passend zum Artikel

Willkommen!
Um alle Funktionen zu nutzen, loggen Sie sich bitte ein.
Passwort vergessen?
Registrieren Sie sich hier neu

Kammerchor Hannover in der Corvinuskirche

Geistige Erbauung – das ist, das soll Teil des Advent sein. Ein wunderschön gestaltetes Programm des Kammerchors Hannover zumindest erhebt diesen Anspruch – und löst ihn ein; soviel vorweg.

Der rege Zuspruch des Publikums in der Corvinuskirche ließ vermuten, es erginge diesem ebenso, allein: Die Schwierigkeiten auf dem Wege zur geistigen Erbauung!

Sven Hagvils (*1953) „and my silence holds every word“ war selbst unter der ‚Mithilfe’ eines Teils der Hörer ein interessantes Stück - obgleich raschelnde Plastiktuchverpackungen, reibende Funktionsjacken, rauschende Programmhefte vom Komponisten nicht vorgesehen waren, vermutlich. Das Anfangsstück ist textlos – wie im Beiheft vermerkt - wozu also blättern? Zum Mitleid für den Chor, gesellt sich Respekt, dass dieser die nötige Auftrittsspannung für das Stück und das folgende Konzert dennoch aufbauen konnte.
Zehn Chorstücke unter dem Motto „magnum mysterium“ – gruppiert in 3-4-3; zweimal unterbrochen von Instrumentalmusik - beleuchten verschiedene Seiten, Wünsche, Bitten um die Ankunft des Herrn. Vertonungen des 20./21. Jahrhunderts aus dem englischen/skandinavischen Raum dominieren; begleitet von Brahms, Schönberg, Bach.

Passend zum gewählten Schwerpunkt lässt sich feststellen: Die Partien ‚Klang/Klangfläche’ gelingen dem Chor unter Leitung Stephan Doormanns an diesem Nachmittag deutlich besser als das ’Linie gegen Linie’, wie im Brahms’schen „Oh Heiland reiß die Himmel auf“. Weder die stets gute Textverständlichkeit noch passable rhythmische Genauigkeit, sondern die Interpretation hinterlassen in den kontrapunktischen Passagen ein nicht immer durchsichtiges Hörbild. Wie sehr auf Klangfläche Wert gelegt wird, zeigt die Zugabe - eine tempomäßig sehr zurückgenommene, flächige Darbietung des „Ich steh an Deiner Krippe hier“ aus dem Weihnachtsoratorium.

Dieser klangverliebte Ansatz überzeugt in den gewählten Werken aus der Zeit ab Schönberg deutlich mehr. Das Schmankerl dabei sicherlich „Koppången“, ein schwedisches Weihnachtslied aus der Zeit der Romantik, dessen Strophen vom Alt (schön satt und dunkel!) zur Summbegleitung der drei übrigen Stimmen erklingen. Im charmant-schlichten Refrain verstummen sogar die verbliebenen Programmraschler.

„Stille Nacht, heilige Nacht“, ebenfalls eine Melodie aus dem 19. Jahrhundert, legt Miłosz Bembinow (*1978) seinem Werke zugrunde. Das stollensüßschwere Original gewinnt wahrlich erheblich durch diese Fassung für Chor und Violine. (Der Dirigent ist mit Glöckchen auch noch dabei.) Allein die Generalpause nach heftiger Steigerung zum Ende der ersten Strophe, bei „himmlische Ruh!“ ist eine einfache, aber geniale Idee. Ursprünglich übrigens eine Komposition für einen mit den Hannoveranern bekannten polnischen Chor, welche von ihnen adaptiert und ins Deutsche übersetzt wurde.

Theresa Krokauer (Violine) und Christian Kloidt (Orgel; Chor) geben bei den beiden Instrumentalzwischenspielen Bachs Sonate in G-Dur (BWV 1021), deren vierter und letzter Satz ihnen am überzeugendsten gelingt.

Schönbergs „Friede auf Erden“ erfleht in seinen vier Strophen die Bitte um diesen Frieden, welche die Engel auf dem Felde den Hirten verkündigten, auf die dringlichste, beinahe aggressive Weise. Im Sopran I in den Höhen vielleicht ein bisschen zu dringend… Erst ganz zum Ende endet die Aufwallung und das ruhige Verweilen wird vom mottogebenden „O magnum mysterium“ (Morten Lauridsen, *1943) aufs Innigste aufgenommen.

In Gedanken loben wir noch einmal die Dramaturgie des Programms, bevor in tiefster Lage einem ‚Alleluia’, das Konzert endet. Warmer Applaus - und jetzt noch Stollen?

Mehr zu diesem Thema:

Kommentare powered by CComment

passend zum Artikel

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie hier sind - und schön, dass Sie dieser Artikel interessiert.

Wussten Sie, dass die Autorinnen und Autoren des Kulturbüros für ihre Arbeit bezahlt werden? Das werden sie - genauso wie die Kolleginnen und Kollegen, die die vielen Termine in den Kulturkalender eintragen.

Vielleicht verstehen Sie, dass wir diese Inhalte nicht allen kostenlos zugänglich machen können. Wir sind auf bezahlte Zugänge (Abonnements) angewiesen - eigentlich wie alle, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, für ihre Angebote Geld verlangen müssen.

Wenn Sie ein solches Abonnement (nur 5 Euro im Monat oder 50 Euro pro Jahr) abschließen möchten, brauchen Sie nur

hier

zu klicken. Alternativ können Sie für nur 1,20 Euro einen Tageszugang einrichten, um diesen Artikel ganz zu lesen.

Vielen Dank!

Interessiert Sie dieser Artikel und Sie möchten ihn weiterlesen?

Das ist natürlich problemlos möglich. Sie können einmalig einen Testzugang einrichten, einen Tageszugang bestellen oder ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.