Rossinis „Messe Solennelle“ mit dem Universitätschor in der Johanniskirche

Der Göttinger Universitätschor ist wieder da: Unter der Leitung von Ingolf Helm gaben die Choristen gemeinsam mit vier Solisten Rossinis „Petite Messe Solennelle“ - und bewiesen damit einmal mehr, wozu sie in der Lage sind.

Rossinis „Messe Solennelle“ erlebt anscheinend zurzeit so etwas wie eine Renaissance: Immer öfter findet sich das geschmeidige, zur schlanken Begleitung von Harmonium (hier: Christopher Weik)und Klavier (hier: Gi Ran Jung) gesetzte Werk auf den Spielplänen städtischer Chöre. Gerade im späten Januar ist das wohltuend für die geschundenen Ohren. Weihnachten und damit verbundene musikalische Qualen sind vorbei, der Schnee schmilzt und frühlingshafte Temperaturen kitzeln verschlafene Eichhörnchen aus ihren holzigen Kobeln. Zeit also für den großen Gourmet unter den Opernkomponisten, Zeit für ein Lob des geschmeidigen Arienkatholizismus': Bühne frei für Gioachino Rossinis „Messe“.

Ausdauernd und federleicht hangelte sich Ingolf Helm durch Rossinis Partitur und seine Sängerinnen und Sänger dankten es ihm mit spürbarer Singfreude. Insgesamt präsentierte sich der Chor mit einem ausgeglichenen, sanften Klang, der gegebenenfalls noch etwas Stärke und Dynamik in den kräftigeren Sätzen der Messe hätte vertragen können. Wunderbar harmonisch allerdings gestaltete sich das Verhältnis zwischen Solisten und Chor: Besonders schön kam das Zusammenspiel im abschließenden Agnus Dei heraus. Anna Bineta Diouf, die als Altistin die Solopartien mit großer Ausdrucksstärke und ergreifendem Timbre sang, wurde nie übertönt, sondern schmiegte sich souverän und mit großem Facettenreichtum in den Gesamtklang ein.

Es ist beeindruckend, dass Jean Christophe Fillol, der erst kurz vor Konzertbeginn als Bariton-Solist für seinen erkrankten Bassisten-Kollegen eingesprungen war, eine so ausgewogene Leistung präsentieren konnte. Uwe Gottwinter sang hierzu mit einem sehr klaren, wenngleich in den höheren Lagen oft etwas spitzen Tenor, und Theresa Sommer bezauberte das Publikum mit einem samtig strahlenden Sopran, der insbesondere in ihrem Crucifixus zu voller Geltung kam.

Dass an diesem Abend der letzte Schnee geschmolzen ist, konnte jeder Göttinger am nächsten Morgen am eigenen Leib erfahren. Und falls daran nicht der eindrucksvolle Vortrag von Chor und Solisten eine Mitschuld trägt, so doch mit Sicherheit der tosende Beifall des Publikums: Man munkelt, dass sogar die Eichhörnchen vor der Johanniskirche für eine kurze Zeit von ihrer beschwerlichen Nusssuche Abstand genommen haben.

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