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Händels Oratorium Solomon in Weende und Nikolausberg

Große Enge herrschte in der Klosterkirche in Nikolausberg – am Vorabend dürfte es in der St. Petrikirche in Weende ähnlich gewesen sein: das selten aufgeführte Oratorium Solomon von Georg Friedrich Händel stand auf dem Programm. Der Petrichor Weende sowie der verstärkte Petri-Kammerchor, das Göttinger Barockorchester sowie das Cembalo für Antonius Adamske mussten genauso ihren Platz finden wie das zahlreiche Publikum, das für nahezu ausverkaufte Kirchen sorgte. Aber jeder fand seinen Platz im dreistündigen Abend.

Der noch junge Dirigent und Chorleiter Antonius Adamske wünschte dem Publikum vor dem Konzert viel Vergnügen bei dieser viel zu sehr in Vergessenheit geratenen Musik. Immerhin ist diese von Georg Friedrich Händel, es handelt sich um eines seiner biblischen Oratorien, genau um Solomon. Händel komponierte das gewaltige, über dreistündige Werk in wenigen Wochen. Adamske hat es für die Göttinger Aufführungen um eine halbe Stunde gekürzt.

Worum geht es in dem Oratorium? Natürlich um König Salomo, der es durch sein „salomonisches Urteil“ in die Alltagssprache der heutigen Zeit gebracht hat. Entsprechend geht es auch bei Händel um den weisen, gottesfürchtigen, treuen, gerechten und friedliebenden Herrscher. Und so ist auch der Text – eine einzige Lobhudelei ohne jede Spannung oder Dramatik. Der Textdichter des Oratoriums ist unbekannt. Die Musik von Händel ist aber nicht nur ein einheitlicher Lobgesang, sondern überaus lebendig und vielseitig: da sind zahlreiche Chorstücke, zum Teil doppelchörig, Arien und Rezitative – alles zusammen kann das einen kurzweiligen Abend ergeben.

Dass dieser auch tatsächlich kurzweilig wurde, lag an und in den Händen von Antonius Adamske. Er hatte seine beiden Chöre gut vorbereitet, lediglich am Ende des zweiten Konzertes lies die Konzentration ein klein wenig nach. Die Stimmen waren gut gemischt, schon beim Eingangschor glänzten insbesondere die Bässe aus dem Chor, während die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Tenöre bisweilen etwas Intonationsschwierigkeiten hatten. Insgesamt hatte der Chor aber eine beachtliche Qualität.
Adamske dirigierte Chor und Orchester vom Cembalo aus, saß also mitten im Geschehen. Die direkte Nähe auch zu den Instrumentalisten bewirkte, dass seine Freude an der Musik sich unmittelbar auf das Orchester übertrug: das Göttinger Barockorchester mit Henning Vater am Pult des Konzertmeisters war prächtig aufgelegt und zeigten sich in bester Spiellaune. Hervorzuheben sind insbesondere die Oboen und die Blechbläser. Alle Musikerinnen und Musiker folgten dem Dirigat und der Interpretation Adamskes akkurat und zuverlässig.

Bei den Solisten konnten vor allem die Göttingerin Johanna Neß (Sopran) und der hannoversche Tenor Georg Drake glänzen. Neß‘ Stimme ist mit ihrem hohen Sopran und ihrer Leichtigkeit im Ausdruck perfekt für die Alte Musik geeignet. Georg Drake hatte bereits mehrfach mit Adamske konzertiert, aber die Rolle des Zadoks ist sicher die bisher anspruchsvollste. Wie Drake in der Arie „Sacred raptures“ die atemberaubenden Koloraturen bewältigte, war einfach sensationell. Man hätte glauben können, der junge Student habe in diesem Bereich schon lange Erfahrung. Er ist jedoch erst 23 Jahre alt. Nach dieser Arie juckte es einigen Zuhören in den Händen, um Szenenapplaus zu spenden. Ergänzt wurde das Solistenensemble mit Johanna Krödel (Mezzosopran), die die Rolle des Salomon verkörpern durfte. Händel hat ihren Part tatsächlich für eine Frau komponiert und nicht für einen Countertenor. Vielleicht hatte er aber einen solchen Sänger im Hinterkopf, denn die Partie ist sängerisch undankbar. Zahlreiche sehr tiefe Passagen forderten Krödels ganzes Können. Der kräftige Bass von Mathias Tönges erfüllte die Kirche spielend, bisweilen hätte man sich ein wenig mehr Differenziertheit gewünscht.

Im Ganzen war es ein rund herum gelungenes Konzert, das zu Recht stehende Ovationen vom Publikum erhielt. Das größte Lob gehört jedoch dem jungen Dirigenten: es gehört schon großer Mut dazu, ein solches Werk in Weende und in Nikolausberg zu präsentieren. Die Anforderungen an die Choristen sind hoch, die Kirchen sind relativ klein und liegen nicht im Zentrum der Stadt. Und auch die finanziellen Belastungen sind bei solch großen Projekten groß und ein Wagnis. Der gute Zuspruch des Publikums war deshalb zum Gelingen auch sehr wichtig. Für diesen Mut – und für das Gelingen: Chapeau, Herr Adamske! Der Mut wurde belohnt, machen Sie weiter so!

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