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Minimal bis Monumental - Das GSO Eröffnungskonzert mit Haydn, Beethoven und Bruckner

Ganz leise atmen die Töne. Als ob da eine Elfe über die Tasten huscht und  sie mit ihrem Zauberstab berührt, damit sie nur ja nicht mehr als einen Hauch von Melodie preisgeben. Es ist natürlich Alexander Schimpf, der in Beethovens 4. Klavierkonzert die Andachtsräume so zauberhaft schön zum Klingen bringt und kein geisterhaftes Wesen. Doch als Zuhörer kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, auch über die makellose Klarheit, die selbst in den dramatischen Passagen nie gewichtig oder gar pathetisch anmutet, wenn Schimpf aus den Melodiebögen filigrane Spannungsverhältnisse formt und dabei auch wunderbar mit den Orchesterstimmen harmoniert.

„Minimal bis Monumental“ war das Konzert zur Eröffnung des 1. philharmonischen Zyklus des Göttinger Symphonie Orchesters überschrieben. Mit Werken von Haydn, Bruckner und Bruckner hatte Chefdirigent Christoph Mathias Mueller ein Programm der dramatischen Kontraste zusammengestellt. Joseph Haydns D-Dur Ouvertüre  wurde zur charmanten Aufmunterung, um heiter und beschwingend auf Beethovens Klavierkonzert einzustimmen, das der gebürtige Göttinger Pianist in feinsinnige Klangpoesie verwandelte. Mit Claude Debussys „Claire de Lune“ als Zugabe verzauberte Schimpf sein Publikum ein weiteres Mal, das noch den Echos nachlauschte - und wie sie dann zart und anmutig davon zu schweben schienen.

Der Stimmungswechsel nach der Pause war ebenso dramatisch wie radikal, mit Anton Bruckners 3. Symphonie d-Moll als symphonischem Monument, das nicht verzaubern mochte, sondern vor allem aufrühren und aufwühlen. Christoph Mueller schwärmt von einem fantastischen Stück und dass die selten gespielte Urfassung dieser Symphonie seine Lieblingsversion sei, etwas wilder und ungezähmter als die beiden späteren Fassungen, in denen Bruckner kürzte und glättete. In der Urfassung kommt  auch der glühende Wagner Verehrer zum Ausdruck, der in den ersten Satz Motive aus „Tristan und Isolde“ einfließen lässt, dann das Schlafmotiv aus der „Walküre“ und ein Lied aus den „Meistersingern“. Immer wieder brechen sich die sentimentalen Tableaus an den harmonischen Verwerfungen, den Ausbrüchen von Leidenschaft und Pathos. Im zweiten Satz spiegelt sich bereits die Unbedingtheit, mit der Bruckner seine Themen auslotet und nicht nur ihnen harmonisch und rhythmisch alles abverlangt, sondern auch den Musikern, die sich seinem aufrührend fordernden Gestus stellen und sich einfühlsam in ihn vertiefen. Auch für das Publikum bedeutet Bruckner symphonische Schwerstarbeit mit wenigen Momenten des Innehaltens. Fast schon etwas Manisches haftet Bruckners dynamischen Ausbrüchen an, die er im 3. Satz noch mit tänzerischen Wendungen kontrastiert, um sie zum  Finale wie tektonische Platten immer wieder neu moduliert aufeinander prallen zu lassen. Auch von dieser musikalischen Kraftprobe ließ sich das Publikum mitreißen.

Chapeau für das GSO und Christoph Mathias Mueller als couragierte Gipfelstürmer auf einem symphonischen Monument.

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