänzlich zum Tragen.

Ein Abend, der nicht nur den Facettenreichtum der Romantik und Klassik vor Augen führte und das Publikum in die unterschiedlichsten Klangwelten entführte, sondern auch junge Talente zeigte, die noch eine große Zukunft vor sich haben. Ein purer Genuss, der von den Zuhörer*innen mit begeistertem Applaus belohnt wurde.

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