Der Landesjugendchor bei den Nikolausberger Musiktagen

Mit einem Konzert des Niedersächsischen Landesjugendchores gingen am Sonntag die ersten Nikolausberger Musiktage zu Ende. Auf dem Programm standen überwiegend Werke von Komponisten aus dem Ostseeraum. Dieser Chor aus 16- bis 26jährigen Jugendlichen besteht aus Mitgliedern aus ganz Niedersachsen und trifft sich zwei bis drei Mal in einem Jahr zu mehrtägigen Probenphasen.

Geleitet wird der Chor zurzeit von Florian Benfer, der auch Leiter des Stockholmer Kammerchores und weiterer Ensembles ist. Gemeinsam mit den jungen Sängerinnen und Sängern hat er das Programm „Nordic Sounds“ erarbeitet, das in der gut besuchten Klosterkirche präsentiert wurde.

Schon im ersten Stück, dem „Ave maris stella“ von Edward Grieg, merkt man an, wie gründlich mit dem Chor gearbeitet worden ist: der Klang aus den knapp 60 Kehlen kam wie aus einem Guss. Und das, obwohl zahlreiche Stimmen im Chor dabei sind, die auch solistisch singen können. Das haben mehrere Mitglieder im Laufe des Abends bewiesen.

Bei einem Chorkonzert kann man nur selten feststellen, dass alle Sängerinnen und Sänger hellwach sind und mehr zum Dirigenten als in die Noten blicken. Das hat natürlich Folgen: der Klang kann sich deutlich besser im Raum entwickeln und der Chor kann auch die kleinsten Nuancen im Dirigat sofort umsetzen. Außerdem sieht es auch für die Zuhörer einfach besser aus.

Voraussetzung für solche Ergebnisse ist intensive Probenarbeit und natürlich die Schulung genau dieser Fähigkeiten. Dazu kommt eine entsprechende stimmbildnerische Arbeit, die beim Landesjugendchor mit individuellen Stimmbildnern pro Stimmgruppe erfolgt.
Das herausragende Stück des Konzertes war das „Canticum Calamitatis Maritimae“ des finnischen Komponisten Jaakko Mäntyjärvi. Das Werk ist 1997 entstanden und verarbeitet das Schiffsunglück der 1994 in der Ostsee gesunkenen Fähre „Estonia“ musikalisch. Ein Requiem, das Gänsehaut verursacht. Bewundernswert, wie die jungen Sängerinnen und Sänger sich musikalisch und damit automatisch auch inhaltlich mit dieser Katastrophe auseinander gesetzt haben.

Als Zugabe gab es einen Gruß an die Nikolausberger Musiktage, in deren Zentrum das Werk von Heinrich Schütz stand: „Verleih uns Frieden“ – und zum Abschied noch eine Vertonung des plattdeutschen Volksliedes „Dat du min Leevsten büst“.

Wir können froh sein, dass das Land Niedersachsen das Projekt „Landesjugendchor“ seit vielen Jahren fördert. Alle Chöre im Land profitieren von dieser hervorragenden Arbeit, die in der Landesmusikakademie Wolfenbüttel geleistet wird.

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