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Eröffnung der Göttinger Reihe Historischer Musik

Das haben die Konzertbesucher vermutlich noch nie erlebt. Weder in der Göttinger Reihe Historischer Musik noch bei einem anderen musikalischen Ereignis. Dass die Musiker ihre Köpfe neigen und die Augen schließen, so als ob sie für den Moment einfach mal weg geschlummert sind. Les Contre-Sujets lieben solche charmanten Täuschungen. Natürlich war ihr musikalisches Repertoire zum Auftakt der Göttinger Reihe weder langweilig noch einschläfernd, aber eben nicht nur als schlichter Konzertabend gedacht, sondern auch als kleines musikalisches Schauspiel. Hinzu kam die inspirierende Wirkung durch das Leitmotiv für die Internationalen Göttinger Händelfestspiele 2015, an dem sich an dem sich der Nachwuchswettbewerb für talentierte Ensembles mit dem Thema Heldinnen!? in dieser Saison orientiert.

Wundbarbar facettenreiche Portraits von enttäuschten, rachsüchtigen, mutigen  und schwärmerischen Heldinnen entdeckten Les Contre-Sujets ihrem Publikum in der Aula am Wilhelmsplatz. Zunächst mit William Byrds musikalischer Widmung für einen liebevollen Empfang Lord Willobies Welcome Home. In Händels Kantate Pensieri Notturni di Filli wird das Drama einer verlassenen Schönen erzählt, die sich ganz ihrer Verzweiflung hingibt, bis sie von den Göttern in ein Mandelbäumchen verwandelt wird. Das ebenso tragische Schicksal von Hero und Leander klingt dann in Louis-Nicolas Clérambaults Kantate Leandre, et Hero an, während Francois Couperin sein musikalisches Portrait L’Astrée einer mythischen Heldin des Überlebens widmete.

Es sind sehr  meditative und manchmal auch ein bisschen elegisch  anmutende Tableaus, mit denen das Ensemble seinen Reigen musikalischer Erzählungen eröffnet. Noch klingt auch der Sopran von Dorothée Leclair auch eher verhalten. Die Sängerin war kurzfristig für diesen Konzertabend mit Samuel Rotsztejn (Blockflöte und Traversflöte),  Clémentine Frémont ( Traversflöte und Blockflöte), Laurence Valentino ( Violine), Clara Fellmannn ( Viola da Gamba) und Takashia Aida ( Cembalo) eingesprungen. Doch dann in Nicolas Racot de Grandvals Kantate Rien du Tout entfaltet sich die Stimme  ausdrucksstark, und temperamentvoll in ihren lyrischen und dramatischen Facetten. Die Sopranistin zwitschert, giggelt, schmachtet und lockt wie ihre Heldin, die alle emotionalen Sturmgewitter selbstbewusst und auch mit einem kleinen Augenzwinkern meistert. Mimik und Gestik beschwingen dieses musikalische Schauspiel, auf das die Musiker ihr Publikum zuvor auch charmant eingestimmt
Hatten. Bei Karlheinz Stockhausens Virgo verwandeln sich die Instrumentalisten zu einem Chor und steuern dann die magischen Regionen an,  mit The First Witches Dance und einem kleinen Maskenspiel, bei dem die Flöten, die Violine und die Viola da Gamba hexenhaft vergnüglich strahlen.

Für manche Szene hätte man sich den Text gewünscht, um all die feinen und subtilen Gesten nicht nur optisch und klanglich zu genießen. Dafür konnte das Ensemble Les Contre-Sujets auf die Stimme einer wunderbaren Moderatorin vertrauen und auf die Bandaufnahme, mit der die musikalischen Erzählungen verwebt wurden. Samuel Rotsztejn berichtet von einem freundschaftlichen Netzwerk mit der Schauspielerin Hanna Schygulla, die für das Gastspiel in der Aula am Wilhelmsplatz die schicksalshaften Begegnungen mythischer und irdischer Heldinnen schilderte. Ein kleines Memento widmete sie auch einer zeitgenössischen Heldin ohne das barocke musikalische Gewand, mit einer poetischen Widmung für Barbara uns ihr Göttingen Chanson. Jean Baptiste Lullys Portrait der Zauberin Armida, die trotz aller magischen Tricks ihr Happy end vergeblich herbei sehnt kündigt Hanna Schygulla mit einem Aufruf zur Hinhabe an. Nun scheint Sopranistin  Dorothée Leclair auf der Bühne zu schlummern. Aber vielleicht träumt sie ja auch nur ein bisschen wie all die Heldinnen, die in den musikalischen Erzählungen verzaubern.

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