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"Händel goes Pub" mit Brian Berryman, Cornelius Bode und Guido Plüschke

Ich gehe oft in den Irish Pub. Viel zu oft. Im Gegenzug für die häufigen Besuche bleibe ich dann meist auch noch viel zu lang. Heute habe ich allerdings eine Entschuldigung: Ich bin dienstlich da, bekomme also meine geschätzten vier Feierabendliter Guiness bezahlt. Nachdem Sopranistinnen sich in dieser Spielzeit öffentlich im Bett mit Intendanten räkeln dürfen, ist der Schritt zum "Händel goes Pub"-Abend gewissermaßen vorprogrammiert: Nachmittags zusammen ins Bett gehen, abends dann noch schön ein paar Bier und ein wenig Schunkeln. Das Konzept des Kneipenmusikabends ist jedoch vollkommen geglückt – was sicher nicht an der schaumigen schwarzen Brühe lag.

Das dem völlig überfüllten Pub vorstehende Trio besteht aus Brian Berryman (Traversflöte, bretonische Flöte), sowie Cornelius Bode und Guido Plüschke, die ihn abwechselnd auf Gitrarre, Banjo und Bodhrán, einer irischen Rahmentrommel begleiten. Berryman ist gebürtiger Kanadier, aus Neuschottland. Er beschreibt seine Hinwendung zur keltischen Musik mit der Sehnsucht und Suche nach Heimat. "Nach fast zwei Dekaden von Konzerten und Sessions habe ich immer noch das Gefühl nur einen Hauch erfasst zu haben. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich klassische Akzente in meinem Spiel habe, ebenso wie mein Deutsch niemals ganz sauber klingen wird, obwohl ich seit Jahren daran arbeite. Egal: Diese traditionelle Musik heißt jeden willkommen, der sie mit Verehrung und Respekt angeht.", so Berryman, der seit 10 Jahren Teil des Göttinger Festspielorchesters ist und einen Doktorgrad für alte Musik in Stanford erworben hat.

Verehrung und Respekt gelten an diesem Abend allerdings vor allem den unfassbar guten Musikern auf dem Podium des Pubs. Brian Berrymans Spiel ist wunderschön: Von einem runden, vollen Ansatz, mal verspielt, mal verträumt, aber auch in den vielen schnellen Passagen, die den Pub ohne weiteres zum Kochen bringen, immer noch absolut sensibel. Fast jeden Abend gibt es hier Live-Musik; selten aber erlebt man eine so knisternde Stimmung – und Folk mit klassischem Einschlag, der mal nicht ratzig oder nach Bierfahne klingt.

Von den vielen Stücken, die das Trio – meist nur recht kurz angekündigt – spielt, bleiben mir zwei besonders im Gedächtnis: das schottische slow air-Set "Blue Bonnet", dem drei Irish Jigs folgen und ein nach bester Lomax-Art gesammeltes traditional, das sich aus den Bergen Kentuckys in den Irish Pub verirrt hat: "A man of constant sorrow". Letzteres markiert sozusagen einen nachdenklichen Ruhepol in der mittlerweile doch recht whiskeyatmenden Atmosphäre um ungefähr 23 Uhr.

Umso schöner ist dieser Abend, da sich nicht nur quasi die gesamte Göttinger "haute volaute" in der Bar eingefunden hat, sondern vor allem auch das ein Großteil des künstlerisches Team der Händel-Festspiele: Violinistinnen reichen Biergläser von Hand zu Hand durch den gesamten Pub, bis sie bei föhlich angeheiterten Orchestermusikern auf der Treppe eintreffen; es wird schallend gelacht und in den wenigen Pausen gequalmt und gequatscht – zum Schluss flirten berühmte Göttinger Einzelhändler wild mit Musikerinnen, die ihrerseits am Ende ausgelassen und nicht weniger wild beide Tanzbeine schwingen, wobei sie strong cider aus großen Gläsern schlürfen.

Wenn an diesem Abend nicht sogar der "man of constant sorrow" sein Leid vergessen hat, dann weiß ich es auch nicht, denke ich mir. Und bestelle mir ein letztes großes Guiness.

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