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Ein musikalisches Fest in der Nikolausberger Klosterkirche

Musiker sind auch Schatzgräber, wenn sie sich wie Antonius Adamske für barocke Meisterwerke begeistern, die viel zu selten aufgeführt werden. Jean Baptiste Lullys Oper ist so ein Fall. Nur wenige Bühnen wagten sich in den letzten Jahren an diese lyrische Tragödie um eine arabische Zauberin, die sich in einen Kreuzritter verliebt. Dabei bezaubert die Oper schon in den ersten Motiven der festlichen Ouvertüre und später um so mehr. Wenn Lully ein vielfarbiges Arrangement von Arien und Rezitativen entfaltet und immer wieder mit den Chorstimmen verwebt.

Der Göttinger Musiker und Chorleiter wagte mit der Bergung dieses barocken Schatzes  gleich ein weiteres Abenteuer mit der Aufführung in der Nikolausberger Klosterkirche. Für Kammerkonzerte ist der Altarraum wunderbar geeignet. Aber wo sollte der Raum herkommen für das Barockorchester Musica Affettuosa Borussica Potsdam, für die Solisten und den Kammerchor St. Petri und für die vielen Ballettszenen, mit denen Lully sein adliges Publikum am Hof von Ludwig XIV ja ebenfalls zu entzücken wusste.
Mit farbigem Lichteinsatz, viel szenischer Fantasie und reflektierenden Spiegelelementen entstand ein effektvoller Bühnenraum für all die großen Gefühle, die in dieser Oper kollidieren.

Auch bei Armide geht es wie so oft um ein emotionales Chaos, in das die Protagonisten verwickelt werden. Um Ruhm Ehre und Machtspiele und um  Kränkungen, die sich nicht so leicht verschmerzen lassen. Armides magische Kräfte versagen, wenn sie den Kreuzritter Renaud vernichten will. Aber auch der kämpferische Held verliert den strategischen Überblick und wird zum leidenschaftlichen Schwärmer.

Im Prolog der Oper liefern sich Vernunft und Weisheit einen munteren Wettstreit, der sich später auch auf das Gefolge von Armide und Renaud überträgt. Zwischenzeitlich weiß keiner mehr so recht, ob er jetzt vernünftig handeln oder auf diese innere Stimme vertrauen soll, die sich eher von Gefühlen leiten lässt und von Sehnsüchten. Auch das Liebespaar ist sich seiner Sache keineswegs sicher und treibt ein doppelbödiges Spiel, das Regisseur Freimund Pankow wunderbar subtil in Szene gesetzt hat. Die Idee mit reflektierenden Spiegelelementen zu arbeiten trifft den Kern dieses musikalischen Dramas, in dem der Schein eben auch trügt, weil die emotionalen Kraftproben vor dem Hindergrund eines politischen Kräftemessens stattfinden, das schließlich in die Eroberung Jerusalems mündete. In den Spiegelungen erscheint die heldenhafte Pose so verzerrt wie der magische Liebeszauber, während die lyrische Tragödie ihren Lauf nimmt, weil der Ruhm am Ende doch mehr lockt als die verwirrende Welt der großen Gefühle.

Das Gefühlschaos spiegelt sich auch in den Auftritten des Kammerchors St. Petri Weende. Für Ballettszenen wäre nun wirklich kein Raum mehr in der Nikolausberger Klosterkirche. Also macht Pankow aus der Not eine Tugend, in dem er die Sängerinnen und Sänger immer wieder gestisch und szenisch einsetzt. Das tut dem musikalischen Drama nicht immer gut, weil sich dabei manchmal ein Gefühl von visueller Überfülle einstellt, auch mit all den Farb- und Lichteffekten und den ebenso effektvoll eingesetzten Requisiten, die einander bedrängen.

Lully lieferte mit seiner Armide“ natürlich auch die Vorlage für ein grandioses barockes Fest. Aber das wird es vor allem durch die Solisten, die wunderbar harmonierenden Stimmen des St. Petri Kammerchor und die Musiker der Musica Affettuosa Borussica Potsdam, die unter der Leitung von Antonius Adamske so fein austarierte Klangbilder entwickeln.

Besonders die Solisten machen diesen Opernabend zu einem Fest der Stimmen. Mit Anna Bineta Diouf in der Rolle der Armide, deren kraftvoller Mezzosopran der auch in den heiklen Sopranlagen noch strahlt. Und mit den Sopranistinnen Johanna Neß und Sophia Körber, die besonders in den vielen Duett Rezitativen in den schönsten Stimmfarben begeistern. Tenor Robert Macfarlane gestaltete  die Partie des Renaud mit warmem Timbre, das einen schönen Kontrast bildet zu Daniel Preis und seinem dunkel eingefärbten Tenor und dem kraftvoll geerdeten Bassbariton von Mathias Tönges.

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